Die Bereitschaftspolizei in Nordrhein-Westfalen rechnet damit, dass sich die Räumung des Hambacher Forsts als langwieriger Großeinsatz gestalten wird. In einem Erlass des nordrhein-westfälischen Innenministeriums, der dem Kölner Stadt-Anzeiger vorliegt, ist von einem "Einsatz aller verfügbaren Einheiten" über einen längeren Zeitraum die Rede. 

Für die Polizistinnen und Polizisten im Einsatz gelte derzeit eine Urlaubssperre, die nur in begründeten Ausnahmefällen aufgehoben werde. Die Landespolizeichefin Daniela Lesmeister begründete diese Entscheidung mit der "finalen Widerstands- und Kampfstimmung", die Gegner der Rodung an den Tag legten. Dem Zeitungsbericht zufolge hat die Präsenz im Rodungsgebiet für die Bereitschaftspolizei derzeit grundsätzlich Vorrang: Bis zum 2. Januar könnten Einsätze in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Gelsenkirchen, Essen, Duisburg, Aachen und Bochum nur vorgenommen werden könnten, wenn die Lage in Hambach dies erlaube. Auch sämtliche Fortbildungen sollten bis Anfang Januar ausgesetzt werden.

113 Festnahmen, 670 Platzverweise

Der Energiekonzern RWE will den Hambacher Forst roden, um einen Braunkohletagebau zu erweitern. Nach der Darstellung des Energiekonzerns ist dieser Schritt für die Aufrechterhaltung der Stromversorgung notwendig. Umweltschützer wollen die Rodung des jahrhundertealten Waldes verhindern und fordern ein generelles Ende für den Kohlestrom. Mittlerweile wurden nach Angaben der Polizei Aachen 53 Baumhäuser abgebaut. Seit Beginn der Einsatzmaßnahmen vor knapp zwei Wochen seien 113 Menschen vorläufig festgenommen worden, 222 wurden in Gewahrsam genommen, knapp 670 Personen erhielten einen Platzverweis. 30 Polizisten sollen während der Einsätze verletzt worden sein.

Ein 27-jähriger Journalist und Filmemacher war bei den Protesten am vergangenen Mittwoch von einer Hängebrücke an einem Baumhaus gestürzt und gestorben. Die Landesregierung hatte daraufhin die Räumung der Baumhütten im Wald vorübergehend gestoppt.