Seit Jahren recherchieren und dokumentieren ZEIT ONLINE und Tagesspiegel in einem Langzeitprojekt, wie viele Menschen von rechtsmotivierten Gewalttätern umgebracht worden sind. Das Ergebnis: Zwischen 1990 und 2017 wurden in Deutschland mindestens 169 Menschen getötet. Weniger als die Hälfte davon taucht jedoch auch in den offiziellen Statistiken der Sicherheitsbehörden auf.

Während der Recherchen haben wir auch unzählige Fälle geprüft, bei denen sich der anfängliche Verdacht eines politischen Hintergrunds letztlich nicht bestätigte. Daneben gab es aber eine Reihe von Gewalttaten, bei denen eine rechte Tatmotivation zwar naheliegt, aber doch Zweifel blieben. Diese Fälle mit insgesamt 61 Toten dokumentieren wir in der folgenden Liste. Teilweise fehlten Informationen über den genauen Tatablauf oder es konnten auch gar keine Täter ermittelt werden.

Falls Sie zu einem der folgenden Tötungsdelikte Informationen haben oder von einem bislang unbekannten Fall wissen, bei dem es Anhaltspunkte für ein rechtes Gewaltverbrechen gibt, schreiben Sie uns. Wir werden versuchen, allen Hinweisen nachzugehen. Sie können sich über unseren anonymen Briefkasten an uns wenden. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an recherche-todesopfer@zeit.de.

Übrigens: Eine Reihe von Taten, die wir in der Vergangenheit als Verdachtsfälle eingestuft hatten, wurde im Nachhinein offiziell anerkannt und in die staatlichen Statistiken zu rechtsmotivierter Gewalt aufgenommen.

Die 61 Verdachtsfälle

  • Bilal A.

    • männlich
    • Rassismus
    • Nordrhein-Westfalen
    • Alter: 30
    • Ort: Bergisch-Gladbach
    • Datum: 27.03.2018

    Der 30-jährige Bilal A. wird am 27. März 2018 in Bergisch-Gladbach zur Mittagszeit auf offener Straße von von einem 25-jährigen Nachbarn durch Schüsse mit einer Pfefferspraypistole so schwer verletzt, dass er vier Tage später stirbt. "Ein fremdenfeindliches Motiv" für die Schüsse, die den Deutschen mit marokkanischen Wurzeln aus nächster Nähe unter anderem ins Auge trafen und dessen Augenhöhle zertrümmerten, könne "nicht ausgeschlossen werden", sagte Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn von der Staatsanwaltschaft Köln auf Nachfragen zu Tagesspiegel und ZEIT Online. Auf dem Handy des tatverdächtigen Schützen seien einschlägige WhatsApp-Nachrichten gefunden worden. Offenbar hatte der Tatverdächtige Bilal A. für eine Serie mutwilliger Sachbeschädigungen an parkenden Autos in der gemeinsamen Nachbarschaft verantwortlich gemacht. Wenige Tage vor den tödlichen Schüssen waren in dem Gewerbegebiet Zinkhütte unter anderem die Reifen am Pkw des Tatverdächtigen und bei mehr als zwei Dutzend weiteren Autos zerstochen worden. In der Nachbarschaft kursierten daraufhin Aufrufe zum Aufbau einer "Bürgerwehr", gefordert wurden "Aufrüstung" und "Überwachungskameras". Sowohl Bilal A. als auch sein Nachbar waren polizeibekannt. Offen ist daher laut Staatsanwaltschaft, inwieweit Fremdenfeindlichkeit oder ein Nachbarschaftsstreit für die tödlichen Schüsse ausschlaggebend gewesen seien.

  • Ramona Sorce

    • weiblich
    • Hass auf Sinti und Roma
    • Saarland
    • Alter: 42
    • Ort: Schwarzenacker
    • Datum: 08.05.2017

    Die aus Rumänien stammende 42-jährige Ramona Sorce wird am 8. Mai 2017 vor ihrem Haus in Schwarzenacker (Saarland) erschossen. Der Mörder ist ihr Nachbar. Er flüchtet nach der Tat mit seinem Auto und erschießt sich selbst, bevor die Polizei ihn finden kann. Bei Anwohnern ist der 61-Jährige für seine rechtsextremen Ansichten und seine Verehrung für Hitler bekannt. In seinem Haus finden die Beamten mehrere Schusswaffen und zahlreiche NS-Devotionalien. Die Mutter der Toten sagt in einem Zeitungsinterview, dass der Nachbar öfter geäußert habe, "dass wir als Rumänen in der Straße nichts verloren hätten". Bereits ein Jahr zuvor hatte der Täter versucht, den Hund von Ramona Sorce zu vergiften. Wenige Tage vor dem tödlichen Schuss wurde er dafür zu einer Geldstrafe verurteilt.

  • Klaus B.

    • männlich
    • Verachtung für Obdachl./Randständige
    • Angriffe auf Nicht-Rechte
    • Nordrhein-Westfalen
    • Alter: 40
    • Ort: Waldbröl
    • Datum: 01.09.2016

    Um "Flüchtlinge aufzumischen", verlassen am 1. September 2016 in Waldbröl (NRW) vier Männer nach einem Trinkgelage ihre Wohnung. Als Grund geben sie später im Prozess an, dass es Gerüchte gab, die Schwester eines Freundes sei von "einem Asylanten" belästigt worden. In der Innenstadt treffen sie auf eine Gruppe Geflüchteter, die sie bedrohen und dann attackieren. Die Angegriffenen wehren die Täter mit Holzlatten ab. Bei der anschließenden Hetzjagd rufen die Angreifer unteren anderem"Ich mach dich tot, Alter!" und werfen einen Stein nach der Gruppe. Die Flüchtlinge können jedoch entkommen. In diesem Moment treffen sie vor einem Supermarkt zufällig Klaus B., mit dem sie schon früher Streit hatten. Nach gegenseitigen Beschimpfungen beginnt die Gruppe den 40-Jährigen mit einem Stock und Fäusten zu schlagen und zu treten. Auch nachdem er mehrfach wehrlos auf dem Boden liegt, prügeln die Täter weiter. B. bleibt mit einem Schädelbruch und schweren Hirnblutungen auf dem Parkplatz liegen. Neun Tage später stirbt er im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen. Einer der Angeklagten sagt wenige Tage nach der Tat einer Freundin, es wäre im "scheißegal" falls Klaus B. sterbe, dann habe man eben "einen Junkie weniger". 2017 verurteilt das Landgericht Bonn die vier Angeklagten wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge in einem "minderschweren" Fall zu Freiheitsstrafen von 2,5 bis 4 Jahren.

  • Luke Holland

    • männlich
    • Rassismus
    • Machtdemonstration
    • Berlin
    • Alter: 31
    • Ort: Berlin-Neukölln
    • Datum: 20.09.2015

    Vor einer Bar in Berlin-Neukölln wird am 20. September 2015 gegen 6 Uhr morgens der 31-jährige Luke Holland von dem 62-jährigen Rolf Z. mit einem Bauchschuss aus nächster Nähe getötet. Rolf Z., der als unregelmäßiger Gast in der DelRex-Bar im Verlauf des Abends mehrfach den Barbesitzer und Barbesucher nicht deutscher Herkunft angepöbelt und sich darüber beschwert hatte, dass in der ehemaligen deutschen Neuköllner Eckkneipe nach dem Besitzerwechsel "nur noch Englisch und Spanisch" gesprochen werde, hatte die Bar gegen 5.30 Uhr verlassen. Aus seiner nahegelegenen Wohnung holte der Gelegenheitsarbeiter Z. eine doppelläufige Schrotflinte und Munition und einen langen schwarzen Mantel und kehrte zur Bar zurück. Vor deren Tür schießt er ohne Vorwarnung dem britischen Juristen Luke Holland, der dort mit einem Freund telefonierte, aus nächster Nähe in den Bauch. Luke Holland verblutet. Polizeibeamte finden später in der Wohnung des Todesschützen dessen sogenanntes „Sammlerzimmer“ und darin u.a. zwei großformatige Porträtfotos von Adolf Hitler, eine Hitlerbüste, mehrere großkalibrige Waffen, Munition in einer hakenkreuzförmigen Aufbewahrungsdose, Schwarzpulver in größeren Mengen sowie zahlreiche CDs von Neonazibands und ein Poster der Neonaziband "Landser". Nach 20 Verhandlungstagen verurteilt das Landgericht Berlin im Juli 2016 Rolf Z. untere anderem wegen Mordes zu einer Gesamtstrafe von elf Jahren und sieben Monaten Haft. Die Kammer erklärt im Urteil, man habe „insbesondere nicht feststellen können“, dass Z. „aus Ausländerhass oder aufgrund einer rechtsextremen Gesinnung“ Luke Holland erschoss. Für möglich halten es die Richter, dass Z. auf die Barbetreiber und -gäste "wütend" gewesen sei, "weil diese Englisch und Spanisch sprachen" und er sich schlecht behandelt fühlte. Die Eltern von Luke Holland, ihre Nebenklageanwälte sowie die Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş weisen hingegen auf die umfangreichen NS- und Neonazifundstücke in Z.’s Wohnung und gehen davon aus, dass Rolf Z. ein gefestigtes extrem rechtes Weltbild hatte. Das fremdenfeindliche Motiv, aus dem heraus Z. dann Luke Holland ermordete, sei vom Gericht jedoch nicht ausreichend gewürdigt worden. Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, der die Eltern Luke Hollands als Nebenkläger vertreten hatte, kritisiert zudem, dass den Prozessbeteiligten die Ermittlungsakten aus einem Strafverfahren gegen Rolf Z. wegen einschlägiger Waffendelikte vorenthalten worden seien. Die Berliner Strafverfolgungsbehörden hätten zudem bewusst zahlreiche Anhaltspunkte nicht ausermittelt, die Rolf Z. mit dem bis heute unaufgeklärten Mord an Burak Bektaş im April 2012 in Neukölln in Verbindung bringen würden.

  • Burak Bektaş

    • männlich
    • Rassismus
    • Berlin
    • Alter: 22
    • Ort: Berlin
    • Datum: 05.04.2012

    In der Nacht zum 5. April 2012 wird in Berlin-Neukölln der aus einer türkischen Familie stammende Burak Bektaş (22) auf offener Straße erschossen. Der Täter richtet seine Handfeuerwaffe plötzlich und ohne erkennbaren Anlass auf den Lehrling und dessen vier Freunde. Die jungen Männer, alle mit Migrationshintergrund, stehen an einer Straße nahe dem Krankenhaus Neukölln zusammen. Getroffen werden auch Markus Jamal A. und Alexander A. Nach den Schüssen flieht der Täter. Die Überlebenden können den Täter aber nur vage beschreiben: Der Mann sei 40 bis 60 Jahre alt gewesen und habe eine zweifarbige Jacke getragen. Die Familie des Toten und eine "Initiative Aufklärung für den Mord an Burak Bektaş" kritisieren später die polizeilichen Ermittlungen, da ein rassistischer Hintergrund und entsprechende Spuren erst auf ihre Interventionen hin geprüft worden seien. Seit dem sechsten Jahrestag der Ermordung von Burak Bektaş erinnert am Tatort eine Bronzeskulptur an den jungen Lehrling. Während des Prozesses um den Mord an Luke Holland im September 2015 in Berlin-Neukölln weisen Nebenklagevertreter und Angehörige auf Indizien hin, die den dortigen Täter, Rolf Z., mit den Schüssen auf Burak Bektaş in Verbindung brächten. Der RBB hat den Fall in einer Webdokumentation nachgezeichnet – https://webdoku.rbb-online.de/burak

  • Sven M.

    • männlich
    • Anderes Motiv
    • Nordrhein-Westfalen
    • Alter: 27
    • Ort: Hemer
    • Datum: 14.05.2010

    Der 27-jährige Sven M. wird in der Nacht zum 14. Mai 2010 in einem illegalen Naziclub in Hemer (Nordrhein-Westfalen) erstochen. Er hatte selbst Verbindungen zur rechten Szene und war Wochen zuvor aus der Kneipe geworfen und später brutal verprügelt worden. An dem Abend wollte er offenbar klären, wer ihn angegriffen und bedroht hatte. Nach den Ermittlungen der Polizei rammt der Barbesitzer Alexander U. dem Opfer ein Messer bis zur Wirbelsäule in den Hals und versucht den Leichnam anschließend mithilfe von drei weiteren Männern in einem Waldstück bei Westig zu verscharren. Für das Tötungsdelikt habe der politische Hintergrund keine Rolle gespielt, betonte der Staatsanwalt noch während der Ermittlungen. "Wir vermögen eine ernsthafte politische Gesinnung nicht zu erkennen." Vielmehr habe allein der Alkohol die Klubmitglieder vereint. Ein Aussteiger berichtet jedoch, dass in dem Lokal "reichlich Drittes Reich" mit Hakenkreuzfahnen und Stahlhelmen vorhanden war. Es habe Versammlungen und eine Klubkasse gegeben. Zudem seien die Mitglieder von dem Haus aus häufig zu Treffen der rechtsextremen Szene gefahren. Der wegen Gewaltdelikten mehrfach vorbestrafte Alexander U. wurde im Oktober 2010 vom Landgericht Hagen zu 14 Jahren Haft wegen "Mord aus Heimtücke" verurteilt.

  • Holger Urbaniak

    • männlich
    • Verachtung für Obdachl./Randständige
    • Brandenburg
    • Alter: 49
    • Ort: Frankfurt (Oder)
    • Datum: 07.10.2007

    Der 49-jährige Obdachlose Holger Urbaniak liegt am 7. Oktober 2007 in Frankfurt (Oder) tot in einem Teich im Lennépark. Zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren haben Urbaniak geprügelt, eine Flasche auf seinem Kopf zerschlagen, ihm 20 Euro geraubt und ihn ertränkt. In der Anklageschrift hält die Staatsanwaltschaft den Tätern einen "grundsätzlichen" und "auf Gesinnung basierenden Hass" auf Obdachlose und Alkoholkranke vor. Das Landgericht Frankfurt (Oder) bestätigt dies im Urteil nicht. Weitere Details werden nicht bekannt, die Kammer hat die Öffentlichkeit wegen des Alters der Angeklagten vom Prozess ausgeschlossen. Das Gericht verurteilt die Täter wegen Mordes, schwerem Raub und gefährlicher Körperverletzung zu je acht Jahren Jugendstrafe.

  • Unbekannt

    • männlich
    • Verachtung für Obdachl./Randständige
    • Nordrhein-Westfalen
    • Alter: 44
    • Ort: Essen
    • Datum: 01.07.2005

    Am 1. Juli 2005 wird am Rheinischen Platz in Essen ein 44-jähriger Mann von zwei Skinheads zusammengeschlagen. Zwei Tage später wird er tot in seinem Zimmer in einem Männerwohnheim gefunden. Die Obduktion stellt "stumpfe Gewalt" gegen seinen Kopf als Todesursache fest. Die beiden Angreifer sind der Polizei bestens bekannt. "Ihrem äußeren Erscheinungsbild nach – Springerstiefel, Glatzen, Bomberjacke – sind sie der Skinheadszene zuzuordnen", so die Behörden. Sowohl der 17-Jährige als auch der 15-Jährige sind drei Dutzend Male polizeilich aufgefallen, vor allem durch Gewalt- und Vermögensdelikte. Straftaten mit politischem Hintergrund seien jedoch nicht bekannt. Im nicht öffentlichen Prozess um den Tod des 44-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft Essen den beiden Brüdern Körperverletzung mit Todesfolge vor. Das Amtsgericht Essen weigert sich mit Verweis auf das angewendete Jugendstrafrecht, Auskunft zu geben, wann, mit welcher Begründung und zu welcher Strafe die Täter verurteilt wurden.

  • Petros C.

    • männlich
    • Rassismus
    • Rheinland-Pfalz
    • Alter: 22
    • Ort: Kandel
    • Datum: 06.12.2003

    Zwei griechische Wanderarbeiter, der 22-jährige Petros C. und der 23-jährige Stefanos C. sterben in den frühen Morgenstunden des 6. Dezember 2003 durch Rauchvergiftung im Dachgeschoss eines überwiegend von Migranten bewohnten und gewerblich genutzten Gebäudekomplexes in Kandel (Rheinland-Pfalz). Das Feuer war im Eingangsbereich des Hauses gelegt worden. Ein türkisches Lokal im Erdgeschoss brennt vollständig aus. Als Tatverdächtigen ermittelt die Polizei einen 22-Jährigen aus Kandel, der bis zum Brandzeitpunkt in der Tatnacht mit mehreren, ihm gut bekannten Rechtsextremisten des "Nationalen Widerstands Kandel" exzessiv getrunken hatte. Das Landgericht Landau verurteilt im November 2008 den 22-Jährigen wegen "vorsätzlichen Vollrausches" unter Einbeziehung von dessen Vorstrafen zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der zum Tatzeitpunkt völlig betrunkene Mann das Feuer im Eingangsbereich des Hauses gelegt hatte. Das Gericht kann ein Motiv für die Tat nicht feststellen. Die Frage der Kammer und Prozessbeobachter, ob der 22-Jährige sich "im Sinne einer Aufnahmeprüfung in die Reihen des Nationalen Widerstands Kandel" habe beweisen wollen, bleibt offen.

  • Stefanos C.

    • männlich
    • Rassismus
    • Rheinland-Pfalz
    • Alter: 23
    • Ort: Kandel
    • Datum: 06.12.2003

    Zwei griechische Wanderarbeiter, der 22-jährige Petros C. und der 23-jährige Stefanos C. sterben in den frühen Morgenstunden des 6. Dezember 2003 durch Rauchvergiftung im Dachgeschoss eines überwiegend von Migranten bewohnten und gewerblich genutzten Gebäudekomplexes in Kandel (Rheinland-Pfalz). Das Feuer war im Eingangsbereich des Hauses gelegt worden. Ein türkisches Lokal im Erdgeschoss brennt vollständig aus. Als Tatverdächtigen ermittelt die Polizei einen 22-Jährigen aus Kandel, der bis zum Brandzeitpunkt in der Tatnacht mit mehreren, ihm gut bekannten Rechtsextremisten des "Nationalen Widerstands Kandel" exzessiv getrunken hatte. Das Landgericht Landau verurteilt im November 2008 den 22-Jährigen wegen "vorsätzlichen Vollrausches" unter Einbeziehung von dessen Vorstrafen zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der zum Tatzeitpunkt völlig betrunkene Mann das Feuer im Eingangsbereich des Hauses gelegt hatte. Das Gericht kann ein Motiv für die Tat nicht feststellen. Die Frage der Kammer und Prozessbeobachter, ob der 22-Jährige sich "im Sinne einer Aufnahmeprüfung in die Reihen des Nationalen Widerstands Kandel" habe beweisen wollen, bleibt offen.

  • Günter T.

    • männlich
    • Verachtung für Obdachl./Randständige
    • Sachsen
    • Alter: 35
    • Ort: Riesa
    • Datum: 20.04.2003

    Im Jugendclub Giftmische Stauchitz bei Riesa (Sachsen) wird der stark betrunkene Günter T. in der Nacht vom 20. April 2003 während einer Feier über zwei Stunden schwer misshandelt. Der 35-Jährige kommt aus dem Nachbardorf, ist als arbeitslos und alkoholkrank bekannt. Der ehemalige Stahlarbeiter stirbt zwei Tage später an schweren Hirnverletzungen. Nach längeren Ermittlungen klagt die Staatsanwaltschaft Dresden vier Männer im Alter von 29 bis 36 Jahren wegen Totschlags an. Ihnen wird vorgeworfen, den bewusstlosen, völlig wehrlosen Mann unter anderem nackt ausgezogen, mit Wasser übergossen und den Mund zugehalten zu haben. Bei einem 31-jährigen Angeklagten hatten die Ermittler rechtsextremes Propagandamaterial gefunden. Das Landgericht Dresden kritisiert bei Prozessende nicht alleine die Angeklagten, sondern das gesamte Dorf Stauchitz habe dem Tod von Günter T. keinerlei Bedeutung zugemessen. Zeugen seien eingeschüchtert worden und insgesamt habe die Haltung vorgeherrscht, "es sei ja nur ein Trinker gewesen". Die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand weiter: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Egal, ob er trinkt oder arm ist." Da ein Gutachter nicht mit Sicherheit ausschließen kann, dass das Opfer bereits vor den Misshandlungen schwere Kopfverletzungen erlitten hatte, werden die Angeklagten lediglich wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung zu Bewährungsstrafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren verurteilt.

  • Christa G.

    • weiblich
    • Verachtung für Obdachl./Randständige
    • Angriffe auf Nicht-Rechte
    • Sachsen
    • Alter: 64
    • Ort: Wurzen
    • Datum: 30.06.2002

    Die 64-jährige Christa G. wird in der Nacht zum 30. Juni 2002 in Wurzen (Sachsen) von einem stadtbekannten, gewalttätigen Neonazi erstochen. In einem verfallenen Haus, das Obdachlosen und Jugendlichen als Treffpunkt dient, kommt es gegen 3.45 zu Streit. Der 17-jährige Rechtsextreme, der SS-Runen im Genick tätowiert hat, geht erst mit einem Beil auf einen anderen Jugendlichen los. Dann verletzt er mit dem Beil auch Christa G., die offenbar dem Jugendlichen helfen will. Schließlich sticht er ihr schließlich mit einem Küchenmesser mit ca. 20 Zentimeter langer Klinge direkt ins Herz, Christa G. stirbt nach wenigen Minuten. In den Wochen zuvor hatte der Täter in Wurzen unter anderem mehrere polnische Frauen, die als Helferinnen in der Erdbeerernte arbeiteten, angegriffen und beschimpft, außerdem einen Obdachlosen erpresst und gequält. Der Neonazi, der Chista G. offenbar für minderwertig hielt, wird im Mai 2003 vom Leipziger Landgericht wegen Totschlags zu siebeneinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt.

  • Klaus Dieter Lehmann

    • männlich
    • Angriffe auf Behinderte
    • Mecklenburg-Vorpommern
    • Alter: 19
    • Ort: Neubrandenburg
    • Datum: 15.05.2002

    Der Behinderte Klaus Dieter Lehmann (19) wird am 15. Mai 2002 in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) von zwei Skinheads gequält. Lehmann stirbt an den Folgen gezielter Stiefeltritte ins Gesicht. "Es sah so aus, als wäre mit dem Kopf Fußball gespielt worden", sagt die Staatsanwaltschaft. Das Landgericht Neubrandenburg verurteilt einen Täter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sechs Jahren und neun Monaten. Der zweite Skin, der auch einen Jugendlichen mit einem Schuss aus einer Schreckschusspistole verletzt hat, erhält wegen gefährlicher Körperverletzung dreieinhalb Jahre. Laut Gericht war Lehmanns Behinderung kein Anlass für die Tat, das Opfer habe "normal" gewirkt.

  • Ronald Masch

    • männlich
    • Machtdemonstration
    • Brandenburg
    • Alter: 29
    • Ort: Neu-Mahlisch
    • Datum: 01.06.2002

    Der Dachdecker Ronald Masch (29) wird am 1. Juni 2002 auf einem Feld bei Neu Mahlisch (Brandenburg) von vier Neonazis misshandelt. Ein Täter sticht etwa 40 Mal zu. Die Täter hätten Masch ausrauben wollen, sagt die Staatsanwaltschaft, es gebe kein rechtes Motiv. Ohne die Gesinnung sei aber die extreme Brutalität nicht vorstellbar, heißt es jedoch in Justizkreisen. Die Angeklagten hätten in Verhören die Menschheit in "Kameraden" und den minderwertigen Rest unterteilt.

  • Christopher W.

    • männlich
    • Hass auf Schwule und Lesben
    • Machtdemonstration
    • Sachsen
    • Alter: 27
    • Ort: Aue
    • Datum: 18.04.2018

    Der 27-jährige Koch Christopher W. wird in der Nacht zum 18. April 2018 in Aue (Sachsen) auf das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs gelockt und so lange misshandelt, bis er stirbt. Seine Leiche wird in eine Grube geworfen. Im September 2018 klagte die Staatsanwaltschaft Chemnitz drei polizeibekannte Männer im Alter von 21 bis 26 Jahren wegen Mordes an, die den Strafverfolgungsbehörden in Aue und Chemnitz bereits u.a. durch das lautstarke Grölen antisemitischer Parolen sowie das öffentliche Zeigen von Hakenkreuzen, „Heil Hitler“-Rufe, Bedrohungen und Körperverletzungsdelikte sowie durch Drogenkriminalität bekannt waren. Auf eine parlamentarische Anfrage teilte das Innenministerium Sachsen mit, derzeit gehe die Staatsanwaltschaft Chemnitz nicht von einer rechtsmotivierten Tat aus. Vielmehr sei Christopher W. getötet worden, weil er "Unwahrheiten" über die Angeklagten verbreitet habe. Aus Justizkreisen heißt es jedoch, dass auch die Homosexualität von Christopher W. ein Ausgangspunkt für die Tat gewesen sei.

  • Arthur Lampel

    • männlich
    • Rassismus
    • Baden-Württemberg
    • Alter: 18
    • Ort: Bräunlingen
    • Datum: 09.09.2001

    Bei einem Fest in Bräunlingen (Baden-Württemberg) wirft am 9. September 2001 ein Skinhead dem 18-jährigen Arthur Lampel bei einer Auseinandersetzung zwischen Festbesuchern ein Weizenbierglas an den Kopf. Ein Splitter dringt in die Halsschlagader ein. Lampel verblutet. Der Täter mit dem Spitznamen "der Knochen" gilt nach Recherchen der Regionalzeitung Südkurier als Wortführer einer rechten Clique. Das Opfer war ein aus Russland stammender Aussiedler. Polizei und Staatsanwaltschaft ist bekannt, dass Aussiedler von Rechtsextremisten häufig als "Russen" diffamiert werden. Fremdenfeindlichkeit sei nicht der Hintergrund für Artur Lampels Tod, befindet das Landgericht Konstanz. Ein Motiv kann die Kammer im Prozessverlauf nicht feststellen. Der vorbestrafte Skinhead wird zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

  • Axel Urbanietz

    • männlich
    • Verachtung für Obdachl./Randständige
    • Thüringen
    • Alter: 27
    • Ort: Bad Blankenburg
    • Datum: 24.05.2001

    Axel Urbanietz (27) wird am späten Abend des 24. Mai 2001 (in jenem Jahr der Feiertag Christi Himmelfahrt beziehungsweise "Herrentag") in Bad Blankenburg (Thüringen) von einem Neonazi nach einem Wortwechsel in der Gaststätte Zum Badehaus vor dem örtlichen Freibad unvermittelt angegriffen. Zunächst behauptet Steffen T., der in der Kameradschaftsszene des "Thüringer Heimatschutzes" aktiv und im Verlauf des Tages schon mehrere Auseinandersetzungen hatte, Axel Urbanietz wolle seinen Hund vergiften und verkaufe "Drogen an kleine Kinder". Als Axel Urbanietz, der dem aufgrund einer Epilepsie dem Angreifer körperlich unterlegen war und dem "Trinkermilieu" in Bad Blankenburg zugerechnet wurde, antwortet, er wolle in Ruhe gelassen werden, versetzt ihm der Kampfsportler Steffen T. einen Schlag mit der Faust an die Schläfe. Axel Urbanietz ging sofort zu Boden und verliert das Bewusstsein. Der Täter tritt zudem mit seinen Springerstiefeln gegen den Brustkorb des Opfers. Während mehrere Besucher der Gaststätte den Notarzt verständigen und Erste Hilfe leisten, bedroht Steffen T. weitere Augenzeugen. Er werde sie "umbringen", falls sie gegen ihn aussagen – es werde ihnen dann "genauso ergehen" wie Axel Urbanietz. Dieser stirbt schließlich an einer Hirnblutung aufgrund des Faustschlags gegen seine Schläfe. Im November 2001 verurteilt das Landgericht Gera nach drei Hauptverhandlungstagen den unter einer laufenden Bewährungsstrafe stehenden, wegen politisch rechts motivierten Gewalt- und Propagandadelikten vorbestraften 24-jährigen Steffen T. wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren. Das Gericht kann keine eindeutige Tatmotivation feststellen. In seinem Film "Das blinde Auge – ein Todesfall in Thüringen" (2017) hat der Regisseur Jan Smendek den Fall durch umfangreiche Recherchen neu aufgerollt. In dem Film kommen Freundinnen und Bekannte des Opfers zu Wort. Sie gehen davon aus, dass Axel Urbanietz aus sozialdarwinistischen Motiven zur Zielscheibe von Steffen T. wurde, weil dem 27-Jährige im extrem rechten Wertesystem des Täters das Lebensrecht abgesprochen wurde.

  • Fred Blank

    • männlich
    • Verachtung für Obdachl./Randständige
    • Mecklenburg-Vorpommern
    • Alter: 51
    • Ort: Grimmen
    • Datum: 26.03.2001

    In den frühen Morgenstunden des 26. März 2001 stirbt der 51-jährige Fred Blank in Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern) an Gehirnblutungen. Der alkoholkranke Frührentner war in seiner Wohnung von zwei jungen Männern der rechten Szene mit Stuhlbeinen, Faustschlägen und Tritten traktiert worden, weil er sich weigerte, den ihm flüchtig bekannten Angreifern Geld zu geben. Die Staatsanwaltschaft Stralsund geht davon aus, dass die jungen Männer im Alter von 17 und 21 Jahren auf "Sauftour" waren und sich dafür mehr Geld beschaffen wollten. Fred Blank sei ein "leichtes Opfer" gewesen. Einen rechten Hintergrund schließen Polizei und Staatsanwaltschaft aus. Der ältere der beiden Angreifer ist wegen Körperverletzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vorbestraft. Die Staatsanwaltschaft sieht aber kein "ideologisches Fundament". Im November 2001 verurteilt das Landgericht Stralsund die beiden Männer, die vor Fred Blank noch einen weiteren Mann angegriffen hatten, der sich aber wehren konnte, wegen versuchter Erpressung und Totschlags zu Haftstrafen zwischen vier und sieben Jahren.

  • Jugosloven Ignjatovic

    • männlich
    • Rassismus
    • Berlin
    • Alter: 51
    • Ort: Berlin-Wedding
    • Datum: 17.02.2000

    Am frühen Morgen des 17. März 2000 wird der 51-jährige Jugosloven Ignjatovic in seinem Zeitungskiosk in der Eulerstraße im Berliner Bezirk Wedding mit mehreren Kopfschüssen getötet. Das LKA Berlin ermittelte in alle Richtungen und ging insbesondere der Frage nach, ob der serbische Familienvater einem Verbrechen von Profikillern zum Opfer gefallen sei. Am Tatort war trotz mehrerer Schüsse lediglich eine Patronenhülse gefunden worden. Einen Raubmord schlossen die Ermittler schnell aus. Nach der Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) im November 2011 gehörte der Mord an Jugosloven Ignjatovic zu den Tötungsdelikten, die vom BKA und LKA Berlin auf mögliche Verbindungen überprüft wurden, weil der Zeitpunkt und die Umstände der Tat zum Muster der rassistischen NSU-Mordserie passt. Als Ergebnis teilte der Berliner Innensenator Ende 2012 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus mit, ein NSU-Zusammenhang sei "bislang nicht erkennbar".

  • Georg Uhl

    • männlich
    • Anderes Motiv
    • Brandenburg
    • Alter: 49
    • Ort: Cottbus
    • Datum: 27.09.1997

    Am 27. September 1997 tötet in Cottbus der 19-jährige Skinhead Reinhold K. den 46-jährigen Georg Uhl; das Opfer schuldete ihm eine kleine Menge Geld. Der Verfassungsschutz nennt K. einen "extrem aggressiven Einzelgänger, der seine rechtsextremistischen Ansichten offen kundtat". Vier Tage zuvor hatte K. ebenfalls in Cottbus den 39-jährigen Mathias Scheydt getötet, der ihn zuvor als "Nazi-Sau" bezeichnet hatte. Diese Tat wurde 2015 von der Brandenburger Landesregierung offiziell als rechtsmotiviert anerkannt, die Tötung von Georg Uhl hingegen nicht. Auch das Landgericht Cottbus sah keinen politischen Hintergrund. Für beide Taten wird Reinhold K. am 24. März 1998 wegen zweifachen Totschlags zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt.

  • Maiamba Bunga

    • weiblich
    • Rassismus
    • Schleswig-Holstein
    • Alter: 27
    • Ort: Lübeck
    • Datum: 18.01.1996

    Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße sterben in der Nacht zum 18. Januar 1996 zehn Asylbewerber: Maiamba Bunga (27) und ihre Tochter Nsuzana (7) aus Angola, Françoise Makodila (32) und ihre Kinder Christine (17), Miya (14), Christelle (8), Legrand (5) und Jean-Daniel (3) aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), Sylvio Amoussou (27) aus Benin und Rabia El Omari (17) aus dem Libanon. 39 weitere Flüchtlinge werden verletzt. Unter den Schaulustigen fallen Polizisten drei junge Männer aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) auf, die Beamten nehmen Personalien auf. Das Trio kann gehen. Doch noch am selben Tag werden die Männer und ein Freund festgenommen. Bei drei von ihnen sind Haare, Wimpern und Augenbrauen versengt. Ein Gutachter stellt fest, die Brandspuren seien nicht älter als 24 Stunden. Außerdem gibt es zumindest bei einem Verdächtigen, Maik W., von Freunden "Klein Adolf" genannt, Hinweise auf eine braune Gesinnung. Dennoch kommen die Männer rasch frei – die Polizei geht davon aus, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht am Tatort waren. Als Verdächtiger gilt dann der 20-jährige Libanese Safwan E., der mit seiner Familie den Flammen entkam. Doch das Landgericht Lübeck spricht ihn in zwei Prozessen frei. 1998 gesteht Maik W. die Tat und belastet seine Kumpanen, zieht dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt 1999 das Verfahren gegen die vier Männer aus Grevesmühlen ein. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller fordert jetzt, angesichts der Erfahrungen aus dem Versagen der Ermittler bei der NSU-Mordserie müssten auch die Ermittlungen in Lübeck neu aufgerollt werden.

  • Nsuzana Bunga

    • weiblich
    • Rassismus
    • Schleswig-Holstein
    • Alter: 7
    • Ort: Lübeck
    • Datum: 18.01.1996

    Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße sterben in der Nacht zum 18. Januar 1996 zehn Asylbewerber: Maiamba Bunga (27) und ihre Tochter Nsuzana (7) aus Angola, Françoise Makodila (32) und ihre Kinder Christine (17), Miya (14), Christelle (8), Legrand (5) und Jean-Daniel (3) aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), Sylvio Amoussou (27) aus Benin und Rabia El Omari (17) aus dem Libanon. 39 weitere Flüchtlinge werden verletzt. Unter den Schaulustigen fallen Polizisten drei junge Männer aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) auf, die Beamten nehmen Personalien auf. Das Trio kann gehen. Doch noch am selben Tag werden die Männer und ein Freund festgenommen. Bei drei von ihnen sind Haare, Wimpern und Augenbrauen versengt. Ein Gutachter stellt fest, die Brandspuren seien nicht älter als 24 Stunden. Außerdem gibt es zumindest bei einem Verdächtigen, Maik W., von Freunden "Klein Adolf" genannt, Hinweise auf eine braune Gesinnung. Dennoch kommen die Männer rasch frei – die Polizei geht davon aus, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht am Tatort waren. Als Verdächtiger gilt dann der 20-jährige Libanese Safwan E., der mit seiner Familie den Flammen entkam. Doch das Landgericht Lübeck spricht ihn in zwei Prozessen frei. 1998 gesteht Maik W. die Tat und belastet seine Kumpane, zieht dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt 1999 das Verfahren gegen die vier Männer aus Grevesmühlen ein. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller fordert jetzt, angesichts der Erfahrungen aus dem Versagen der Ermittler bei der NSU-Mordserie müssten auch die Ermittlungen in Lübeck neu aufgerollt werden.

  • Françoise Makodila

    • weiblich
    • Rassismus
    • Schleswig-Holstein
    • Alter: 32
    • Ort: Lübeck
    • Datum: 18.01.1996

    Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße sterben in der Nacht zum 18. Januar 1996 zehn Asylbewerber: Maiamba Bunga (27) und ihre Tochter Nsuzana (7) aus Angola, Françoise Makodila (32) und ihre Kinder Christine (17), Miya (14), Christelle (8), Legrand (5) und Jean-Daniel (3) aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), Sylvio Amoussou (27) aus Benin und Rabia El Omari (17) aus dem Libanon. 39 weitere Flüchtlinge werden verletzt. Unter den Schaulustigen fallen Polizisten drei junge Männer aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) auf, die Beamten nehmen Personalien auf. Das Trio kann gehen. Doch noch am selben Tag werden die Männer und ein Freund festgenommen. Bei drei von ihnen sind Haare, Wimpern und Augenbrauen versengt. Ein Gutachter stellt fest, die Brandspuren seien nicht älter als 24 Stunden. Außerdem gibt es zumindest bei einem Verdächtigen, Maik W., von Freunden "Klein Adolf" genannt, Hinweise auf eine braune Gesinnung. Dennoch kommen die Männer rasch frei – die Polizei geht davon aus, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht am Tatort waren. Als Verdächtiger gilt dann der 20-jährige Libanese Safwan E., der mit seiner Familie den Flammen entkam. Doch das Landgericht Lübeck spricht ihn in zwei Prozessen frei. 1998 gesteht Maik W. die Tat und belastet seine Kumpane, zieht dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt 1999 das Verfahren gegen die vier Männer aus Grevesmühlen ein. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller fordert jetzt, angesichts der Erfahrungen aus dem Versagen der Ermittler bei der NSU-Mordserie müssten auch die Ermittlungen in Lübeck neu aufgerollt werden.

  • Christine Makodila

    • weiblich
    • Rassismus
    • Schleswig-Holstein
    • Alter: 17
    • Ort: Lübeck
    • Datum: 18.01.1996

    Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße sterben in der Nacht zum 18. Januar 1996 zehn Asylbewerber: Maiamba Bunga (27) und ihre Tochter Nsuzana (7) aus Angola, Françoise Makodila (32) und ihre Kinder Christine (17), Miya (14), Christelle (8), Legrand (5) und Jean-Daniel (3) aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), Sylvio Amoussou (27) aus Benin und Rabia El Omari (17) aus dem Libanon. 39 weitere Flüchtlinge werden verletzt. Unter den Schaulustigen fallen Polizisten drei junge Männer aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) auf, die Beamten nehmen Personalien auf. Das Trio kann gehen. Doch noch am selben Tag werden die Männer und ein Freund festgenommen. Bei drei von ihnen sind Haare, Wimpern und Augenbrauen versengt. Ein Gutachter stellt fest, die Brandspuren seien nicht älter als 24 Stunden. Außerdem gibt es zumindest bei einem Verdächtigen, Maik W., von Freunden "Klein Adolf" genannt, Hinweise auf eine braune Gesinnung. Dennoch kommen die Männer rasch frei – die Polizei geht davon aus, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht am Tatort waren. Als Verdächtiger gilt dann der 20-jährige Libanese Safwan E., der mit seiner Familie den Flammen entkam. Doch das Landgericht Lübeck spricht ihn in zwei Prozessen frei. 1998 gesteht Maik W. die Tat und belastet seine Kumpane, zieht dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt 1999 das Verfahren gegen die vier Männer aus Grevesmühlen ein. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller fordert jetzt, angesichts der Erfahrungen aus dem Versagen der Ermittler bei der NSU-Mordserie müssten auch die Ermittlungen in Lübeck neu aufgerollt werden.

  • Miya Makodila

    • weiblich
    • Rassismus
    • Schleswig-Holstein
    • Alter: 14
    • Ort: Lübeck
    • Datum: 18.01.1996

    Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße sterben in der Nacht zum 18. Januar 1996 zehn Asylbewerber: Maiamba Bunga (27) und ihre Tochter Nsuzana (7) aus Angola, Françoise Makodila (32) und ihre Kinder Christine (17), Miya (14), Christelle (8), Legrand (5) und Jean-Daniel (3) aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), Sylvio Amoussou (27) aus Benin und Rabia El Omari (17) aus dem Libanon. 39 weitere Flüchtlinge werden verletzt. Unter den Schaulustigen fallen Polizisten drei junge Männer aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) auf, die Beamten nehmen Personalien auf. Das Trio kann gehen. Doch noch am selben Tag werden die Männer und ein Freund festgenommen. Bei drei von ihnen sind Haare, Wimpern und Augenbrauen versengt. Ein Gutachter stellt fest, die Brandspuren seien nicht älter als 24 Stunden. Außerdem gibt es zumindest bei einem Verdächtigen, Maik W., von Freunden "Klein Adolf" genannt, Hinweise auf eine braune Gesinnung. Dennoch kommen die Männer rasch frei – die Polizei geht davon aus, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht am Tatort waren. Als Verdächtiger gilt dann der 20-jährige Libanese Safwan E., der mit seiner Familie den Flammen entkam. Doch das Landgericht Lübeck spricht ihn in zwei Prozessen frei. 1998 gesteht Maik W. die Tat und belastet seine Kumpane, zieht dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt 1999 das Verfahren gegen die vier Männer aus Grevesmühlen ein. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller fordert jetzt, angesichts der Erfahrungen aus dem Versagen der Ermittler bei der NSU-Mordserie müssten auch die Ermittlungen in Lübeck neu aufgerollt werden.

  • Christelle Makodila

    • weiblich
    • Rassismus
    • Schleswig-Holstein
    • Alter: 8
    • Ort: Lübeck
    • Datum: 18.01.1996

    Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße sterben in der Nacht zum 18. Januar 1996 zehn Asylbewerber: Maiamba Bunga (27) und ihre Tochter Nsuzana (7) aus Angola, Françoise Makodila (32) und ihre Kinder Christine (17), Miya (14), Christelle (8), Legrand (5) und Jean-Daniel (3) aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), Sylvio Amoussou (27) aus Benin und Rabia El Omari (17) aus dem Libanon. 39 weitere Flüchtlinge werden verletzt. Unter den Schaulustigen fallen Polizisten drei junge Männer aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) auf, die Beamten nehmen Personalien auf. Das Trio kann gehen. Doch noch am selben Tag werden die Männer und ein Freund festgenommen. Bei drei von ihnen sind Haare, Wimpern und Augenbrauen versengt. Ein Gutachter stellt fest, die Brandspuren seien nicht älter als 24 Stunden. Außerdem gibt es zumindest bei einem Verdächtigen, Maik W., von Freunden "Klein Adolf" genannt, Hinweise auf eine braune Gesinnung. Dennoch kommen die Männer rasch frei – die Polizei geht davon aus, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht am Tatort waren. Als Verdächtiger gilt dann der 20-jährige Libanese Safwan E., der mit seiner Familie den Flammen entkam. Doch das Landgericht Lübeck spricht ihn in zwei Prozessen frei. 1998 gesteht Maik W. die Tat und belastet seine Kumpane, zieht dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt 1999 das Verfahren gegen die vier Männer aus Grevesmühlen ein. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller fordert jetzt, angesichts der Erfahrungen aus dem Versagen der Ermittler bei der NSU-Mordserie müssten auch die Ermittlungen in Lübeck neu aufgerollt werden.

  • Legrand Makodila

    • männlich
    • Rassismus
    • Schleswig-Holstein
    • Alter: 5
    • Ort: Lübeck
    • Datum: 18.01.1996

    Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße sterben in der Nacht zum 18. Januar 1996 zehn Asylbewerber: Maiamba Bunga (27) und ihre Tochter Nsuzana (7) aus Angola, Françoise Makodila (32) und ihre Kinder Christine (17), Miya (14), Christelle (8), Legrand (5) und Jean-Daniel (3) aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), Sylvio Amoussou (27) aus Benin und Rabia El Omari (17) aus dem Libanon. 39 weitere Flüchtlinge werden verletzt. Unter den Schaulustigen fallen Polizisten drei junge Männer aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) auf, die Beamten nehmen Personalien auf. Das Trio kann gehen. Doch noch am selben Tag werden die Männer und ein Freund festgenommen. Bei drei von ihnen sind Haare, Wimpern und Augenbrauen versengt. Ein Gutachter stellt fest, die Brandspuren seien nicht älter als 24 Stunden. Außerdem gibt es zumindest bei einem Verdächtigen, Maik W., von Freunden "Klein Adolf" genannt, Hinweise auf eine braune Gesinnung. Dennoch kommen die Männer rasch frei – die Polizei geht davon aus, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht am Tatort waren. Als Verdächtiger gilt dann der 20-jährige Libanese Safwan E., der mit seiner Familie den Flammen entkam. Doch das Landgericht Lübeck spricht ihn in zwei Prozessen frei. 1998 gesteht Maik W. die Tat und belastet seine Kumpane, zieht dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt 1999 das Verfahren gegen die vier Männer aus Grevesmühlen ein. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller fordert jetzt, angesichts der Erfahrungen aus dem Versagen der Ermittler bei der NSU-Mordserie müssten auch die Ermittlungen in Lübeck neu aufgerollt werden.

  • Jean-Daniel Makodila

    • männlich
    • Rassismus
    • Schleswig-Holstein
    • Alter: 3
    • Ort: Lübeck
    • Datum: 18.01.1996

    Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße sterben in der Nacht zum 18. Januar 1996 zehn Asylbewerber: Maiamba Bunga (27) und ihre Tochter Nsuzana (7) aus Angola, Françoise Makodila (32) und ihre Kinder Christine (17), Miya (14), Christelle (8), Legrand (5) und Jean-Daniel (3) aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), Sylvio Amoussou (27) aus Benin und Rabia El Omari (17) aus dem Libanon. 39 weitere Flüchtlinge werden verletzt. Unter den Schaulustigen fallen Polizisten drei junge Männer aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) auf, die Beamten nehmen Personalien auf. Das Trio kann gehen. Doch noch am selben Tag werden die Männer und ein Freund festgenommen. Bei drei von ihnen sind Haare, Wimpern und Augenbrauen versengt. Ein Gutachter stellt fest, die Brandspuren seien nicht älter als 24 Stunden. Außerdem gibt es zumindest bei einem Verdächtigen, Maik W., von Freunden "Klein Adolf" genannt, Hinweise auf eine braune Gesinnung. Dennoch kommen die Männer rasch frei – die Polizei geht davon aus, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht am Tatort waren. Als Verdächtiger gilt dann der 20-jährige Libanese Safwan E., der mit seiner Familie den Flammen entkam. Doch das Landgericht Lübeck spricht ihn in zwei Prozessen frei. 1998 gesteht Maik W. die Tat und belastet seine Kumpane, zieht dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt 1999 das Verfahren gegen die vier Männer aus Grevesmühlen ein. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller fordert jetzt, angesichts der Erfahrungen aus dem Versagen der Ermittler bei der NSU-Mordserie müssten auch die Ermittlungen in Lübeck neu aufgerollt werden.

  • Sylvio Amoussou

    • männlich
    • Rassismus
    • Schleswig-Holstein
    • Alter: 27
    • Ort: Lübeck
    • Datum: 18.01.1996

    Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße sterben in der Nacht zum 18.Januar 1996 zehn Asylbewerber: Maiamba Bunga (27) und ihre Tochter Nsuzana (7) aus Angola, Françoise Makodila (32) und ihre Kinder Christine (17), Miya (14), Christelle (8), Legrand (5) und Jean-Daniel (3) aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), Sylvio Amoussou (27) aus Benin und Rabia El Omari (17) aus dem Libanon. 39 weitere Flüchtlinge werden verletzt. Unter den Schaulustigen fallen Polizisten drei junge Männer aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) auf, die Beamten nehmen Personalien auf. Das Trio kann gehen. Doch noch am selben Tag werden die Männer und ein Freund festgenommen. Bei drei von ihnen sind Haare, Wimpern und Augenbrauen versengt. Ein Gutachter stellt fest, die Brandspuren seien nicht älter als 24 Stunden. Außerdem gibt es zumindest bei einem Verdächtigen, Maik W., von Freunden "Klein Adolf" genannt, Hinweise auf eine braune Gesinnung. Dennoch kommen die Männer rasch frei – die Polizei geht davon aus, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht am Tatort waren. Als Verdächtiger gilt dann der 20-jährige Libanese Safwan E., der mit seiner Familie den Flammen entkam. Doch das Landgericht Lübeck spricht ihn in zwei Prozessen frei. 1998 gesteht Maik W. die Tat und belastet seine Kumpane, zieht dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt 1999 das Verfahren gegen die vier Männer aus Grevesmühlen ein. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller fordert jetzt, angesichts der Erfahrungen aus dem Versagen der Ermittler bei der NSU-Mordserie müssten auch die Ermittlungen in Lübeck neu aufgerollt werden.

  • Rabia El Omari

    • weiblich
    • Rassismus
    • Schleswig-Holstein
    • Alter: 17
    • Ort: Lübeck
    • Datum: 18.01.1996

    Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in der Lübecker Hafenstraße sterben in der Nacht zum 18.Januar 1996 zehn Asylbewerber: Maiamba Bunga (27) und ihre Tochter Nsuzana (7) aus Angola, Françoise Makodila (32) und ihre Kinder Christine (17), Miya (14), Christelle (8), Legrand (5) und Jean-Daniel (3) aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), Sylvio Amoussou (27) aus Benin und Rabia El Omari (17) aus dem Libanon. 39 weitere Flüchtlinge werden verletzt. Unter den Schaulustigen fallen Polizisten drei junge Männer aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) auf, die Beamten nehmen Personalien auf. Das Trio kann gehen. Doch noch am selben Tag werden die Männer und ein Freund festgenommen. Bei drei von ihnen sind Haare, Wimpern und Augenbrauen versengt. Ein Gutachter stellt fest, die Brandspuren seien nicht älter als 24 Stunden. Außerdem gibt es zumindest bei einem Verdächtigen, Maik W., von Freunden "Klein Adolf" genannt, Hinweise auf eine braune Gesinnung. Dennoch kommen die Männer rasch frei – die Polizei geht davon aus, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht am Tatort waren. Als Verdächtiger gilt dann der 20-jährige Libanese Safwan E., der mit seiner Familie den Flammen entkam. Doch das Landgericht Lübeck spricht ihn in zwei Prozessen frei. 1998 gesteht Maik W. die Tat und belastet seine Kumpane, zieht dann aber seine Äußerungen zurück. Die Staatsanwaltschaft Lübeck stellt 1999 das Verfahren gegen die vier Männer aus Grevesmühlen ein. Lübecks ehemaliger Bürgermeister Michael Bouteiller fordert jetzt, angesichts der Erfahrungen aus dem Versagen der Ermittler bei der NSU-Mordserie müssten auch die Ermittlungen in Lübeck neu aufgerollt werden.

  • Horst K.

    • männlich
    • Verachtung für Obdachl./Randständige
    • Sachsen
    • Alter: 43
    • Ort: Leipzig-Grünau
    • Datum: 30.12.1995

    Am Abend des 30. Dezember 1995 verbrennt der 43-jährige Horst K. in einer Straßenbahn der Linie 15 in Leipzig-Grünau (Sachsen). Der 20-jährige Steffen S. und der 19-jährige Marlon S. stoßen beim Einsteigen in die Straßenbahn auf das schlafende Opfer, das sie für einen Obdachlosen halten. Marlon S. fordert daraufhin seinen Begleiter auf: "Zünde ihn einfach mal an", und Steffen S. hält das Feuerzeug an die Jacke des Opfers, die sofort zu brennen beginnt. Während die beiden jungen Männer den Waggon wechseln und von dort aus zusehen, wie Horst K. verbrennt, ziehen andere Fahrgäste die Notbremse. Für Horst K. kommt jede Rettung zu spät. 40 Prozent seiner Körperoberfläche sind schwer verbrannt. Horst K. stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. In der Verhandlung am Landgericht Leipzig bezeichnet Steffen S. den Anblick des brennenden 43-Jährigen als "cool". Steffen S. wird wegen Mordes zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt, Marlon S. erhält eine einjährige Bewährungsstrafe wegen unterlassener Hilfeleistung. Im Prozess wird Hass auf Obdachlose als Motiv mit dem Argument ausgeschlossen, die Täter hätten spontan gehandelt.

  • Sanjib Kumar Shrestha

    • männlich
    • Rassismus
    • Nordrhein-Westfalen
    • Alter: 21
    • Ort: Oelde
    • Datum: 18.12.1995

    Der Neonazi Till Hauke H. entführt, foltert und ermordet 1995 bei Oelde (Nordrhein-Westfalen) einen Asylbewerber aus Nepal. Zuvor hatte H. herausgefunden, dass der 21-jährige Sanjib Kumar Shrestha ein Verhältnis mit seiner Freundin hatte. Am 18. Dezember lockt er den Nepalesen mit zwei Komplizen in eine Falle. Sie fahren ihn mit einem Auto aus der Stadt, fesseln und knebeln ihn. H. quält sein Opfer mit einer glühenden Zigarette. Danach erwürgen die drei ihn. Erst sechs Jahre nach der Tat wird die Leiche in einem Baggersee bei Ganderkesee gefunden. "Aus Eifersucht und Fremdenfeindlichkeit", habe der Täter Shrestha ermordet, lautete die Anklage. H. war früher Anführer einer Neonazigruppe aus Halle (Westfalen) gewesen. Er nahm an Treffen der später verbotenen Nationalistischen Front teil und attackierte mit seinen "Kameraden" mehrfach mit Baseballschlägern und Tränengas linke Jugendliche und Migranten. Das Landgericht Bremen verurteilte H. und einen Komplizen 2004 wegen gemeinschaftlichen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen. In das Urteil flossen auch der Mord an einem Geschäftsmann (1996) und an einer Sexarbeiterin 2001 ein.

  • Gerhard Helmut B.

    • männlich
    • Hass auf Schwule und Lesben
    • Sachsen
    • Alter: 19
    • Ort: Leipzig-Großzschocher
    • Datum: 17.12.1995

    Der 19-jährige Gerhard Helmut B. wird am 17. Dezember 1995 in Leipzig-Großzschocher (Sachsen) von den drei gleichaltrigen Jugendlichen ermordet. Täter und Opfer hatten sich in einem Jugendwohnprojekt in Rheinland-Pfalz kennengelernt, die drei jungen Männer zwingen Gerhard Helmut B. dazu, sie zu Straftaten nach Leipzig zu begleiten. Als der 19-Jährige sich mit einer Anzeige wehrt, bestraft ihn das Trio dafür mit tödlichen Misshandlungen und wirft ihm zudem seine Homosexualität vor. Die Leiche von Gerhard Helmut B. wird erst vier Monate später, im April 1996, entdeckt. Die Staatsanwaltschaft Leipzig wirft den Tätern im Frühjahr 1996 Mord an einem Homosexuellen vor. Das Landgericht Leipzig verurteilt das Trio zu Jugendhaftstrafen zwischen dreieinhalb und acht Jahren.

  • Michael Gäbler

    • männlich
    • Hass auf politische Gegner
    • Sachsen
    • Alter: 18
    • Ort: Zittau
    • Datum: 20.11.1994

    Der 18-jährige Michael Gäbler wird in den frühen Morgenstunden des 20. November 1994 nach einer Technoparty im offenen Jugendhaus Rosa in Zittau (Sachsen) von einem 17-Jährigen erstochen. Über den Tatablauf gibt es widersprüchliche Angaben. Besucher des Jugendhauses erklären, dem späteren Angreifer sei wegen "rechter Sprüche" während der Party Hausverbot erteilt worden. Michael Gäbler und ein Begleiter hätten vor dem Jugendhaus weiter mit dem 17-Jährigen darüber gestritten, warum er sich damit brüste, er sei "Nationalist". Als sich Gäblers Begleiter von der verbalen Auseinandersetzung abwendet, zieht der 17-Jährige unvermittelt ein Messer und sticht Michael Gäbler ins Herz und in die Leber. Im Juni 1995 befindet die Jugendkammer am Landgericht Görlitz, der 17-Jährige habe in "Notwehr" gehandelt, da er "zu Unrecht und mit Prügeln" aus dem Jugendhaus verwiesen worden sei. Zwar befand das Gericht, Michael Gäbler sei unbewaffnet gewesen und hätte H. nicht geschlagen. Dennoch sei der Einsatz des Messers als "Verteidigungsmittel" gerechtfertigt gewesen, so der Vorsitzende Richter. Der Prozess endet mit einem Freispruch für den 17-Jährigen.

  • Piotr Kania

    • männlich
    • Rassismus
    • Hessen
    • Alter: 18
    • Ort: Rotenburg/Fulda
    • Datum: 06.11.1994

    Am 6. November 1994 gerät der 18-jährige Piotr Kania am Bahnhof Rotenburg/Fulda (Hessen) in eine Auseinandersetzung mit fünf Bundeswehrrekruten. Nach Zeugenaussagen war einer der Rekruten durch Bomberjacke, Springerstiefel sowie ein T-Shirt mit der altdeutschen Aufschrift "Hools Deutschland" als Rechter erkennbar. Kania bezeichnet ihn deshalb als "Nazischwein" und verfolgt ihn bis zum Bahnhofsvorplatz. Dort dreht sich der 19-jährige Rekrut aus Halle/ Saale plötzlich um und rammt dem Sohn polnischer Migranten einen Stoßdolch ins Herz. Einem herbeieilenden Freund von Kania sticht der 19-Jährige in den Brustbereich. Anschließend flüchtet er gemeinsam mit den anderen Soldaten in einem Taxi in die Kaserne. Dort wird in seinem Spind rechtsextremes Propagandamaterial gefunden, zudem wird bekannt, dass gegen den 19-Jährigen wegen schweren Landfriedensbruchs im Zusammenhang mit den rassistischen Krawallen in Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992 ermittelt wurde. Gegenüber der Polizei erklärt der 19-Jährige, er habe in Notwehr gehandelt; eine Version, der sich die Staatsanwaltschaft Kassel anschließt. Sie stellt im Februar 1995 die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Rekruten ein.

  • Gunter Marx

    • männlich
    • Machtdemonstration
    • Brandenburg
    • Alter: 42
    • Ort: Velten
    • Datum: 08.06.1994

    Gunter Marx wird von vier Naziskinheads am 6. August 1994 nachts in Velten (Brandenburg) von seinem Fahrrad gestoßen und getreten. Die Täter im Alter von 18 und 19 Jahren waren zu einem Raubzug aufgebrochen. Als Reaktion auf die Antwort ihres 42-jährigen Opfers, er habe kein Geld dabei, erschlägt ihn der 18-jährige Maik L. mit einem schweren Schraubenschlüssel. Danach überfällt die Gruppe noch zwei weitere Opfer. Die Polizei findet bei einer Hausdurchsuchung des wegen Körperverletzung an einem Portugiesen mit Haftbefehl gesuchten Maik L., der im Jahr zuvor zudem eine Russin überfallen hatte, unter anderem einen Baseballschläger mit eingeritztem Hakenkreuz und der Aufschrift "Sieg Heil". Für die Staatsanwaltschaft handelt es sich beim Tod von Gunter Marx um einen "normalen Raubmord" und keine rechtsmotivierte Tat. Im Mai 1995 wird Maik L. vom Landgericht Neuruppin wegen Mordes und Raub in drei Fällen zu zehn Jahren Jugendhaft verurteilt. Seine Mittäter erhalten wegen schweren Raubes mit Todesfolge Jugendstrafen von zweieinhalb, viereinhalb und sechs Jahren.

  • Ante B.

    • männlich
    • Rassismus
    • Baden-Württemberg
    • Alter: 60
    • Ort: Stuttgart
    • Datum: 16.03.1994

    Ante B. (60), Ljuba B. (55), Zuzanna M. (57), Athina S. (24), Kristina S. (2), Nebahat S. (27), ihre Tochter Aynül S. (4) und ihr ungeborenes Kind sterben in der Nacht vom 15. zum 16. März 1994 bei einem Brandanschlag auf das Mehrfamilienhaus Geißstraße 7 in der Stuttgarter Altstadt. 16 weitere Bewohner und Bewohnerinnen des vorwiegend von türkeistämmigen Arbeitsmigranten, Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Asylsuchenden bewohnten Hauses erleiden zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Das Feuer war gegen 3 Uhr nachts im hölzernen Treppenhaus gelegt worden. Im Mai 1996 verurteilte die 1. Große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht einen 25-jährigen Serienbrandstifter aus dem benachbarten Esslingen unter anderem wegen siebenfachen Mords und dutzendfachen Mordversuchs zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der arbeitslose Andreas H. hatte gestanden, aus "Ausländerhass" und Rache für einen Raubüberfall im April und Juni 1995 immer nachts weitere sieben überwiegend von Ausländern bewohnte Mehrfamilienhäuser im benachbarten Esslingen angezündet und danach jeweils mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Parolen wie "Kanaken Raus" und "Sieg Heil" versehene Bekennerschreiben hinterlassen zu haben. Das Landgericht Stuttgart wertete die Bekennerschreiben lediglich als Versuche, noch mehr öffentliche "Beachtung" für die Brände zu erlangen. Gehasst habe er lediglich diejenigen Ausländer, die ihn überfallen hatten. Den Brandanschlag im Haus Geißstraße 7 hatte Andreas H. in polizeilichen Vernehmungen gestanden, vor Gericht jedoch seine Täterschaft bestritten.

  • Ljuba B.

    • weiblich
    • Rassismus
    • Baden-Württemberg
    • Alter: 55
    • Ort: Stuttgart
    • Datum: 16.03.1994

    Ante B. (60), Ljuba B. (55), Zuzanna M. (57), Athina S. (24), Kristina S. (2), Nebahat S. (27), ihre Tochter Aynül S. (4) und ihr ungeborenes Kind sterben in der Nacht vom 15. zum 16. März 1994 bei einem Brandanschlag auf das Mehrfamilienhaus Geißstraße 7 in der Stuttgarter Altstadt. 16 weitere Bewohner und Bewohnerinnen des vorwiegend von türkeistämmigen Arbeitsmigranten, Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Asylsuchenden bewohnten Hauses erleiden zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Das Feuer war gegen 3 Uhr nachts im hölzernen Treppenhaus gelegt worden. Im Mai 1996 verurteilte die 1. Große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht einen 25-jährigen Serienbrandstifter aus dem benachbarten Esslingen unter anderem wegen siebenfachen Mords und dutzendfachen Mordversuchs zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der arbeitslose Andreas H. hatte gestanden, aus "Ausländerhass" und Rache für einen Raubüberfall im April und Juni 1995 immer nachts weitere sieben überwiegend von Ausländern bewohnte Mehrfamilienhäuser im benachbarten Esslingen angezündet und danach jeweils mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Parolen wie "Kanaken Raus" und "Sieg Heil" versehene Bekennerschreiben hinterlassen zu haben. Das Landgericht Stuttgart wertete die Bekennerschreiben lediglich als Versuche, noch mehr öffentliche "Beachtung" für die Brände zu erlangen. Gehasst habe er lediglich diejenigen Ausländer, die ihn überfallen hatten. Den Brandanschlag im Haus Geißstraße 7 hatte Andreas H. in polizeilichen Vernehmungen gestanden, vor Gericht jedoch seine Täterschaft bestritten.

  • Zuzanna M.

    • weiblich
    • Rassismus
    • Baden-Württemberg
    • Alter: 57
    • Ort: Stuttgart
    • Datum: 16.03.1994

    Ante B. (60), Ljuba B. (55), Zuzanna M. (57), Athina S. (24), Kristina S. (2), Nebahat S. (27), ihre Tochter Aynül S. (4) und ihr ungeborenes Kind sterben in der Nacht vom 15. zum 16. März 1994 bei einem Brandanschlag auf das Mehrfamilienhaus Geißstraße 7 in der Stuttgarter Altstadt. 16 weitere Bewohner und Bewohnerinnen des vorwiegend von türkeistämmigen Arbeitsmigranten, Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Asylsuchenden bewohnten Hauses erleiden zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Das Feuer war gegen 3 Uhr nachts im hölzernen Treppenhaus gelegt worden. Im Mai 1996 verurteilte die 1. Große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht einen 25-jährigen Serienbrandstifter aus dem benachbarten Esslingen unter anderem wegen siebenfachen Mords und dutzendfachen Mordversuchs zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der arbeitslose Andreas H. hatte gestanden, aus "Ausländerhass" und Rache für einen Raubüberfall im April und Juni 1995 immer nachts weitere sieben überwiegend von Ausländern bewohnte Mehrfamilienhäuser im benachbarten Esslingen angezündet und danach jeweils mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Parolen wie "Kanaken Raus" und "Sieg Heil" versehene Bekennerschreiben hinterlassen zu haben. Das Landgericht Stuttgart wertete die Bekennerschreiben lediglich als Versuche, noch mehr öffentliche "Beachtung" für die Brände zu erlangen. Gehasst habe er lediglich diejenigen Ausländer, die ihn überfallen hatten. Den Brandanschlag im Haus Geißstraße 7 hatte Andreas H. in polizeilichen Vernehmungen gestanden, vor Gericht jedoch seine Täterschaft bestritten.

  • Athina S.

    • weiblich
    • Rassismus
    • Baden-Württemberg
    • Alter: 24
    • Ort: Stuttgart
    • Datum: 16.03.1994

    Ante B. (60), Ljuba B. (55), Zuzanna M. (57), Athina S. (24), Kristina S. (2), Nebahat S. (27), ihre Tochter Aynül S. (4) und ihr ungeborenes Kind sterben in der Nacht vom 15. zum 16. März 1994 bei einem Brandanschlag auf das Mehrfamilienhaus Geißstraße 7 in der Stuttgarter Altstadt. 16 weitere Bewohner und Bewohnerinnen des vorwiegend von türkeistämmigen Arbeitsmigranten, Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Asylsuchenden bewohnten Hauses erleiden zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Das Feuer war gegen 3 Uhr nachts im hölzernen Treppenhaus gelegt worden. Im Mai 1996 verurteilte die 1. Große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht einen 25-jährigen Serienbrandstifter aus dem benachbarten Esslingen unter anderem wegen siebenfachen Mords und dutzendfachen Mordversuchs zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der arbeitslose Andreas H. hatte gestanden, aus "Ausländerhass" und Rache für einen Raubüberfall im April und Juni 1995 immer nachts weitere sieben überwiegend von Ausländern bewohnte Mehrfamilienhäuser im benachbarten Esslingen angezündet und danach jeweils mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Parolen wie "Kanaken Raus" und "Sieg Heil" versehene Bekennerschreiben hinterlassen zu haben. Das Landgericht Stuttgart wertete die Bekennerschreiben lediglich als Versuche, noch mehr öffentliche "Beachtung" für die Brände zu erlangen. Gehasst habe er lediglich diejenigen Ausländer, die ihn überfallen hatten. Den Brandanschlag im Haus Geißstraße 7 hatte Andreas H. in polizeilichen Vernehmungen gestanden, vor Gericht jedoch seine Täterschaft bestritten.

  • Kristina S.

    • weiblich
    • Rassismus
    • Baden-Württemberg
    • Alter: 2
    • Ort: Stuttgart
    • Datum: 16.03.1994

    Ante B. (60), Ljuba B. (55), Zuzanna M. (57), Athina S. (24), Kristina S. (2), Nebahat S. (27), ihre Tochter Aynül S. (4) und ihr ungeborenes Kind sterben in der Nacht vom 15. zum 16. März 1994 bei einem Brandanschlag auf das Mehrfamilienhaus Geißstraße 7 in der Stuttgarter Altstadt. 16 weitere Bewohner und Bewohnerinnen des vorwiegend von türkeistämmigen Arbeitsmigranten, Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Asylsuchenden bewohnten Hauses erleiden zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Das Feuer war gegen 3 Uhr nachts im hölzernen Treppenhaus gelegt worden. Im Mai 1996 verurteilte die 1. Große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht einen 25-jährigen Serienbrandstifter aus dem benachbarten Esslingen unter anderem wegen siebenfachen Mords und dutzendfachen Mordversuchs zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der arbeitslose Andreas H. hatte gestanden, aus "Ausländerhass" und Rache für einen Raubüberfall im April und Juni 1995 immer nachts weitere sieben überwiegend von Ausländern bewohnte Mehrfamilienhäuser im benachbarten Esslingen angezündet und danach jeweils mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Parolen wie "Kanaken Raus" und "Sieg Heil" versehene Bekennerschreiben hinterlassen zu haben. Das Landgericht Stuttgart wertete die Bekennerschreiben lediglich als Versuche, noch mehr öffentliche "Beachtung" für die Brände zu erlangen. Gehasst habe er lediglich diejenigen Ausländer, die ihn überfallen hatten. Den Brandanschlag im Haus Geißstraße 7 hatte Andreas H. in polizeilichen Vernehmungen gestanden, vor Gericht jedoch seine Täterschaft bestritten.

  • Nebahat S.

    • weiblich
    • Rassismus
    • Baden-Württemberg
    • Alter: 27
    • Ort: Stuttgart
    • Datum: 16.03.1994

    Ante B. (60), Ljuba B. (55), Zuzanna M. (57), Athina S. (24), Kristina S. (2), Nebahat S. (27), ihre Tochter Aynül S. (4) und ihr ungeborenes Kind sterben in der Nacht vom 15. zum 16. März 1994 bei einem Brandanschlag auf das Mehrfamilienhaus Geißstraße 7 in der Stuttgarter Altstadt. 16 weitere Bewohner und Bewohnerinnen des vorwiegend von türkeistämmigen Arbeitsmigranten, Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Asylsuchenden bewohnten Hauses erleiden zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Das Feuer war gegen 3 Uhr nachts im hölzernen Treppenhaus gelegt worden. Im Mai 1996 verurteilte die 1. Große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht einen 25-jährigen Serienbrandstifter aus dem benachbarten Esslingen unter anderem wegen siebenfachen Mords und dutzendfachen Mordversuchs zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der arbeitslose Andreas H. hatte gestanden, aus "Ausländerhass" und Rache für einen Raubüberfall im April und Juni 1995 immer nachts weitere sieben überwiegend von Ausländern bewohnte Mehrfamilienhäuser im benachbarten Esslingen angezündet und danach jeweils mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Parolen wie "Kanaken Raus" und "Sieg Heil" versehene Bekennerschreiben hinterlassen zu haben. Das Landgericht Stuttgart wertete die Bekennerschreiben lediglich als Versuche, noch mehr öffentliche "Beachtung" für die Brände zu erlangen. Gehasst habe er lediglich diejenigen Ausländer, die ihn überfallen hatten. Den Brandanschlag im Haus Geißstraße 7 hatte Andreas H. in polizeilichen Vernehmungen gestanden, vor Gericht jedoch seine Täterschaft bestritten.

  • Aynül S.

    • weiblich
    • Rassismus
    • Baden-Württemberg
    • Alter: 4
    • Ort: Stuttgart
    • Datum: 16.03.1994

    Ante B. (60), Ljuba B. (55), Zuzanna M. (57), Athina S. (24), Kristina S. (2), Nebahat S. (27), ihre Tochter Aynül S. (4) und ihr ungeborenes Kind sterben in der Nacht vom 15. zum 16. März 1994 bei einem Brandanschlag auf das Mehrfamilienhaus Geißstraße 7 in der Stuttgarter Altstadt. 16 weitere Bewohner und Bewohnerinnen des vorwiegend von türkeistämmigen Arbeitsmigranten, Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Asylsuchenden bewohnten Hauses erleiden zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Das Feuer war gegen 3 Uhr nachts im hölzernen Treppenhaus gelegt worden. Im Mai 1996 verurteilte die 1. Große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht einen 25-jährigen Serienbrandstifter aus dem benachbarten Esslingen unter anderem wegen siebenfachen Mords und dutzendfachen Mordversuchs zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der arbeitslose Andreas H. hatte gestanden, aus "Ausländerhass" und Rache für einen Raubüberfall im April und Juni 1995 immer nachts weitere sieben überwiegend von Ausländern bewohnte Mehrfamilienhäuser im benachbarten Esslingen angezündet und danach jeweils mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Parolen wie "Kanaken Raus" und "Sieg Heil" versehene Bekennerschreiben hinterlassen zu haben. Das Landgericht Stuttgart wertete die Bekennerschreiben lediglich als Versuche, noch mehr öffentliche "Beachtung" für die Brände zu erlangen. Gehasst habe er lediglich diejenigen Ausländer, die ihn überfallen hatten. Den Brandanschlag im Haus Geißstraße 7 hatte Andreas H. in polizeilichen Vernehmungen gestanden, vor Gericht jedoch seine Täterschaft bestritten.

  • Ali Bayram

    • männlich
    • Rassismus
    • Hessen
    • Alter: -
    • Ort: Darmstadt
    • Datum: 18.02.1994

    Am Abend des 18. Februar 1994 wird der fünffache Familienvater Ali Bayram vor den Augen seiner damals zwölfjährigen Tochter von einem 29-jährigen Nachbarn in der Tür seiner Wohnung in Darmstadt (Hessen) erschossen. Das Mädchen wird mit einem Schuss aus der 9-Millimeter-Pistole am Oberarm verletzt. Als Motiv gibt der Täter an, er habe sich durch den Lärm der über ihm wohnenden türkischen Nachbarn belästigt gefühlt. Im Prozess berichtete die Ehefrau des Getöteten, der Mann habe schon Monate vor der Tat gedroht: "Ihr Scheiß Türken, geht in euer Land zurück. Ich bring' euch noch um." Gegenüber einem psychiatrischen Gutachter hatte der Mann in der Untersuchungshaft erklärt, er habe "ein Bedürfnis gehabt, denen zu zeigen, dass sie sich nicht alles erlauben können". Das Landgericht Darmstadt verurteilte ihn im Februar 1995 wegen Totschlags zu neun Jahren Haft, verneinte aber sowohl eine rassistische Motivation als auch eine Planung für die tödlichen Schüsse.

  • Jasminka Jovanović

    • weiblich
    • Rassismus
    • Hass auf Sinti und Roma
    • Nordrhein-Westfalen
    • Alter: 12
    • Ort: Köln
    • Datum: 26.01.1994

    Jasminka Jovanović (12) und ihre Großmutter Raina Jovanović (62) sterben wenigen Wochen nach einem Brandanschlag am 26. Januar 1994 auf ein Übergangswohnheim in Köln-Gremberg an den Folgen großflächiger Hautverbrennungen. Bis heute unbekannte Täter hatten gegen 2 Uhr nachts im zweiten Stock der städtischen Notunterkunft gezielt vor Zimmern einer schlafenden serbischen Romafamilie an drei Stellen mit Brandbeschleuniger dort abgestellte Einrichtungsgegenstände in Brand gesetzt. Mehrere Mitglieder der Romafamilie, die nach ethnischer Verfolgung im jugoslawischen Bürgerkrieg erst wenige Wochen zuvor in Deutschland Asyl beantragt hatten, erlitten bei der Flucht durch den lichterloh brennenden Flur zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Die Ermittlungen gegen einen mehrfach wegen Brandstiftungsdelikten verurteilten Übernachtungsgast des Wohnheims verlaufen im Sand. "Wenn er im Fernsehen Berichte von brennenden Aussiedler- und Flüchtlingsheimen sah, habe er geäußert, dies 'auch machen zu wollen'", sagte dessen langjährige Vermieterin bei der Polizei aus. Der Mann sei "eine Gefahr für seine Umwelt und ein Überzeugungstäter". Wohnungslose Deutsche, die mehrheitlich in dem städtischen Übergangsheim untergebracht waren, erklärten in polizeilichen Vernehmungen, die "Zigeuner" hätten durch ihr Verhalten provoziert.

  • Raina Jovanović

    • weiblich
    • Rassismus
    • Hass auf Sinti und Roma
    • Nordrhein-Westfalen
    • Alter: 62
    • Ort: Köln
    • Datum: 26.01.1994

    Jasminka Jovanović (12) und ihre Großmutter Raina Jovanović (62) sterben wenigen Wochen nach einem Brandanschlag am 26. Januar 1994 auf ein Übergangswohnheim in Köln-Gremberg an den Folgen großflächiger Hautverbrennungen. Bis heute unbekannte Täter hatten gegen 2 Uhr nachts im zweiten Stock der städtischen Notunterkunft gezielt vor Zimmern einer schlafenden serbischen Romafamilie an drei Stellen mit Brandbeschleuniger dort abgestellte Einrichtungsgegenstände in Brand gesetzt. Mehrere Mitglieder der Romafamilie, die nach ethnischer Verfolgung im jugoslawischen Bürgerkrieg erst wenige Wochen zuvor in Deutschland Asyl beantragt hatten, erlitten bei der Flucht durch den lichterloh brennenden Flur zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Die Ermittlungen gegen einen mehrfach wegen Brandstiftungsdelikten verurteilten Übernachtungsgast des Wohnheims verlaufen im Sand. „Wenn er im Fernsehen Berichte von brennenden Aussiedler- und Flüchtlingsheimen sah, habe er geäußert, dies 'auch machen zu wollen'“, sagte dessen langjährige Vermieterin bei der Polizei aus. Der Mann sei „eine Gefahr für seine Umwelt und ein Überzeugungstäter“. Wohnungslose Deutsche, die mehrheitlich in dem städtischen Übergangsheim untergebracht waren, erklärten in polizeilichen Vernehmungen, die „Zigeuner“ hätten durch ihr Verhalten provoziert.

  • Angela S.

    • weiblich
    • Rassismus
    • Berlin
    • Alter: 29
    • Ort: Berlin-Kreuzberg
    • Datum: 21.06.1993

    Angela S. (29) und ihr zweijähriger Sohn Dario sterben am 21. Juni 1993 an den Folgen einer schweren Rauchgasvergiftung nach einem vorsätzlich gelegten Kellerbrand in einem überwiegend von Mietern und Mieterinnen migrantischer Herkunft bewohnten Mehrfamilienhaus in Berlin-Kreuzberg. Unbekannte hatten kurz nach Mitternacht im Keller gelagerte Kleidung in Brand gesetzt. Drei Tage vor dem Brand waren Hakenkreuze unter anderem an die Kellertür und auf den Asphalt vor dem fünfstöckigen Altbau geschmiert worden, wo sich im Erdgeschoss eine kurdische Gaststätte befand. Zuvor war am 6. Juni 1993 in einer 300 m entfernten Nachbarstraße ein Brandanschlag auf eine türkische Familie verübt worden. Unbekannte Täter hatten eine Fußmatte vor deren Wohnungstür im zweiten Stock mit Treibstoff übergossen und angezündet. Die Türkische Gemeinde zu Berlin und Angehörige der Getöteten gingen deshalb auch bei diesem Fall von einem ausländerfeindlichen Brandanschlag aus und verwiesen auf die zeitliche Nähe zu dem neonazistischen Anschlag in Solingen sowie damals auch in Berlin-Kreuzberg aktiven Neonazigruppierungen wie der Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP) oder der Nationalistischen Front (NF). Obwohl die Strafverfolgungsbehörden eine Belohnung von 10.000 D-Mark aussetzten und auch prüften, ob der Brand evtl. von Wohnungslosen gelegt worden sein könnte, die im Keller übernachtet hatten, blieb der Fall unaufgeklärt.

  • Dario S.

    • männlich
    • Rassismus
    • Berlin
    • Alter: 2
    • Ort: Berlin-Kreuzberg
    • Datum: 21.06.1993

    Angela S. (29) und ihr zweijähriger Sohn Dario sterben am 21. Juni 1993 an den Folgen einer schweren Rauchgasvergiftung nach einem vorsätzlich gelegten Kellerbrand in einem überwiegend von Mietern und Mieterinnen migrantischer Herkunft bewohnten Mehrfamilienhaus in Berlin-Kreuzberg. Unbekannte hatten kurz nach Mitternacht im Keller gelagerte Kleidung in Brand gesetzt. Drei Tage vor dem Brand waren Hakenkreuze u.a. an die Kellertür und auf den Asphalt vor dem fünfstöckigen Altbau geschmiert worden, wo sich im Erdgeschoss eine kurdische Gaststätte befand. Zuvor war am 6. Juni 1993 in einer 300m entfernten Nachbarstraße ein Brandanschlag auf eine türkische Familie verübt worden. Unbekannte Täter hatten eine Fußmatte vor deren Wohnungstür im zweiten Stock mit Treibstoff übergossen und angezündet. Die Türkische Gemeinde zu Berlin und Angehörige der Getöteten gingen deshalb auch bei diesem Fall von einem ausländerfeindlichen Brandanschlag aus und verwiesen auf die zeitliche Nähe zu dem neonazistischen Anschlag in Solingen sowie damals auch in Berlin-Kreuzberg aktiven Neonazigruppierungen wie der Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP) oder der Nationalistischen Front (NF). Obwohl die Strafverfolgungsbehörden eine Belohnung von 10.000 D-Mark aussetzten und auch prüften, ob der Brand evtl. von Wohnungslosen gelegt worden sein könnte, die im Keller übernachtet hatten, blieb der Fall unaufgeklärt.

  • Sandro Beyer

    • männlich
    • Angriffe auf Nicht-Rechte
    • Thüringen
    • Alter: 15
    • Ort: Sondershausen
    • Datum: 29.04.1993

    Der 15-jährige Sandro Beyer wird am Abend des 29. April 1993 von drei älteren Mitschülern in Sondershausen (Thüringen) umgebracht. Die Mitglieder der Clique verstanden sich als Satanisten, unter ihnen war Hendrik Möbus, 17, Rassist und Frontmann der Band "Absurd", die später zur bekanntesten deutschen Gruppe des sogenannten National Socialist Black Metal wurde. Beyer hatte längere Zeit versucht, sich der Clique anzuschließen, wurde abgewiesen und hatte sich dann über sie lustig gemacht. Am Tatabend lockten ihn die drei Mitschüler mit einem fingierten Brief in eine Waldhütte, fesselten und quälten ihn und erdrosselten ihn schließlich mit einem Kabel. Danach verscharrten sie den Leichnam. Möbus wurde 1994 als Haupttäter (?) vom Landgericht Mühlhausen zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt, kam aber schon nach fünf Jahren frei. Möbus verstand sich als Verteidiger der "weißen Rasse", sein Opfer verhöhnte er als "Volksschädling". Einem Magazin der NSBM-Szene sagte er: "Ich betrachte den deutschen Nationalsozialismus als die perfekte Synthese aus dem satanisch/luziferischen Willen zur Macht, dem elitären Sozialdarwinismus und dem arisch-germanischen Heidentum."

  • Hans-Jochen Lommatsch

    • männlich
    • Machtdemonstration
    • Brandenburg
    • Alter: 51
    • Ort: Oranienburg
    • Datum: 18.12.1992

    Der 51 Jahre alte Hans-Jochen Lommatsch wird am 18. Dezember 1992 in Oranienburg erschlagen. Der Baumaschinist wollte vor dem Schlafengehen nach seinem neuen Auto gucken. Auf dem Parkplatz trifft er auf zwei Skinheads aus der rechten Szene, die ihn "grundlos" angreifen, wie das Bezirksgericht Potsdam feststellt. Es hätte "jeden anderen treffen können", sagt der 26-jährige Jens Sch. auf die Frage nach seinem Motiv. Der mehrfach Vorbestrafte hat sein Opfer mit Faustschlägen und Tritten getötet. Das Bezirksgericht Potsdam verurteilt Sch. im Oktober 1993 zu acht Jahren Haft wegen Totschlags.

  • Gamal Hegab

    • männlich
    • Rassismus
    • Berlin
    • Alter: 35
    • Ort: Berlin-Mitte
    • Datum: 17.12.1992

    Der 35-jährige Gamal Hegab wird am 17. Dezember 1992 gegen 2 Uhr nachts an einem Imbissstand gegenüber vom Berliner Verlag am Alexanderplatz (Berlin) von einem Unbekannten mit acht Schüssen in die Brust und in den Kopf getötet. Der ägyptische Medizinstudent und zweifache Vater, der seinen Lebensunterhalt als Imbissverkäufer im Ali-Baba-Imbiss verdiente, war gerade dabei, den Verkaufsstand an der menschenleeren Karl-Liebknecht-Straße zu schließen, als er durch mehrere Kugeln getroffen zusammenbrach. Vom nahegelegenen Verlagshaus der Berliner Zeitung rannten sofort zwei Wachleute herbei, die aber nicht mehr helfen konnten. Einen Raub oder Schutzgelderpressung als Motiv schlossen die Ermittlungsbehörden aus, nachdem weder die Tageseinnahmen gestohlen noch sonstige Hinweise in Richtung krimineller Strukturen vorgelegen haben. ZEIT-Autor Christoph Diekmann widmete Gamal Hegab im Januar 1993 eine Reportage.

  • Bruno Kappi

    • männlich
    • Angriffe auf Behinderte
    • Nordrhein-Westfalen
    • Alter: 55
    • Ort: Siegen
    • Datum: 15.12.1992

    Aus "Abneigung gegen Behinderte" und "ungezügelter Aggressionslust", so die Staatsanwaltschaft, überfallen zwei Naziskins am 15. Dezember 1992 in Siegen (Nordrhein-Westfalen) den stark sehbehinderten Bruno Kappi. Nach einer "Skinheadfete" in der Wohnung einer der beiden Angreifer fahren sie in den frühen Morgenstunden auf der Suche nach "Fun" mit einigen Kumpanen zum Einkaufszentrum Weidenau. Kurz nach fünf Uhr morgens treffen sie auf Bruno Kappi, der auf dem Weg zu seinem Job als Lagerarbeiter bei der Bundeswehr ist. Die Naziskins drängen ihn in einen dunklen Kaufhauseingang und schlagen "aufgrund ihrer rechtsextremen Denkweise" – so das Landgericht Siegen im Urteil – dann auf Kappi ein. Auch als ihr Opfer schon am Boden liegt, treten die Angreifer mit ihren Springerstiefeln weiter auf Kopf, Hals und Oberkörper ein. Der 55-Jährige stirbt noch am Tatort, die Liste der ihm zugefügten Verletzungen füllt im Urteil eine halbe DIN-A4-Seite. Einer der Tatverdächtigen brüstet sich hinterher, man habe "einen Alten umgeknockt", das sei "geil" gewesen. Weil Zeugen ihre polizeilichen Aussagen teilweise widerrufen und sich in Widersprüche verstricken, kann das Gericht die Täterschaft im Fall Bruno Kappi jedoch nicht zweifelsfrei klären und spricht die angeklagten 16- und 20-jährigen Naziskins von der Mordanklage frei. Wegen anderer Raubüberfälle erhält einer der Angeklagten eine dreijährige Jugendstrafe.

  • Grigore Velcu

    • männlich
    • Rassismus
    • Mecklenburg-Vorpommern
    • Alter: -
    • Ort: Nadrensee
    • Datum: 29.06.1992

    In den frühen Morgenstunden des 29. Juni 1992 werden in einem Wintergerstenfeld bei Nadrensee (Mecklenburg-Vorpommern) Grigore Velcu und Eudache Calderar durch Jäger erschossen. Die beiden rumänischen Roma hatten gemeinsam mit einer circa 25-köpfigen Gruppe die nahe gelegene deutsch-polnische Grenze illegal überquert und sich bei Tagesanbruch in dem Feld versteckt. Die Jäger geben hinterher an, sie hätten die beiden Männer mit Wildschweinen verwechselt und im Morgenlicht aus knapp 70 Metern Entfernung auf "zwei oder drei Silhouetten" beziehungsweise "schwarze Gestalten" geschossen. Sie werden im Oktober 1999 in erster Instanz vom Amtsgericht Pasewalk vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Der Prozess hatte sich verzögert, weil ein Gutachten fehlte, das die Herkunft des tödlichen Geschosses einem der beiden Gewehre zuordnen sollte. Im Januar 2002 verwirft das Landgericht Stralsund in zweiter Instanz die Berufung der Staatsanwaltschaft und bestätigt den Freispruch. Das Gericht stellt dabei fest, die Jäger hätten sich nach den Schüssen vom Ort des Geschehens entfernt, ohne direkt zu prüfen, wen oder was sie getroffen hätten, da sich nach den Schüssen eine 25-köpfige Gruppe aus dem Feld erhoben hätte. Die Menschen hätten zwar durch Rufen und Gesten zu erkennen gegeben, dass sie sich "ergeben" würden. Die Jäger hingegen seien jedoch aus Angst vor den gestikulierenden Leuten weggefahren. Einer der Jäger behauptete vor Gericht, er sei später allein an den Ort zurückgekehrt und habe das Feld vom Pkw aus abgesucht, dabei aber nichts entdeckt. Erntehelfer fanden dann in den Mittagsstunden die beiden Roma, nachdem das Feld aus ungeklärten Ursachen in Flammen aufgegangen war. Im Prozess werden die illegalen Grenzgänger, die die tödlichen Schüsse miterlebt hatten, nicht als Zeugen gehört. Die Familien der Getöteten können ihr Recht auf Nebenklage nicht wahrnehmen, weil sie nicht über den Prozessbeginn informiert werden. Der Regisseur Philipp Scheffner hat in seinem Film Revision den Fall durch die Befragung von Zeugen neu aufgerollt, die vor Gericht nicht gehört worden waren. So hatte beispielsweise ein ärztlicher Gutachter im Obduktionsbericht festgestellt, dass Eudache Calderar noch längere Zeit, nachdem er von einem Geschoss im Kopf getroffen worden war, gelebt habe. Von einer bestätigenden Zeugenaussage eines der nach den tödlichen Schüssen abgeschobenen Rumänen hatte der Gutachter nichts gewusst.

  • Eudache Calderar

    • männlich
    • Rassismus
    • Mecklenburg-Vorpommern
    • Alter: -
    • Ort: Nadrensee
    • Datum: 29.06.1992

    In den frühen Morgenstunden des 29. Juni 1992 werden in einem Wintergerstenfeld bei Nadrensee (Mecklenburg-Vorpommern) Grigore Velcu und Eudache Calderar durch Jäger erschossen. Die beiden rumänischen Roma hatten gemeinsam mit einer circa 25-köpfigen Gruppe die nahe gelegene deutsch-polnische Grenze illegal überquert und sich bei Tagesanbruch in dem Feld versteckt. Die Jäger geben hinterher an, sie hätten die beiden Männer mit Wildschweinen verwechselt und im Morgenlicht aus knapp 70 Metern Entfernung auf "zwei oder drei Silhouetten" beziehungsweise "schwarze Gestalten" geschossen. Sie werden im Oktober 1999 in erster Instanz vom Amtsgericht Pasewalk vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Der Prozess hatte sich verzögert, weil ein Gutachten fehlte, das die Herkunft des tödlichen Geschosses einem der beiden Gewehre zuordnen sollte. Im Januar 2002 verwirft das Landgericht Stralsund in zweiter Instanz die Berufung der Staatsanwaltschaft und bestätigt den Freispruch. Das Gericht stellt dabei fest, die Jäger hätten sich nach den Schüssen vom Ort des Geschehens entfernt, ohne direkt zu prüfen, wen oder was sie getroffen hätten, da sich nach den Schüssen eine 25-köpfige Gruppe aus dem Feld erhoben hätte. Die Menschen hätten zwar durch Rufen und Gesten zu erkennen gegeben, dass sie sich "ergeben" würden. Die Jäger hingegen seien jedoch aus Angst vor den gestikulierenden Leuten weggefahren. Einer der Jäger behauptete vor Gericht, er sei später allein an den Ort zurückgekehrt und habe das Feld vom Pkw aus abgesucht, dabei aber nichts entdeckt. Erntehelfer fanden dann in den Mittagsstunden die beiden Roma, nachdem das Feld aus ungeklärten Ursachen in Flammen aufgegangen war. Im Prozess werden die illegalen Grenzgänger, die die tödlichen Schüsse miterlebt hatten, nicht als Zeugen gehört. Die Familien der Getöteten können ihr Recht auf Nebenklage nicht wahrnehmen, weil sie nicht über den Prozessbeginn informiert werden. Der Regisseur Philipp Scheffner hat in seinem Film Revision den Fall durch die Befragung von Zeugen neu aufgerollt, die vor Gericht nicht gehört worden waren. So hatte beispielsweise ein ärztlicher Gutachter im Obduktionsbericht festgestellt, dass Eudache Calderar noch längere Zeit, nachdem er von einem Geschoss im Kopf getroffen worden war, gelebt habe. Von einer bestätigenden Zeugenaussage eines der nach den tödlichen Schüssen abgeschobenen Rumänen hatte der Gutachter nichts gewusst.

  • Peter Konrad

    • männlich
    • Hass auf politische Gegner
    • Brandenburg
    • Alter: 31
    • Ort: Werder an der Havel
    • Datum: 25.04.1992

    Peter Konrad (31) wird am späten Abend des 25. April 1992 beim Baumblütenfest in Werder an der Havel (Brandenburg) von mindestens vier Mitgliedern der rechtsextremen Wannseefront brutal zusammengeschlagen und zu Tode getreten. Der ehrenamtliche Rettungsschwimmer, den Freunde als offen und engagiert beschreiben, war gerade mit einer Gruppe aus dem Motorradclub "MC Roadrunner" dabei, das Fest zu verlassen und den Heimweg anzutreten, als die Täter auf die Gruppe losstürmten und brüllten, „einer von Euch Langhaarigen hat unseren Kumpel zusammengeschlagen“. Ein Augenzeuge des Angriffs erinnert sich, dass die Angreifer dann gezielt Peter Konrad gejagt und zu Boden getreten hätten. "In den Augen dieser Nazis waren wir Langhaarige, und Peter Konrad hatte die längsten Haare mit seinen Locken". Der Haupttäter, ein Naziskinhead, trat dann nach Feststellungen der Jugendkammer des Landgerichts Berlin 25 Mal auf Peter Konrad ein. Überführt wurde er anhand eines Stiefelsohlenabdrucks im Gesicht von Peter Konrad. Das Gericht verurteilt den Haupttäter des Angriffs, der wegen einschlägiger Gewalttaten unter Bewährungsauflagen stand, im Juli 1993 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren Haft unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge. – Bei einer wissenschaftlichen Überprüfung von Verdachtsfällen rechter Gewalt in Brandenburg durch das Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum, die von 2013 bis 2015 stattfand, wurde der Tod von Peter Konrad nicht untersucht, weil zu diesem Zeitpunkt die Prozessakten aus dem Jahr 1993 aufgrund der Jugendrechtsbestimmungen bereits vernichtet waren. Augenzeugen des Angriffs sind bis heute entsetzt darüber, dass die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag 1993 (BT Drucksache 12/5681) nicht nur die Zugehörigkeit des Haupttäters zur Wannseefront bestritten, sondern auch behauptet hatte, der Täter sei aus der Gruppe der Motorrad-Freunde von Peter Konrad gekommen.

  • Blanka Zmigrod

    • weiblich
    • Rassismus
    • Antisemitismus
    • Hessen
    • Alter: 68
    • Ort: Frankfurt (Main)
    • Datum: 23.02.1992

    Mit einem Kopfschuss ermordet der schwedische Rechtsterrorist John Ausonius am 23. Februar 1992 in Frankfurt/Main (Hessen) die Holocaustüberlebende Blanka Zmigrod und raubt ihre Tasche. Die 68-Jährige hatte als Garderobenfrau in einem Restaurant gearbeitet. Ausonius verdächtigte sie, vor der Tat aus seiner Jacke einen Taschenrechner gestohlen zu haben und beschimpfte sie und ihre Kollegin rassistisch. Der Täter habe Zmigrod später auf offener Straße "mit hohem Maß an Kaltblütigkeit" getötet, befindet das Gericht. Ob das Motiv für die Tat möglicherweise nicht nur der angeblich gestohlene Taschenrechner, sondern auch Rassismus oder sogar Antisemitismus war, konnte im Prozess nicht eindeutig geklärt werden. Zmigrod hatte am Arm eine Tätowierung aus dem Konzentrationslager, die Ausonius gesehen haben könnte. Ausonius verweigerte vor Gericht die Aussage. 2018 wurde er für die Tat zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Gegen das Urteil hat Ausonius Revision eingelegt. In Schweden war der 64-Jährige wegen Mordes und versuchten Mordes bereits zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil er Anfang der Neunzigerjahre mit einem Gewehr auf elf Migranten geschossen hatte. Wegen der Laserzielvorrichtung der Waffe wurde er von den Medien als "Lasermann" bezeichnet. Ausonius‘ Taten gelten als "Blaupause" für die Mordserie des NSU, bei der stets Migranten das Ziel waren und keine Bekennerschreiben hinterlassen wurden.

  • Ingo Ludwig

    • männlich
    • Machtdemonstration
    • Brandenburg
    • Alter: 18
    • Ort: Klein-Mutz
    • Datum: 05.01.1992

    In der Nacht zum 5. Januar 1992 stirbt der 18-jährige Ingo Ludwig in Klein-Mutz bei Gransee (Brandenburg). Im Polizeibericht heißt es: "Am vergangenen Sonntag kam es in Klein-Mutz in der Gaststätte Wolfshöhle zu einer Auseinandersetzung, die tödlich endete. Der 18-jährige Ingo L. aus Grüneberg trug Verletzungen im Gesicht, am Hals und am Körper davon. Der zu Hilfe gerufene Arzt stellte gegen 1.20 Uhr den Tod fest. Als Ingo L. am Boden lag, versetzte Oliver Z. ihm mehrere Fußtritte. Er trug sogenannte Doggs, Schuhe mit Eisenspitzen." In der Antwort auf eine Bundestagsanfrage 1994 wird das Geschehen ganz anders dargestellt: "Nach Auskunft der Landesbehörde für Verfassungsschutz Brandenburg ist der Tod nicht auf die gewalttätigen Angriffe der Jugendlichen zurückzuführen." Ingo Ludwig sei betrunken die Treppe heruntergefallen und sei "von mehreren Jugendlichen, die der 'rechten' Szene zuzurechnen sind, zu einem Kraftfahrzeug gebracht. Als er die Jugendlichen beschimpfte, schlugen diese auf ihn ein. Im Krankenhaus verstarb er dann. Der Tod ist eindeutig auf Verletzungen zurückzuführen, die er sich beim Treppensturz zugezogen hatte." Im Jahr 2013 beschreibt die Journalistin Manja Präkels als Augenzeugin die Situation in der Wolfshöhle in einem Artikel für die Wochenzeitung Jungle World: "In der Nacht zum 5. Januar 1992 kamen sie im Dutzend, fielen mit Baseballschlägern bewaffnet in die Disko ein. (...) Wenn man die drei flachen Stufen der Dorfkneipe vor Augen hat und die Pogromstimmung jener Jahre in den Knochen, zerfällt die Geschichte von der hilfsbereiten Horde Skins." Als das Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam im Auftrag des Brandenburger Innenministeriums von 2013 bis 2015 rund zwei Dutzend Verdachtsfälle rechtsmotivierter Gewalt näher untersuchte, zählte dieser Fall nicht dazu – eine Untersuchung war nicht mehr möglich, weil die Ermittlungsakten aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen in Jugendstrafsachen zwischenzeitlich vernichtet worden waren.

  • Gerhard Sch.

    • männlich
    • Machtdemonstration
    • Sachsen
    • Alter: 43
    • Ort: Leipzig
    • Datum: 01.06.1991

    Am 1. Juni 1991 wird der 43-jährige Gerhard Sch. am Leipziger Hauptbahnhof (Sachsen) von zwei Neonazis verprügelt und aus der Straßenbahnlinie 17 gestoßen. Zuvor hatten die beiden Männer mit Springerstiefeln und einem T-Shirt mit Reichsadler andere Fahrgäste angepöbelt und angerempelt. Als Gerhard Sch. daraufhin das Verhalten lautstark als "unglaublich, diese Nazis" bezeichnet, beginnen die beiden Naziskins, ihn zu treten und zu schlagen. Dann werfen sie Gerhard Sch. aus der fahrenden Straßenbahn. Wenige Tage später stirbt der 43-Jährige an seinen schweren Verletzungen. In der anschließenden Berichterstattung der Leipziger Volkszeitung heißt es, der Täter sei als "stark tätowierter Skinhead" beschrieben, identifiziert und zur Fahndung ausgeschrieben worden. Auf eine parlamentarische Anfrage im Jahr 2014 antwortet die sächsische Landesregierung, der Fall sei ihr unbekannt.

  • Klaus-Dieter Reichert

    • männlich
    • Machtdemonstration
    • Berlin
    • Alter: 24
    • Ort: Berlin-Lichtenberg
    • Datum: 11.12.1990

    Drei Naziskinheads schlagen in der Nacht zum 11. Dezember 1990 in einer Wohnung in Berlin-Lichtenberg derart brutal auf den 24-jährigen Klaus-Dieter Reichert ein, dass dieser sich in Panik aus einem Zimmerfenster zehn Stockwerke tief in den Tod stürzt. Die Täter wollten den Mann zur Herausgabe von 8.000 Mark zwingen, die er angeblich zwei Bekannten schuldete. Diese hatten einen wegen seiner Brutalität bekannten Skinhead als Geldeintreiber engagiert. Zwei Schläger waren vorbestraft, einer auch wegen rechtsextremer Propagandadelikte. Das Landgericht Berlin verurteilt zwei Täter zu je vier Jahren Haft, der dritte erhält drei Jahre.

  • Michael Silbermann

    • männlich
    • Gewalt gegen Aussteiger
    • Gewalt unter Rechtsextremen
    • Sachsen
    • Alter: 22
    • Ort: Dresden
    • Datum: November 95

    Am 11. November 1995 wird die Leiche von Sven Silbermann (24) hinter dem Stadion des Dresdener Sportvereins ESV gefunden, vier Tage später in knapp 20 Kilometer Entfernung auch der Leichnam des zwei Jahre jüngeren Michael Silbermann. Die Brüder waren in der Nachwende-Naziskinszene von Dresden aktiv gewesen. Insbesondere Sven Silbermann gehörte zu den bekannten Gesichtern eines Mischmilieus aus Neonazis und organisierter Kriminalität, das in der sächsischen Landeshauptstadt Anfang der Neunzigerjahre durch Waffen-, Frauen- und Drogenhandel auffiel. Vor der Tat wurde Sven Silbermann von organisierten Neonazis als Verräter beschuldigt und verdächtigt, er habe mit Strafverfolgungsbehörden kooperiert und wolle aus der Neonaziszene aussteigen. Wenige Tage vor dem Fund der Leichen, die massive Folter- und Gewaltspuren aufwiesen, war die gemeinsame Wohnung der Brüder in Dresden-Gorbitz verwüstet, die Einrichtung zerstört und persönliche Habseligkeiten entwendet worden. Ein Tagebuch von Sven Silbermann fanden Ermittler später in einem Waldstück bei Chemnitz. Die Strafverfolgungsbehörden verfolgten zahlreiche Spuren, darunter die Möglichkeit eines Feme-Mordes, um einen Aussteiger und potenziellen Zeugen zu bestrafen, aber auch Spuren in den organisierten Waffenhandel und Kleinkriminalität. Seit 2012 steht zudem die Frage im Raum, ob das Netzwerk des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und dessen sächsische Unterstützer am Tod von Sven und Michael Silbermann beteiligt waren. In der Wohnung des NSU-Kerntrios in der Zwickauer Frühlingsstraße hatten nach dessen Auffliegen die Ermittler einen Zeitungsartikel über den Mord an Sven Silbermann gefunden. Ehemalige Weggefährten von Uwe Mundlos gaben zudem an, Uwe Mundlos habe Sven Silbermann möglicherweise persönlich gekannt.

  • Sven Silbermann

    • männlich
    • Gewalt gegen Aussteiger
    • Gewalt unter Rechtsextremen
    • Sachsen
    • Alter: 24
    • Ort: Dresden
    • Datum: November 95

    Am 11. November 1995 wird die Leiche von Sven Silbermann (24) hinter dem Stadion des Dresdener Sportvereins ESV gefunden, vier Tage später in knapp 20 Kilometer Entfernung auch der Leichnam des zwei Jahre jüngeren Michael Silbermann. Die Brüder waren in der Nachwende-Naziskinszene von Dresden aktiv gewesen. Insbesondere Sven Silbermann gehörte zu den bekannten Gesichtern eines Mischmilieus aus Neonazis und organisierter Kriminalität, das in der sächsischen Landeshauptstadt Anfang der Neunzigerjahre durch Waffen-, Frauen- und Drogenhandel auffiel. Vor der Tat wurde Sven Silbermann von organisierten Neonazis als Verräter beschuldigt und verdächtigt, er habe mit Strafverfolgungsbehörden kooperiert und wolle aus der Neonaziszene aussteigen. Wenige Tage vor dem Fund der Leichen, die massive Folter- und Gewaltspuren aufwiesen, war die gemeinsame Wohnung der Brüder in Dresden-Gorbitz verwüstet, die Einrichtung zerstört und persönliche Habseligkeiten entwendet worden. Ein Tagebuch von Sven Silbermann fanden Ermittler später in einem Waldstück bei Chemnitz. Die Strafverfolgungsbehörden verfolgten zahlreiche Spuren, darunter die Möglichkeit eines Feme-Mordes, um einen Aussteiger und potenziellen Zeugen zu bestrafen, aber auch Spuren in den organisierten Waffenhandel und Kleinkriminalität. Seit 2012 steht zudem die Frage im Raum, ob das Netzwerk des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und dessen sächsische Unterstützer am Tod von Sven und Michael Silbermann beteiligt waren. In der Wohnung des NSU-Kerntrios in der Zwickauer Frühlingsstraße hatten nach dessen Auffliegen die Ermittler einen Zeitungsartikel über den Mord an Sven Silbermann gefunden. Ehemalige Weggefährten von Uwe Mundlos gaben zudem an, Uwe Mundlos habe Sven Silbermann möglicherweise persönlich gekannt.