Im Mordprozess um den Tod zweier Frauen, Misshandlungen und Quälereien in Ostwestfalen hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haftstrafen für die beiden Angeklagten Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika W. beantragt. Die Anklage sieht es als erwiesen an, dass sich die beiden des gemeinschaftlichen versuchten und vollendeten Mordes schuldig gemacht haben.

In seinem Plädoyer sprach Oberstaatsanwalt Ralf Meyer von einer besonderen Schwere der Schuld des früheren Ehepaars. Für den 48-jährigen Hauptangeklagten forderte er zudem die Unterbringung in einer Psychiatrie

Angeklagt sind W. und seine frühere Ehefrau wegen Mordes durch Unterlassen. Die beiden sollen über Jahre hinweg mehrere Frauen mit Kontaktanzeigen in ihr Haus im Ort Höxter-Bosseborn gelockt, dort seelisch unter Druck gesetzt und zum Teil körperlich schwer misshandelt haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien.

In den kommenden Verhandlungstagen wird das Gericht sowohl die Plädoyers der Nebenkläger als auch der Verteidiger anhören. Anschließend haben die beiden Angeklagten die Möglichkeit, ein letztes Wort zu sprechen – ohne Zeitvorgabe. Prozessbeobachter befürchten, dass sich eine Urteilsverkündung deshalb verschieben könnte, da die 49-jährige Angelika W. in einem Brief angekündigt hatte, sich ausführlich zu äußern.

Roland Weber, Anwalt einer Nebenklägerin, kündigte bereits stillen Protest an. "Ich werde mit meiner Mandantin den Saal verlassen, sollte die Angeklagte ausschweifend antworten. Ich hoffe sehr, dass die anderen Nebenkläger sich anschließend", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Bereits zum Prozessauftakt hatte die Angeklagte über Tage hinweg ihre Sicht geschildert.