Pakistans Oberster Gerichtshof hat das Todesurteil gegen eine wegen Gotteslästerung verurteilte Christin aufgehoben. Die Richter in Islamabad ordneten die sofortige Freilassung Asia Bibis an, wie ihr Anwalt Saiful Malook mitteilte und pakistanische Medien berichteten. Die Staatsanwaltschaft habe die Schuld der Angeklagten nicht zweifelsfrei beweisen können, heißt es in dem Berufungsurteil. Damit folgte das Gericht den Ausführungen der Anwälte von Asia Bibi über widersprüchliche Zeugenaussagen.

Asia Bibi war 2010 als erste Frau in Pakistan wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Sie soll den Propheten Mohammed beleidigt haben. Der Fall hatte international Aufsehen erregt. 2011 wurde der liberale Gouverneur von Pakistans größter Provinz Punjab erschossen, weil er Bibi verteidigt und die Blasphemiegesetze kritisiert hatte. 2014 bestätigte ein Gericht in Lahore das Todesurteil. Im Juli 2015 wurde die vorläufige Aussetzung der Vollstreckung angeordnet. Das erneute Berufungsverfahren wurde in den vergangenen Jahren immer wieder verzögert. Laut pakistanischen Medien hatten islamistische Hardliner die Richter bedroht.

Die Entscheidung des Gerichts, Bibi freizulassen, löste Proteste von Islamisten in mehreren Städten des Landes aus. Die Behörden hatten schon vor dem Urteil die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Gericht verstärkt, nachdem die radikalislamische Partei Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) eine sofortige Hinrichtung von Asia Bibi gefordert und die Richter des Obersten Gerichts vor einem "Nachgeben" vor dem Druck "antipakistanischer" Kräfte in westlichen Ländern gewarnt hatte. Die Partei kündigte an, nach einem Freispruch für Asia Bibi "das ganze Land lahmzulegen".

Blasphemie gilt im islamisch geprägten Pakistan als Kapitalverbrechen. In der Praxis werden unter Blasphemie verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed verstanden. Kritiker sagen, die Gesetze würden unter anderem missbraucht, um persönliche Feinde zu diskreditieren.