Telefondaten gehören zur Privatsphäre eines jede Menschen. Behörden dürfen sie aber nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in bestimmten Fällen zur Strafermittlung nutzen. Auch bei weniger schweren Fällen wie Taschendiebstahl. Voraussetzung ist allerdings, dass dies nicht zu einer starken Beeinträchtigung des Privatlebens der Betroffenen führt.

Hintergrund zu dem Verfahren waren Ermittlungen in Spanien zum Raub einer Brieftasche und eines Handys. Dabei hatte die Kriminalpolizei beantragt, Zugang zu den Identifikationsdaten der Menschen zu bekommen, die in den zwölf Tagen nach dem Raub mit dem gestohlenen Handy angerufen worden waren. Ein spanischer  Ermittlungsrichter hatte den Antrag unter anderem mit der Begründung abgelehnt, es handele sich nach spanischem Recht nicht um eine schwere Straftat – bei der eine Haftstrafe von mehr als fünf Jahren drohen kann. 

Die Achtung des Privatlebens sowie der Schutz personenbezogener Daten dürfen innerhalb der EU nur in besonderen Fällen eingeschränkt werden. Ausnahmen sind beispielsweise möglich, wenn es der nationalen Sicherheit dient oder bei den Ermittlungen von Straftaten hilft. Um solch einen Eingriff zu rechtfertigen, verwendete der EuGH in vorherigen Urteilen den Begriff der "schweren Straftat". Dabei setzte er die Schwere der Straftat allerdings in Zusammenhang mit der Schwere des Eingriffs in die Privatsphäre. 

Nun urteilten die Richter: Wenn es sich nicht um einen schweren Eingriff handelt, könne der Zugang auch zur Verhütung, Ermittlung und Verfolgung von Straftaten im Allgemeinen gerechtfertigt sein. Im konkreten Fall sei es kein schwerer Eingriff, da die vorliegenden Daten keine genauen Schlüsse auf das Privatleben der Betroffenen zuließen.