Die Aussichten auf einen Job stehen und fallen in Deutschland mit einem Schulabschluss. 83 Prozent derjenigen, die einen Realschulabschluss oder eine Berufsausbildung absolviert haben, haben eine Beschäftigung; bei Hochschulabsolventen liegt die Quote sogar bei fast 90 Prozent – im Schnitt. Doch für im Ausland geborene Menschen sieht die Lage in Deutschland schlechter aus. Das geht aus der OECD-Studie Bildung auf einen Blick hervor, einem Leistungsvergleich unter den OECD-Staaten und ihren Partnerländern.

Die gute Nachricht ist: Der Wert der 15- bis 29-Jährigen, die weder angestellt noch in Ausbildung oder im Studium sind, ist mit insgesamt etwa zehn Prozent einer der niedrigsten in den OECD-Ländern. Allerdings ist dieser Anteil unter den jungen Leuten deutlich höher, die nicht in Deutschland geboren wurden: Von ihnen ist jeder vierte weder in Ausbildung oder Studium noch hat er einen Job. Das liegt nach Auffassung der Studienautoren auch an der Ankunft vieler jüngerer Flüchtlinge, "die sich derzeit noch im Integrationsprozess befinden", etwa in Sprachkursen.  

Ein großer Unterschied zwischen im In- und im Ausland Geborenen zeigt sich auch in der Zahl der Realschulabschlüsse. Erwachsene, die nicht in Deutschland geboren wurden, erreichen dreimal häufiger keinen Sekundarschulabschluss (32 Prozent) als Menschen mit einem Geburtsort in Deutschland: Da sind es neun Prozent.

Auch in den meisten anderen OECD-Ländern haben Erwachsene, die im Ausland geboren wurden, mit größerer Wahrscheinlichkeit keine Beschäftigung oder befinden sich in Ausbildung. In Deutschland und auch in Österreich ist der Unterschied zwischen im Inland und im Ausland geborenen Menschen aber besonders groß. 2017 hatten sieben Prozent der 15- bis 29-Jährigen mit einem deutschen Geburtsort weder Job noch waren sie in Schule, Ausbildung oder Studium; auf ihre Altersgenossen mit einem Geburtsort außerhalb Deutschlands traf das mehr als dreimal so häufig zu. Kaum Unterschiede gibt es hier in Estland, in Ungarn ist das Verhältnis sogar umgekehrt.

"Möglicherweise Diskriminierung bei der Jobsuche"

Allerdings gleicht sich das Verhältnis an, je jünger die Zuwandererinnen und Zuwanderer waren, als sie nach Deutschland kamen. So sind 32 Prozent derjenigen, die mit 16 Jahren oder später nach Deutschland kamen, weder in Beschäftigung noch in Ausbildung  – aber nur elf Prozent derjenigen, die spätestens mit 15 Jahren zugewandert sind.

Doch mit dem Bildungsgrad steigen die Unterschiede wieder. So hat zwar ein Viertel der im Ausland geborenen Erwachsenen der Studie zufolge einen Hochschulabschluss, bei den in Deutschland Geborenen sind es 30 Prozent. Nur haben die Einwanderer seltener einen Job: Während Hochschulabsolventen mit Geburtsort in Deutschland zu 91 Prozent einer Beschäftigung nachgehen, liegt die Beschäftigungsquote bei im Ausland geborenen Menschen bei 78 Prozent. Über die verschiedenen Bildungsstände hinweg sei dies der größte Abstand bei den Beschäftigungsquoten zwischen im In- und Ausland geborenen Arbeitskräften, heißt es bei der OECD. Ihre Abschlüsse und Berufserfahrungen würden wahrscheinlich nicht anerkannt und sie hätten sprachliche Probleme – "die ein oder andere Form von Diskriminierung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz" könnte allerdings auch eine Rolle spielen, heißt es vonseiten der OECD. 

Doch insgesamt gilt in Deutschland: Je höher der Abschluss, desto besser die Jobchancen. Die meisten jungen Leute in Deutschland verlassen die Schule mindestens mit Sekundarschulabschluss (87 Prozent). Wer ihn nicht hat, für den rächt sich das. Ohne Schulabschluss sind die Menschen mit 15 Prozent fünfmal häufiger arbeitslos als Menschen mit mindestens einem Realschulabschluss. 

Die besten Beschäftigungsaussichten haben Erwachsene mit Hochschulabschluss, und zwar nicht nur wenn sie einen Master oder eine Promotion haben (90 Prozent), das gilt auch für Bachelorabsolventen (88 Prozent).  Diese Quote ist höher als der OECD-Schnitt.

Studieren lohnt sich finanziell, vor allem für Männer

Und auch finanziell lohnt sich in Deutschland ein Studium. Erwachsene mit Bachelor verdienen 65 Prozent mehr als Leute mit lediglich einem Sekundarschulabschluss. Wer einen Master oder eine Promotion hat, hat sogar 83 Prozent mehr Gehalt.

Das könnte einer der Anreize sein, weshalb immer mehr junge Menschen ein Studium aufnehmen. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) von ihnen schreibt sich an einer Hochschule ein. Das liegt zwar unter dem OECD-Schnitt von 58 Prozent, ist aber in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt nicht so entscheidend, wenn die jungen Leute stattdessen eine Berufsausbildung haben. So haben mit 83 Prozent fast ebenso viele Menschen mit Berufsausbildung einen Job wie diejenigen mit Hochschulabschluss (87 Prozent).

Allerdings spielen nach wie vor die Bildungsabschlüsse der Eltern eine große Rolle dabei, wer ein Studium beginnt und wer nicht. Wer studiert, hat häufig selbst mindestens ein Elternteil mit einem Uniabschluss (58 Prozent).  Aber nur 29 Prozent derjenigen, deren Eltern maximal einen Sekundarschulabschluss oder Berufsausbildung haben, gehen an die Uni.

Solche Unterschiede gibt es zwischen Frauen und Männern kaum noch. Unter den 25- bis 34-Jährigen ist ihr Anteil mit Hochschulabschluss etwa gleich hoch. Doch die Wahl der Fachrichtung unterscheidet sich immer noch stark – und damit die Bezahlung. 85 Prozent der Absolventen von Fächern im Gesundheits- oder Sozialwesen sind weiblich; nur neun Prozent Frauen studieren dagegen in Ingenieurs- und Bauwesenstudiengängen. "Die Verdienstgefälle erklären sich zum Teil aus der geschlechtsspezifischen Wahl der Studienfächer, die mit unterschiedlichen Einkommensniveaus einhergehen", schreiben die OECD-Autoren.