Der russische Pussy-Riot-Aktivist Pjotr Wersilow, der derzeit in Berlin medizinisch betreut wird, ist wieder bei Bewusstsein. Über Twitter teilte Wersilow mit, dass er vor drei Tagen das Bewusstsein wiedererlangt habe. Davor habe er zwölf Tage in einem "schwarzen Loch" verbracht. Er wird auf der Intensivstation der Berliner Charité behandelt.

Nach Einschätzung der behandelnden Ärzte war Wersilow vermutlich vergiftet worden. Es gebe eine "hohe Plausibilität" dafür und zugleich keinen Anhaltspunkt, dass eine andere Erklärung vorliegen könnte, sagte der verantwortliche Arzt Kai-Uwe Eckardt. Eine konkrete Substanz sei allerdings nicht festzustellen gewesen.

Am 11. September war der regierungskritische Aktivist in ein Krankenhaus in Moskau eingeliefert worden. Nach Angaben von Familienmitgliedern verlor Wersilow zuerst seine Sehfähigkeit, "dann die Fähigkeit zu sprechen, dann die Fähigkeit zu gehen". Die Vergiftungserscheinungen hatten eingesetzt, nachdem Wersilow während eines Gerichtstermins in Moskau etwas gegessen hatte. Fünf Tage später war Wersilow nach Berlin eingeflogen worden, um in der Charité medizinisch versorgt zu werden.

Wersilows Partnerin Weronika Nikulschina nannte ein mögliches Motiv für die Vergiftung: Wersilow habe die Ermordung von drei russischen Journalisten in der Zentralafrikanischen Republik untersucht. Die Journalisten seien im Juli getötet worden, als sie über russische Interessen im Bergbau des afrikanischen Landes berichten wollten. Wersilow ist Gründer der Website MediaZona, die über Gerichtsverfahren gegen Menschenrechtsaktivisten berichtet.

Wersilow und drei weitere Pussy-Riot-Aktivisten waren im Juli während des Finalspiels der Fußballweltmeisterschaft in Russland zwischen Frankreich und Kroatien in Polizeiuniformen aufs Spielfeld gerannt. Ziel der Aktion war es nach Darstellung der Gruppe, auf die unverhältnismäßigen Befugnisse der russischen Polizei aufmerksam zu machen. Die Aktivistinnen und Aktivisten waren dafür zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden.