Die Bundeswehr hat nach Angaben des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius (SPD) die Landesbehörden bislang nicht über den Ausbruch des Moorbrandes auf einem Übungsgelände bei Meppen informiert. Man habe am 13. September inoffiziell davon erfahren, als beim Kompetenzzentrum Großschadenslagen des Innenministeriums Feuerwehrmaterial angefordert worden sei, sagte Pistorius im Innenausschuss des Landtages. Der Innenminister kritisierte die Informationspolitik der Bundeswehr. Diese sei "nicht nachvollziehbar".

Zuvor hatte die Neue Osnabrücker Zeitung über die Kritik von Pistorius berichtet. Demnach sagte der Minister, Kommunikation und Zusammenarbeit hätten sich inzwischen verbessert. Die Bundeswehr habe aber weiter die Hoheit über den Einsatz. Er forderte Aufklärung vom Verteidigungsministerium.

Nach Angaben von Pistorius sollte noch am Donnerstag ein Hubschrauber mit einer Wärmebildkamera das Gelände absuchen. Am Nachmittag wollte Pistorius nach Meppen reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Brandstiftung

Am 3. September war auf einem Außengelände der Wehrtechnischen Dienststelle WTD 91 der Bundeswehr ein Brand ausgebrochen. Ersten Berichten zufolge wurden zu Testzwecken Raketen ins Moor geschossen, eine Löschraupe war jedoch defekt. Dadurch konnte sich das Feuer ausbreiten. Nun, knapp zwei Wochen später, ist der Brand immer noch nicht unter Kontrolle. Inzwischen breiteten sich die Flammen im Moorboden auf einer Fläche von rund zwei mal vier Kilometern aus, der Rauch zieht weithin über das Land und sorgt für Beschwerden. Auch werden die Löscharbeiten erschwert, weil auf dem Gelände Munitionsreste vermutet werden. Seit 1876 wird das Moor als Übungsgelände genutzt.

Die Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch Ermittlungen wegen Brandstiftung aufgenommen. Dies erfolgte "von Amts wegen", sagte ein Sprecher der Behörde in Osnabrück. Man reagiere auf die Medienberichterstattung und werde nun Kontakt zur Bundeswehr aufnehmen, hieß es.

Infrage kommen demnach verschiedene Delikte wie fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung. Zusätzlich zur Aufnahme eigener Ermittlungen erwartete die Staatsanwaltschaft demnach noch den Eingang von Strafanzeigen aus der Bevölkerung. So hatten die Grünen im niedersächsischen Landtag nach eigenen Angaben die Verantwortlichen wegen des Geschehens angezeigt. Die Bundeswehr kündigte eine eigene interne Überprüfung des Falls an.

Zuständig für die Brandbekämpfung ist die Bundeswehr, aber auch zivile niedersächsische Feuerwehren beteiligen sich daran. Der Landkreis Emsland aktivierte am Mittwoch seinen Krisenstab. Evakuierungen von angrenzenden Orten seien nicht geplant. Die Luftbelastung werde kontrolliert, Gesundheitsgefahr durch den Qualm bestehe nicht.