Die marokkanische Marine hat am Dienstag im Mittelmeer auf ein Flüchtlingsboot geschossen und dabei eine Frau getötet. Drei weitere Menschen seien verletzt worden, teilten die marokkanischen Behörden mit. Die Marine sei "gezwungen" gewesen, das Feuer zu eröffnen, nachdem das von einem Spanier gesteuerte Rennboot nicht auf ihre Anweisungen reagiert habe, hieß es.

Der Vorfall habe sich nach Angaben des Innenministeriums in Rabat in marokkanischen Gewässern ereignet, in der Nähe der Präfektur M'Diq-Fnideq, unweit der Hafenstadt Tanger. Zunächst habe es vier Verletzte gegeben. Eine 22-jährige Marokkanerin sei dann im Krankenhaus von M'Diq ihren Verletzungen erlegen. Eine weitere Person befinde sich in kritischem Zustand, zitierte die französische Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) einen Menschenrechtler vor Ort.

Der spanische Steuermann sei nach Informationen von AFP unverletzt geblieben und festgenommen worden. An Bord hätten sich insgesamt 25 Insassen befunden. Sie hätten auf dem Boden gelegen und seien nicht zu sehen gewesen.

Spanien arbeitet eng mit Marokko zusammen

Seit Italien Bootsflüchtlingen die Einreise verweigert, machen sich wieder mehr Migranten auf den Weg nach Spanien. Nur wenige Kilometer trennen Marokko und Südspanien voneinander, außerdem liegen in Marokko die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Die Grenze wird auf beiden Seiten gut bewacht und durch einen Grenzzaun gesichert.

Spanien arbeitet seit Jahren eng mit den marokkanischen Behörden zusammen. Dafür schlossen die beiden Länder bereits 2005 ein Abkommen, das den Nordafrikanern für die Migrationskontrolle großzügige Entwicklungshilfe in Aussicht stellte.

Im August dieses Jahres hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisiert, Spanien in seiner Zusammenarbeit mit Marokko zu unterstützen. Offen blieb bislang, wie eine engere Kooperation aussehen könnte.

Das nordafrikanische Land hat nach eigenen Angaben seit Jahresbeginn 54.000 Menschen an der Ausreise Richtung EU gehindert. Spanien zählte seit Anfang 2018 mehr als 38.000 ankommende Flüchtlinge, davon allein mehr als 6.000 junge Marokkaner im vergangenen Monat.