Auf Betreiben der italienischen Regierung entzieht Panama dem Rettungsschiff Aquarius seine Flagge. Grund sei eine Beschwerde der italienischen Behörden, wonach die Aquarius sich geweigert habe, aufgenommene Flüchtlinge in ihren Ausgangshafen zurückzubringen. Der Verlust der Flagge legt das Rettungsschiff de facto lahm.

Die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée zeigten sich "erschüttert" über das Vorgehen Panamas gegen das von ihnen betriebene Schiff. Der Flaggenentzug stelle "für die lebensrettende Seenothilfe einen schweren Rückschlag dar", teilten die Organisationen mit. Die Aquarius sei das einzige verbliebene nicht staatliche Such- und Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer.

Beide Organisationen forderten die europäischen Regierungen auf, der Aquarius eine Fortsetzung des Einsatzes zu ermöglichen. Panama handle "unter offenkundigem wirtschaftlichem und politischem Druck der italienischen Regierung", kritisierten sie.

Elf Menschen vor der libyschen Küste gerettet

Das Flüchtlingsrettungsschiff hatte am Donnerstag elf Menschen vor der libyschen Küste gerettet. Laut SOS Méditerranée wies die Schiffsbesatzung dabei eine Aufforderung der libyschen Behörden zurück, die Menschen nach Libyen zurückzubringen. Zur Begründung erklärte die Hilfsorganisation, in Libyen seien "Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung", das Land könne nicht als sicherer Ort eingestuft werden.

Laut SOS Méditerranée war das Schiff am Wochenende in Kontakt mit den Behörden mehrerer Länder, um die Zuweisung eines sicheren Hafens zu erbitten. Italien und Malta lehnten ein Einlaufen demnach bereits ab.

Die Aquarius war erst vor wenigen Tagen nach einer 19-tägigen Zwangspause von Marseille aus unter panamaischer Flagge wieder in See gestochen. Das Schiff trug dabei den Namen Aquarius 2. Zuvor hatte die britische Kronkolonie Gibraltar dem Schiff seine Flagge entzogen.

Das seit 2016 von SOS Méditerranée gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen betriebene Rettungsschiff war bei vergangenen Missionen auf massive Probleme gestoßen, einen Hafen zu finden. Im Juni irrte die Aquarius mit mehr als 600 Flüchtlingen tagelang auf dem Mittelmeer umher, nachdem die Regierung in Rom ihre Häfen gesperrt hatte und auch Malta eine Aufnahme verweigerte. Schließlich konnte das Schiff im spanischen Valencia anlegen.