Das Rettungsschiff Aquarius 2 will 58 Migranten und Migrantinnen ins südfranzösische Marseille bringen und dort um eine neue Flagge bitten. Die Betreiber des Schiffes, die Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen, riefen die französischen Behörden auf, die vor Libyen Geretteten dort von Bord gehen zu lassen. Das Schiff sei auf dem Weg nach Marseille, hieß es.

Panama, wo die Aquarius registriert ist, hatte angekündigt, das Schiff aus seinem Schifffahrtsregister zu löschen und ihr damit die Flagge zu entziehen. Frédéric Penard, Operationschef von SOS Méditerranée, begründete die Fahrt nach Marseille damit, dass es nötig sei, um die Flagge zu wechseln. Die Organisation hat dort ihren Sitz und legte zuletzt längere Zwischenstopps in Marseille ein. Penard berichtete zudem, dass Italien und Malta dem Schiff erneut verweigert hätten, die Migranten in einem ihrer Häfen an Land gehen zu lassen. 

Sophie Beau von SOS Méditerranée in Frankreich rief Panama dazu auf, den Entzug der Registrierung rückgängig zu machen. Andernfalls bitte die Organisation andere europäische Staaten, das Schiff in einem anderen Land zu registrieren, damit es unter einer europäischen Fahne fahren kann. Penard sagte, es gebe eine "absolute Notwendigkeit" für die privaten Rettungsaktionen. Seit Beginn des Jahres sind laut der Internationalen Organisation für Migration mehr als 1.700 Menschen bei dem Versuch, das zentrale Mittelmeer zu überqueren, ertrunken oder gelten als vermisst. 

In den vergangenen Monaten waren mehrere Rettungsboote, darunter auch die Aquarius, mit Migrantinnen an Bord tagelang auf dem Mittelmeer umhergeirrt, weil sie nirgendwo eine Erlaubnis zum Anlegen bekamen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini verweigert seit Antritt der neuen Regierung im Juni Rettungsbooten mit schiffbrüchigen Migranten das Anlegen in italienischen Häfen.