Ein zu Unrecht abgeschobener Flüchtling aus Afghanistan bleibt vor Gericht vorerst ohne Erfolg: Das Verwaltungsgericht Greifswald hat die Klage von Nasibullah S. abgewiesen, sagte ein Gerichtssprecher.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des NDR begründeten die Richter die Ablehnung der Klage unter anderem damit, dass Nasibullah S. während seines Aufenthalts in Afghanistan nach der Abschiebung nicht verfolgt worden sei. Der Geflüchtete habe von keiner konkreten Gefahrenlage berichten können.

Der 20-Jährige habe jedoch die Möglichkeit, Rechtsmittel beim Oberverwaltungsgericht Greifswald einzulegen. Anwältin von S. ist die SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen. Sie sagte den Medienberichten zufolge, dass sie für die Berufungsbeschwerde gute Erfolgsaussichten sehe und in jedem Fall Rechtsmittel einlegen werde. Dennoch sei die Entscheidung des Gerichts ein Rückschlag: "Ich bin enttäuscht und werde weiterkämpfen", sagte Steffen.

Im Dezember 2015 hatte der junge Mann aus Afghanistan erstmals Asyl in Deutschland beantragt. Im Februar 2017 hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Antrag abgelehnt.

Am 3. Juli dieses Jahres war der 20-Jährige dann zusammen mit 68 weiteren Asylbewerbern nach Kabul abgeschoben worden – und das, obwohl ein Klageverfahren zu seinen Asylantrag noch nicht abgeschlossen war. Damit war die Abschiebung unrechtmäßig. Im August hatten die Behörden die Rückkehr von Nasibullah S. nach Deutschland veranlasst, damit das Klageverfahren ordnungsgemäß stattfinden konnte.

Weil der Abschiebeflug mit 69 Personen im Juli am 69. Geburtstag von Bundesinnenminister Horst Seehofer stattgefunden hatte, hatte sich der CSU-Chef einen lustig gemeinten Kommentar erlaubt.