Die Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff Aquarius dürfen in Malta an Land gehen. Die Regierung in Valletta teilte mit, ein maltesisches Schiff werde die 58 Migranten aufnehmen, sie würden dann "unverzüglich" auf andere Länder verteilt. Das Schiff der Organisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée befindet sich derzeit in der Nähe von Malta, es hatte zuvor darum gebeten, in Frankreich anlegen zu dürfen. Maltas Regierungschef Joseph Muscat schrieb auf Twitter von "vier Ländern", die die Migranten aufnehmen würden.

Portugal hatte sich zuvor mit Frankreich und Spanien über die Aufnahme eines Teils der geretteten Migrantinnen und Migranten geeinigt. Portugal wird zehn Personen aufnehmen, teilte das Innenministerium mit. Aus dem Büro des französischen Regierungschefs Edouard Philippe hieß es, auch Deutschland sei an der Abmachung beteiligt. Alle vier Länder hätten sich auf die "solidarische Verteilung der geretteten Personen" geeinigt. Frankreich nehme 18 Flüchtlinge auf, Deutschland und Spanien je 15.

Im Streit um die Aquarius hatte die französische Europaministerin der italienischen Regierung zuvor Vorwürfe gemacht. "Wir sagen Italien noch einmal, dass das Schließen seiner Häfen für Menschen in Not gegen Recht und Menschlichkeit verstößt", sagte Nathalie Loiseau dem Sud Radio. Auf die Frage, wo der nächste sichere Hafen für die Aquarius liege, antwortete die Ressortchefin: "Das wissen wir alle: Das ist Italien oder Malta."

Die Aquarius wollte die Migranten, die es auf dem Mittelmeer an Bord genommen hat, zunächst ins südfranzösische Marseille bringen. Die Betreiber SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen hatten die französischen Behörden gebeten, die Geretteten dort von Bord gehen zu lassen. Der französische Regierungssprecher Benjamin Griveaux reagierte sehr zurückhaltend: Das Schiff solle einen Hafen anlaufen, der am nächsten gelegen und am sichersten sei. Umweltstaatssekretär Sébastien Lecornu sagte dem Radionachrichtensender Franceinfo: "Marseille ist derzeit nicht der nächstgelegene Hafen." Die Regierung arbeite daran, in den nächsten Tagen und Stunden eine Lösung zu finden. 

Der italienische Innenminister Matteo Salvini sträubt sich seit Monaten, gerettete Migranten in Italien an Land gehen zu lassen. Am Montag hat die Regierung angekündigt, das Asylrecht zu verschärfen.

Wenn nun alle Migranten in Malta von Bord gegangen sind, soll die Aquarius nach Angaben von Philippes Büro in den Hafen von Marseille einfahren. Unklar ist, wie es dann weitergeht. Denn das Rettungsschiff hat seit Beginn der Woche keine Lizenz mehr. Die Behörden aus Panama haben dem Schiff die Flagge entzogen. Grund hierfür war eine Beschwerde der italienischen Behörden. Diese warfen der Crew der Aquarius vor, sie habe sich geweigert, aufgenommene Flüchtlinge in ihren Ausgangshafen zurückzubringen. Der Verlust der Flagge legt das Rettungsschiff de facto lahm.