Beamte des Landeskriminalamts Sachsen (LKA) haben sich bei einem Diensteinsatz mit dem Namen des NSU-Mitglieds Uwe Böhnhardt in eine Liste eingetragen. Gegen die beiden Polizisten des Sondereinsatzkommandos (SEK) wurde nach Angaben der Dresdner Behörde ein Disziplinarverfahren eingeleitet mit dem Ziel, sie aus dem Dienst zu entfernen. 

Die beiden Beamten waren wegen des Staatsbesuchs des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Berlin im Einsatz. Die Liste diente der Ausstellung eines Zutritts- und Berechtigungsdokuments. Die Polizisten wurden vom LKA nach Angaben der Behörde unverzüglich aus dem Einsatz abgezogen und befragt. Ihnen wurde daraufhin die weitere Ausübung der Dienstgeschäfte untersagt.

Die Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erschossen zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen: acht Türken, einen Griechen und eine deutsche Polizistin. Zudem zündeten sie 2000 und 2004 zwei Bomben in Köln – mehr als 20 Menschen wurden bei dem zweiten Anschlag verletzt. Um ihr Leben im Untergrund zu finanzieren, begingen die Männer 15 Raubüberfälle. Als Mundlos und Böhnhardt am 4. November 2011 in ihrem Wohnmobil starben, legte Beate Zschäpe Feuer in dem Zwickauer Wohnhaus, in dem die drei zusammen gelebt hatten. Dass sie den Brand gelegt hat, hat Zschäpe im Prozess gestanden.

LKA-Präsident Petric Kleine nannte das Verhalten der SEK-Beamten "vollständig inakzeptabel, im höchsten Maße verantwortungslos und an Dummheit kaum zu überbieten". Den Namen eines Täters der NSU-Morde in eine Liste mit dienstlichen Angaben und im Rahmen eines dienstlichen Anlasses einzutragen, sei abscheulich und stelle für die Opfer und deren Angehörige eine Missachtung höchsten Maßes dar. Er entschuldige sich ausdrücklich bei den Betroffenen, sagte Klein. Der Vorfall sei seiner Einschätzung nach geeignet, die Arbeit und das Ansehen des LKA und der gesamten sächsischen Polizei "nachhaltig zu schädigen". Das sei nicht hinnehmbar.