Antje Grothus war schon sehr früh am Donnerstagvormittag in den Wald gefahren. Nun hat sich die Mitgründerin der Bürgerinitiative Buirer für Buir zu den Journalisten gestellt, um ihre Empörung kundzutun. "Die Geschichte mit dem Brandschutz ist abstrus", sagt sie, in eine rote Regenjacke gehüllt. "Ich bin entsetzt, dass ausgerechnet eine Heimatministerin unser schönes Zuhause und unseren schönen Wald zerstört. Man sollte ihr den Titel abnehmen."

Noch am Mittwoch war Grothus mit Klimapilgern, die zur nächsten Klimakonferenz ins polnische Kattowitz wandern, durch die Reste des 12.000 Jahre alten Waldes spaziert. "Es war eigentlich ruhig die letzten Tage. Ich hatte gehofft, dass es noch eine Weile so bleibt." Nun aber drohe eine Eskalation. Grothus sitzt auch in der Braunkohlekommission, die über die Zukunft des Rohstoffs berät. "Ich verstehe nicht, warum man nicht zuerst abwartet, bis man sich über den Braunkohleausstieg verständigt hat und dann die Lage neu bewertet. Stattdessen werden Fakten geschaffen."  

300 Liter Wasser und Konserven

Während die Polizei noch immer mit der Beseitigung des Tripods beschäftigt ist, geht Grothus tiefer in den Wald hinein, in eines der zwölf Dörfer, die die Baumbesetzer errichtet haben. Clumsy wohnt in Oaktown, 30 Bewohner, acht Baumhäuser. Sein Haus steht in 16 Metern Höhe, auf der Stieleiche Mona. Clumsy, zu Deutsch Tollpatsch, seilt sich langsam ab, an seinem Hüftgurt klackern die Karabinerhaken, er trägt ein hellbraunes Flughörnchenkostüm.

Vor sechs Jahren ist der Österreicher in den Hambacher Forst gereist, um Widerstand im Namen des Klimaschutzes zu leisten, wie er sagt. Seit vier Jahren wohnt er beinahe ununterbrochen auf Bäumen. Auch er ist längst auf die bevorstehende Räumung vorbereitet: 300 Liter Wasser und zahlreiche Konserven hat er in den letzten Tagen in sein Haus geschafft, Vorrat für zwei Monate. Sollte die Polizei kommen, wird er sich an einen Betonklotz ketten, der ebenfalls hoch oben in seinem Baumhaus steht.

"Die Landesregierung hat sich für RWE zum Deppen gemacht", spottet er. "RWE darf 100 Hektar roden. Und um diese 100 Hektar wird es einen erbitterten Kampf geben." Und sollten er und seine Mitstreiter tatsächlich entfernt werden, sei das kein Problem. "Wir werden am nächsten Tag wieder hier sein."