Der Dresdner Justizbeamte Daniel Z., der nach dem tödlichen Messerangriff auf einen 35-Jährigen in Chemnitz einen Haftbefehl fotografiert und weitergegeben hat, hatte möglicherweise Mitwisser unter seinen Kolleginnen und Kollegen. Ein Sprecher des Justizministeriums in Dresden sagte, es habe eine Kommunikation mit weiteren Personen gegeben. Das Nachrichtenportal t-online.de hatte zuvor berichtet, es habe offenbar eine WhatsApp-Gruppe existiert. Dazu wollte der Ministeriumssprecher sich nicht konkret äußern.

Man gehe derzeit davon aus, dass "die Kommunikation von Z. ausging", teilte das Justizministerium ZEIT ONLINE mit. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittle, ob sich weitere Beamte strafbar gemacht haben, dafür seien Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Es müsse nun geprüft werden, ob sie das Dokument weiter verbreiteten. Zudem müsse geklärt werden, ob sie eine Meldepflicht hatten, als der Haftbefehl publik wurde und Ermittlungen eingeleitet wurden. Bis Donnerstagabend, also knapp zwei Tage, war nicht klar, wer das Dokument geleakt hatte.

Daniel Z. hatte vergangenen Donnerstag zugegeben, den Haftbefehl verbreitet zu haben. In einem Interview mit der Bild-Zeitung hatte er gesagt, er habe das Bild des Haftbefehls unter anderem auch an "Kollegen aus der Justiz" verschickt. Bilder davon kursierten anschließend im Internet, unter anderem auf Seiten eines AfD-Kreisverbandes und der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz. Das Dokument enthielt zwar einige geschwärzte Stellen, dennoch waren unter anderem vollständige Namen zu lesen.

Daniel Z. wurde vom Dienst suspendiert. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen gemäß Paragraf 353b StGB. Die Veröffentlichung oder Weitergabe eines Haftbefehls ist eine Straftat, die mit einer Geldstrafe oder einer Haft von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.

Der Haftbefehl aus Chemnitz bezog sich auf die Tat vom 26. August. An diesem Tag starb ein 35-jähriger Chemnitzer an den Folgen von Messerstichen. Gegen zwei Männer wurde in der Folge Haftbefehl erlassen. Die Ermittler gehen derzeit der Frage nach, ob die beiden tatsächlich aus dem Irak und Syrien stammten, wie anfangs angenommen. Auch wird seit dem gestrigen Dienstag nach einem weiteren dritten Verdächtigen gefahndet, einem Asylbewerber aus dem Irak.