Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat einem Bericht des Tagesspiegels zufolge frühzeitig versucht, auf die Berichterstattung bezüglich eines V-Manns im Fall des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri Einfluss zu nehmen. Nachdem Medien über mutmaßliche V-Leute in Amris Umfeld berichtet hatten, habe das BfV Anfang 2017  "anwaltliche Korrekturbitten" versenden lassen, schreibt die Zeitung. Dies habe das BfV selbst bestätigt.

Den Bitten sei entsprochen worden, schreibt der Tagesspiegel weiter. Unklar sei allerdings, um welche Berichte es sich handelt. Dazu habe das BfV keine Angaben machen wollen, damit es zu keiner "Prangerwirkung" komme, hieß es. Eine gerichtliche Klärung der Fälle habe es nicht gegeben.

Es ist nicht üblich, dass das BfV solche "Korrekturbitten" an Medien verschickt. Zur Begründung der ungewöhnlichen Maßnahme habe es geheißen, "Falschberichterstattungen" schädigten das Vertrauen in die Presse und diskreditierten die Sicherheitsbehörden. Das BfV habe der Zeitung gegenüber weiter angegeben, man habe der beteiligten Anwaltskanzlei einen dreistelligen Betrag gezahlt.

Am 19. Dezember 2016 hatte der Tunesier Amri einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gesteuert und dabei zwölf Menschen getötet. Viele weitere Menschen wurden verletzt. Amri flüchtete, konnte aber vier Tage später nach einer europaweiten Fahndung in Italien ausgemacht werden. Doch konnte er nicht mehr befragt werden, er wurde von einem Polizisten erschossen.

Maaßen soll V-Mann verheimlicht haben

Vor knapp einer Woche hatten die Berliner Morgenpost, das ARD-Magazin Kontraste und der Rundfunk Berlin-Brandenburg berichtet, Maaßen habe einen V-Mann im Umfeld Amris verheimlichen wollen. Der BfV-Präsident habe demnach versucht, die Berliner Innenverwaltung bei einem Treffen im März davon zu überzeugen, dass "ein weiteres Hochkochen der Thematik" unterbunden werden müsse. Die Bundesregierung hatte im Januar 2017 auf Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen bestritten, dass es einen V-Mann des Bundesverfassungsschutzes im Umfeld Amris gab. 

Maaßen soll voraussichtlich am 26. September im Bundestagsinnenausschuss zum Fall Amri befragt werden. Dann soll der BfV-Präsident auch zu seinen umstrittenen Treffen mit AfD-Politikern aussagen.