Eine Reise ins französische Lille während der Fußball-Europameisterschaft 2016 hat für einen sächsischen Finanzbeamten offenbar dienstrechtliche Konsequenzen. Ein Foto zeigt den Mittzwanziger dort in einer Gruppe von Männern, von denen einer einen Hitlergruß macht und andere eine Reichskriegsflagge hochhalten.

Wie die Dresdner Neuesten Nachrichten berichten, haben Beobachter der rechten Szene den Beamten schon bei Demonstrationen von Ausländerfeinden ausgemacht. Zudem rechnen sie ihn der rechten Fangruppe SGD Supporters Bautzen zu.

Der nach seiner Ausbildung rasch ins Landesfinanzministerium aufgestiegene Beamte musste seine Dienststelle nun wieder verlassen. Er sei "vorläufig vom Dienst freigestellt worden", zitiert die Zeitung einen Sprecher. Seine Bezüge würden einbehalten. Um den Fall lückenlos aufzuklären, seien in den vergangenen Monaten weitere Behörden eingeschaltet worden. Welche, ließ der Sprecher of­fen. "Es wurden alle Behörden be­teiligt, de­nen etwaige Er­kenntnisse zur Be­urteilung der gegenständlichen Vorwürfe vorliegen können."

Eine Kleine An­frage des Landtagsabgeordneten Va­lentin Lipp­mann (Grüne) hat ergeben, dass sich "wei­tere Tatsachen für den Verdacht ei­nes Dienstvergehens er­ge­ben" hatten. 

Hooligans hatten in den Tagen der Europameisterschaft an verschiedenen Orten in Lille gewütet und Fans aus der Ukraine attackiert.

Den Hitlergruß zu zeigen hatte für den Mann auf dem Foto keine Folgen. Die Aufnahme wurde auch durch die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf ausgewertet, die für Krawalle außerhalb Deutschlands zuständig ist. Wie ein Oberstaatsanwalt erläuterte, ist der Hitlergruß in Frankreich keine Straftat, ein Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.

In Sachsen gibt es immer wieder Anhaltspunkte für eine rechte Einstellung von Behördenmitarbeitern und Staatsdienern. Erst vor wenigen Wochen wurde ein Mitarbeiter des Landeskriminalamts versetzt, nachdem er auf einer Demonstration von Pegida ein Fernsehteam verbal scharf angegriffen hatte. Ein früherer Staatsanwalt und Richter am Landgericht Dresden, der heute für die AfD im Bundestag sitzt, war Gegenstand von Ermittlungen wegen öffentlicher nationalistischer und rassistischer Äußerungen. Die Verfahren wurden jedoch eingestellt. Dienstrechtlich hatte das allerdings Konsequenzen: Er wurde in ein anderes Rechtsgebiet versetzt, unter anderem wurden ihm am Landgericht Presserechtsfälle entzogen.