Menschen auf der Flucht vor Gewalt und Leid dürften nicht unter dem Vorwand des Schutzes christlicher Werte ausgeschlossen werden, heißt es in der Schlussbotschaft einer Tagung des Vatikans und des Ökumenischen Weltkirchenrats. In ihm sind 350 Kirchen vertreten. Christen und alle, die Menschenrechte unterstützten, sollten populistische Initiativen zurückweisen, die den Werten des Evangeliums widersprächen. Dies gelte besonders, wenn Wahlen anstünden.

Papst Franziskus verurteilte bei dem Treffen Angstmache als politisches Mittel. Er verteilte ein Redemanuskript an die Teilnehmer der Konferenz mit dem Titel "Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Populismus im Kontext weltweiter Migration". Seit Dienstag tauschten sich dort nicht nur Vertreter christlicher Kirchen, sondern auch anderer Religionsgemeinschaften sowie Repräsentanten internationaler Organisationen in Rom aus. Aus Deutschland nahm der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, an der Tagung teil.

In der vom Vatikan veröffentlichten Papstansprache heißt es, Verdächtigungen, Ängste, Verachtung und sogar Hass gegenüber anderen würden scheinbar stärker werden. Sie ebneten Intoleranz, Diskriminierung und Verletzungen der Menschenwürde und Menschenrechte den Weg. Dies richte sich oft gegen "Gruppen, die aufgrund ihrer ethnischen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeit als anders eingestuft" würden.

Franziskus sieht die Religionsführer in der Pflicht

Angesichts dieser Entwicklungen sei jeder aufgerufen, sich für Respekt gegenüber anderen einzusetzen, heißt es in dem Text. Papst Franziskus kritisiert darin außerdem jene, die aus Fremdenangst und aus der Not anderer Profit schlügen, die "Unregelmäßigkeiten oder Illegalität beim Aufenthalt" ausnutzten, bis hin zu Sklaverei. Wer so handele, müsse wissen, dass er sich eines Tages vor Gott verantworten müsse.

Franziskus sieht auch die Religionsführer in der Pflicht. Sie müssten den Gläubigen die gottgegebenen moralischen Werte vermitteln. Menschenwürde, Nächstenliebe und Solidarität seien "weit mehr als nur Toleranz". Christsein sei "ein Aufruf, gegen den Strom zu schwimmen und Christus selbst in den Brüdern zu erkennen", heißt es im Manuskript. Franziskus fordert darin auch Bildungseinrichtungen auf, Respekt zu lehren und Vorurteile zu bekämpfen.

In ihrer Schlusserklärung warnten die Konferenzteilnehmer davor, nationale Grenzen zu "Götzen" zu erheben. Jeder Mensch verdiene Respekt und Schutz. Zwar müsse man die Sorgen derer verstehen und analysieren, die sich durch Migranten aus Sicherheitsgründen, wirtschaftlich oder kulturell bedroht fühlten. Die Kirchen wollten aber einem "populistischen Narrativ von Hass und Furcht" eine positive Botschaft entgegensetzen.

Die Kirchen müssten auch deutlicher auf eine "Komplizenschaft" mancher Theologien mit Fremdenhass und Rassismus hinweisen. Nötig sei eine radikale Distanzierung von solchen Denkrichtungen.