Das Oberste Gericht in Indien hat ein wegweisendes Urteil für die Menschenrechte in dem Land gefällt. Demnach wird Homosexualität nicht mehr geahndet. Zuvor beruhte die Rechtsprechung noch auf dem Paragraph 377 – einem Relikt der britischen Kolonialgesetzgebung aus den 1860er-Jahren. Es bestraft Homosexualität als "Geschlechtsverkehr wider die Natur" mit dem Höchststrafmaß lebenslänglicher Haft.

Ein örtliches Gericht in Neu Delhi hatte Homosexualität im Jahr 2009 zwar gewissermaßen legalisiert. Das Oberste Gericht führte nach Beschwerden religiöser Gruppen die Strafbestimmungen 2014 aber wieder ein. Offiziellen Statistiken zufolge wurden 2016 insgesamt 2.187 Fälle "unnatürlicher Vergehen" registriert. Sieben Menschen wurden verurteilt.

Gleichgeschlechtlicher Sex ist besonders in den ländlichen Gebieten Indiens ein Tabuthema. Homophobie ist weit verbreitet, einige sehen Homosexualität nach wie vor als Geistesstörung an. Etwa jede dritte lesbische Frau hat einer neuen Umfrage zufolge körperliche Misshandlungen und Vergewaltigungen durch Verwandte erlitten.

Seit 2016 wurden mehrere Anträge für die Abschaffung des Paragraphen 377 eingereicht, seit Juli hatte das Oberste Gericht diese angehört.