Der Opferverband Eckiger Tisch hat kritisiert, dass die katholische Kirche ihren Missbrauchsskandal nicht umfassend genug aufklärt. Vor allem würden in einer Studie der Kirche dazu keine Namen fallen, weder von Tätern noch von ihren Vorgesetzten, bemängelte der Verband. "Es werden auch keine verantwortlichen Bischöfe genannt, die das System aus sexuellen Übergriffen über Jahrzehnte gedeckt und perfektioniert haben." Die katholische Kirche solle ihre Archive öffnen. Die Studie sei nur ein "Ausschnitt der Wirklichkeit", sagte Matthias Katsch, der Sprecher des Eckigen Tisches.

Die Studie zum Missbrauchsskandal wird am Mittag vorgestellt, sie ist aber bereits in die Öffentlichkeit gelangt, unter anderem die ZEIT berichtete vorab. Kritik kam auch vom Bundesbeauftragten für Missbrauch. Auch er forderte Zugang zu den Archiven durch staatliche Stellen. Dafür sollten entsprechende Verträge zwischen Bund, Ländern und Kirche geschlossen werden.

Auch der Kriminologe Christian Pfeiffer kritisierte in der Passauer Neuen Presse die Studie. Wenn die Kirche das Vertrauen der Gläubigen wieder zurückgewinnen wolle, "muss sie offenlegen, wo sie Fehler begangen hat", sagte Pfeiffer. Sie müsse auch personelle Konsequenzen ziehen. "Die ganze verbale Erschütterungsrhetorik, die wir heute zu hören bekommen, überzeugt mich nicht, solange die Kirche nicht konsequent ist und die Dinge wirklich offenlegt."

Marx: "Wir müssen noch mehr tun."

Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) forderte ebenfalls Veränderungen innerhalb der Kirche: "Die Bedingungen für den Machtmissbrauch, für den Gewissensmissbrauch, dürfen nicht so gut sein, wie sie anscheinend bislang waren. Es braucht tiefgreifende Veränderungen, die das Klima in der Kirche anders werden lassen, als es in der Vergangenheit war", sagte sie im Inforadio vom RBB.

Die offizielle Vorstellung der Studie soll bei der Bischofskonferenz erfolgen. Zum erstem Mal werden dann auch die Studienautoren zu den Ergebnissen dazu sprechen. Auf der Website der Deutschen Bischofskonferenz kann man das Pressegespräch im Livestream verfolgen.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief die Kirche dazu auf, sich weiter mit den Missbrauchsfällen auseinanderzusetzen. "Wir müssen noch mehr tun", sagte Marx laut Bischofskonferenz am Dienstagmorgen in einem Gottesdienst in Fulda. Bei "all dem Dunklen" sei es eine Verpflichtung "hinzuschauen, zu verstehen und Konsequenzen zu ziehen".