Die deutschen Bischöfe haben Schritte zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche beschlossen. "Es darf keine Tabuthemen geben", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx zum Abschluss der Herbstvollversammlung.

Es werde eine Diskussion auch über den Zölibat und die kirchliche Sexualmoral geben. In einer Erklärung kündigten die Bischöfe an, auch die Zahlungen an Opfer zu überprüfen. Zusätzlich wollen die Bischöfe externe und unabhängige Anlaufstellen zu Fragen sexuellen Missbrauchs einrichten.

Die Bischöfe kündigten an, sie wollten mehr als bisher Begegnungen mit Betroffenen suchen. Zudem sollten Standardverfahren zur Führung der Personalakten von Klerikern entwickelt und Diözesen übergreifende Kontrollverfahren für den Umgang mit Missbrauch und die Vorbeugung eingeführt werden. "Ohne eine unabhängige Aufarbeitung gibt es keine wirksame Veränderung und Gerechtigkeit", heißt es in der Erklärung. "Wir wollen klären, wer über die Täter hinaus Verantwortung institutionell für das Missbrauchsgeschehen in unserer Kirche getragen hat."

Hinweise auf 3.677 Opfer sexueller Übergriffe

Am Dienstag hatten Wissenschaftler bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe eine Studie zum Missbrauch in der Kirche vorgestellt. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte das Forscherteam Hinweise auf 3.677 Opfer sexueller Übergriffe gefunden, dazu Hinweise auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute. Die Experten gehen von weiteren Fällen aus, die nicht in den Akten erfasst sind. Marx hatte wiederholt von einem nötigen Wendepunkt der Kirche gesprochen.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, sagte, die Maßnahmen sollten kontinuierlich überprüft und über das Vorgehen öffentlich berichtet werden. Der weitere Weg solle "gemeinsam mit Betroffenen sexuellen Missbrauchs, externen Fachleuten und Vertretern unserer Laiengremien, besonders des Zentralkomitees der deutschen Katholiken" erfolgen. Er sprach von einer neuen Etappe, in der eine konkrete Aufarbeitung erfolgen müsse.