Das Landgericht in Landau hat im Prozess um die Messerattacke auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel sein Urteil gesprochen. Die Richter der Jugendkammer verurteilten den aus Afghanistan stammenden Abdul D. wegen Mordes zu acht Jahren und sechs Monaten Haft und sahen es damit als erwiesen an, dass er seine damalige Ex-Freundin heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen – in diesem Fall Eifersucht und Rache – getötet hatte.

Die Tat ereignete sich kurz nach Weihnachten 2017 in einem Drogeriemarkt, sorgte bundesweit für Entsetzen und war in den Sog der Debatte um die Flüchtlingspolitik geraten. Rechtspopulistische Gruppen hatten den Fall zum Anlass genommen, um in Kandel immer wieder gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren. In dem Ort mit 9.000 Einwohnern kam es auch zu Ausschreitungen. An diesem Montag blieb es sowohl in Kandel als auch in Landau zunächst ruhig. Ein Mann protestierte vor dem Gericht mit einem Plakat gegen das seiner Meinung nach zu milde Urteil.

Anklage prüft mögliche Revision

Nach Angaben seines Anwalts Maximilian Endler ist der Verurteilte mit dem Strafmaß einverstanden und wird deshalb auf eine Berufung verzichten. Das Urteil sei "angemessen". Ob auch andere Prozessbeteiligte den Richterspruch akzeptieren, wisse er nicht. Endler rechnet damit, dass sein Mandant nach der Verbüßung eines Teils der Strafe abgeschoben wird. In seinem letzten Wort habe Abdul D. noch einmal Reue bekundet. Das Urteil habe der Angeklagte gefasst aufgenommen.

Die Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger hatten zuvor eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert. Nach Angaben eines Sprechers prüft die Anklagebehörde derzeit, ob sie in Revision geht. Das Gesetz lässt dafür eine Woche Zeit.

Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass Abdul D. seine damalige Freundin Mia bestrafen wollte, weil sie sich wenige Wochen vor der Tat von ihm getrennt hatte. Zwölf Tage vor der Tat hatte Mia zudem Anzeige gegen ihren Ex-Freund erstattet, es ging um Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Zwei Tage später folgte eine Anzeige ihres Vaters gegen den jungen Flüchtling.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Abdul D. war nach seiner Ankunft in Deutschland als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aufgenommen und betreut worden. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an. Nach der Tat kamen Zweifel auf, ob er tatsächlich so jung ist. Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat mindestens 17 Jahre und sechs Monate, wahrscheinlich aber schon 20 Jahre alt war.

Das Landgericht Landau entschied sich dennoch dafür, den gesamten Prozess nach Jugendstrafrecht zu führen. Die Öffentlichkeit war daher von der Urteilsverkündung wie auch von den Verhandlungstagen zuvor ausgeschlossen. Verurteilt wurde Abdul D. ebenfalls nach Jugendstrafrecht, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.