Papst Franziskus will im kommenden Jahr mit den Spitzen der Bischofskonferenzen über Missbrauch in der katholischen Kirche beraten. Das Treffen solle vom 21. bis 24. Februar im Vatikan stattfinden, sagte die Vizesprecherin des Vatikans, Paloma García Ovejero. Die neun Mitglieder des Kardinalsrats, die den Papst in der Frage von internen Kirchenreformen beraten, hätten mit Franziskus intensive Gespräche über das Missbrauchsthema geführt.

Berichte über den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester setzen den Papst zunehmend unter Druck. Auch in Deutschland wurden am Mittwoch Zahlen zum Ausmaß von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche bekannt. Die ZEIT und der Spiegel veröffentlichten vorab Ergebnisse einer Untersuchung, die die Deutsche Bischofskonferenz offiziell erst am 25. September vorstellen wollte. Demnach war sexueller Missbrauch in der deutschen Kirche in der Vergangenheit weit verbreitet. Die Serie der Missbrauchsfälle reichte demnach sogar bis zum Ende des Untersuchungszeitraums.

Die Konferenz im kommenden Jahr wird wohl die erste ihrer Art sein. Zahlreiche ranghohe Kirchenvertreter erklärten in der Vergangenheit, Kindesmissbrauch durch Geistliche beschränke sich auf den angelsächsischen Raum und sei kein weltweites Problem. Die Kirchenführung signalisiert mit dem geplanten Treffen, dass sie das nicht so sieht.

Erst im August hatte Franziskus den Kindesmissbrauch durch Geistliche in Irland als "abscheuliches Verbrechen" bezeichnet. Das Fehlverhalten der Kirche bleibe "eine Quelle des Schmerzes und der Scham für die katholische Gemeinschaft", hatte Franziskus in Dublin gesagt. Die kirchlichen Autoritäten hätten im Umgang mit dem Skandal versagt. Zugleich hatte davor gewarnt, die "positive Rolle "der Kirche zu vergessen: "Die Kirche in Irland hat in der Vergangenheit und in der Gegenwart eine Rolle bei der Förderung des Wohlergehens von Kindern gespielt, die nicht verdunkelt werden darf."