In Bulgarien ist eine Moderatorin des lokalen Fernsehsenders TVN vergewaltigt und getötet worden. Die Leiche der 30 Jahre alten Wiktorija Marinowa wurde laut einem Bericht des staatlichen Senders BNT in einem Park der an der Donau gelegenen Stadt Russe gefunden. Sie soll geschlagen, vergewaltigt und dann erwürgt worden sein. Bezirksstaatsanwalt Georgi Georgiew sagte laut dem Bericht, die Polizei prüfe sowohl berufliche als auch mögliche persönliche Gründe für den Mord. Die Polizei ermittle in alle Richtungen.

Laut Medienberichten sehen die Behörden bislang keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Verbrechen und Marinowas Arbeit. Innenminister Mladen Marinow bestätigte die Vergewaltigung. Regierungschef Bojko Borissow sagte, zur Aufklärung der Tat seien die besten Kriminalisten nach Russe geschickt worden.

Das Onlinenachrichtenportal Politico berichtet, in Marinowas letzter Sendung Detektor sei es um Recherchen mehrerer bulgarischer Journalisten zu staatlichen, mit EU-Mitteln geförderten Infrastrukturprojekten gegangen. 30 bis 40 Prozent der Fördergelder sollen demnach durch Korruption versickert sein.

Nach der Malteserin Daphne Caruana Galizia und dem Slowaken Ján Kuciak ist Marinowa bereits die dritte Journalistin, die in diesem Jahr in einem EU-Mitgliedsstaat ermordet wurde. Laut dem britischen Guardian war Marinowas Sendung erst vor Kurzem an den Start gegangen.

Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen wird durchschnittlich jede Woche ein Journalist auf der Welt ermordet. Bulgarien steht in deren weltweitem Ranking zur Pressefreiheit derzeit auf Platz 111 und hat damit die schlechteste Bewertung aller EU-Staaten. In dem südosteuropäischen Land ist auch Gewalt gegen Frauen weit verbreitet.