Im Jemen hat die Hungersnot ein so großes Ausmaß erreicht, dass das Leben von vielen Millionen Menschen gefährdet ist. Das sagte der Koordinator für die UN-Nothilfe, Mark Lowcock, am Freitag. Das Land leide unter der schlimmsten humanitären Krise der Welt, sagte er. Im Jemen seien mehr als 21 Millionen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen – 75 Prozent der rund 29 Millionen Einwohner des Landes.

In den vergangenen Wochen habe sich die Lage vor Ort "in alarmierender Weise verschlimmert", sagte Lowcock. Die Situation sei düster. Und bald könne es für Hilfe zu spät sein: "Wir könnten uns nun einem Wendepunkt nähern, ab dem es unmöglich wird, massiven Verlust von Leben als Folge einer weit verbreiteten Hungersnot im ganzen Land zu verhindern."

Aktuell werde die Situation im Jemen durch zwei Ereignisse verschärft, sagte der UN-Koordinator: Zum einen sei der Wert der jemenitischen Währung um fast ein Drittel gesunken, die Wirtschaft sei gravierend geschwächt. Zum anderen würde verstärkt um die strategisch wichtige Hafenstadt Hudaida gekämpft.

Seit 2014 herrscht im Jemen Krieg. Damals nahmen die schiitischen Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa ein und setzten die Regierung ab. Seit 2015 bekämpft eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition die Rebellen. Unterstützt werden die Huthis vom Iran. Mehr als 10.000 Menschen sind durch den Krieg gestorben, mehr als zwei Millionen wurden vertrieben.

Die Bundesregierung schickt Waffen

Am Freitag war bekannt geworden, dass die Bundesregierung den Export von Waffen an Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien genehmigt hat. Insgesamt sollen vier Aufklärungsradarsysteme für Artilleriegeschütze, 48 Gefechtsköpfe, 91 Zielsuchköpfe für Flugabwehrsysteme auf Kriegsschiffen und 385 tragbare Panzerabwehrwaffen verkauft werden. Das ging aus einem Schreiben des Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier (CDU) an den Wirtschaftsausschuss des Bundestags hervor. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind in den Jemen-Krieg involviert.

Eigentlich hatte die große Koalition in ihrem Koalitionsvertrag einen Exportstopp für Rüstungsgüter für alle Ländern verhängt, die "unmittelbar" am Krieg im Jemen beteiligt sind. Dieser Vertrag habe auch jetzt Bestand, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert mitgeteilt. 

Die Grünen forderten die Regierung deshalb auf, die Exportgenehmigungen sofort wieder rückgängig zu machen. "Sie unterstützt mit diesen Waffenlieferungen indirekt die Eskalation des Jemen-Kriegs und verspielt damit ihre außenpolitische Glaubwürdigkeit", sagte der Bundesfraktionschef Anton Hofreiter. "Noch vor wenigen Monaten erklärte sie wohlfeil, keine Waffen mehr an die Kriegsparteien im Jemen liefern zu wollen. Kein halbes Jahr später wird diese richtige Entscheidung im Vorbeigehen eingesammelt."