Unbekannte haben in der Nacht zum Donnerstag in einem türkischen Restaurant in Chemnitz Feuer gelegt. 17 Anwohnerinnen und Anwohner in dem Mehrfamilienhaus mussten vorübergehend ihre Wohnungen verlassen, wie die Polizei mitteilte. Verletzt wurde niemand. Nach Angaben der Polizei hat der Staatsschutz in dem Fall die Ermittlungen übernommen, da ein fremdenfeindliches Motiv nicht ausgeschlossen werden könne. Ermittlungen würden aber in alle Richtungen geführt.

Die Anwohner waren gegen 2.20 Uhr von einer Detonation aufgeschreckt worden. Wenig später drang Rauch aus dem Restaurant. Die Feuerwehr konnte den Brand schnell unter Kontrolle bringen und die Anwohner konnten noch am Donnerstagmorgen in ihre Wohnungen zurückkehren.

Die Ermittler gehen bislang davon aus, dass Unbekannte in das Restaurant eingedrungen sind und Feuer gelegt haben. Anwohner hatten kurz nach dem Brand drei dunkel gekleidete Menschen gesehen, die von dem Restaurant wegrannten. Brandermittler versuchten am Donnerstag am Tatort den Hergang zu rekonstruieren.

Der MDR berichtet, eine Frau habe die Rettungskräfte alarmiert. Sie habe einen "lauten Knall wahrgenommen", aus dem Fenster geschaut und gesehen, "dass drei Männer zu einem Auto gerannt sind. Es war ein kleines rotes Auto." Nach Angaben der Polizei soll es sich um Männer im Alter von etwa 25 Jahren handeln, alle seien dunkel gekleidet gewesen. Die Kriminalpolizei sucht weitere Zeugen.

Vermehrt Überfälle auf ausländische Restaurants in Chemnitz

In Chemnitz kam es in der jüngeren Vergangenheit mehrfach zu Überfällen auf ausländische Restaurants. Anfang Oktober war der Inhaber eines persischen Lokals von Unbekannten angegriffen und verletzt worden. Ende August hatten Vermummte im Zuge einer rechten Demonstration ein jüdisches Restaurant in der Stadt angegriffen und den Inhaber verletzt.

Innenminister Roland Wöller verurteilte den Brandanschlag als verabscheuungswürdige Tat. Er sei froh, dass keine Menschen zu Schaden gekommen seien, sagte der CDU-Politiker. Bei den jetzigen Ermittlungen solle geprüft werden, ob es Zusammenhänge in Bezug auf die Übergriffe und die Anschläge auf das jüdische sowie das persische Restaurant gebe.

Die Polizei kündigte zudem an, ihre Präsenz an gefährdeten Orten zu erhöhen. Auf unbestimmte Zeit sollen Polizeistreifen unter anderem die Umgebung an Asylunterkünften und ausländischen Lokalen intensiv beobachten. Die Präsenz werde deutlich sichtbar sein, sagte ein Polizeisprecher.

Ende August waren in Chemnitz nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen bei mehreren Demonstrationen auch rechte Gruppen auf die Straße gegangen. Dabei kam es teilweise zu Ausschreitungen.