Indonesien - Hunderte Tote nach Tsunami auf Sulawesi Bei dem Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi sind mindestens 844 Menschen getötet worden. Da viele Gebiete noch nicht zugänglich sind, werden weitere Tote befürchtet. © Foto: Dita Alangkara

Nach dem schweren Erdbeben und anschließenden Tsunami in Indonesien haben die Behörden die Kritik am Frühwarnsystem abgewiesen. Die Leiterin der zuständigen Agentur für Meteorologie, Klima und Geophysik, Dwirkorita Karnawati, rechtfertigte die Entscheidung, die ausgerufene Tsunami-Warnung am Freitagabend nach einer halben Stunde wieder aufzuheben. Zu diesem Moment habe es keine Flutwellen mehr gegeben, sagte sie der Zeitung Jakarta Post.

Der Behörde zufolge wurde die Küstenstadt Palu nach der Serie von Erdbeben innerhalb weniger Minuten von drei Flutwellen getroffen. "Der Strand von Palu wurde in der Dämmerung von drei Wellen erfasst. Das hat zweieinhalb Minuten gedauert", sagte sie der Zeitung. Demnach habe die dritte und höchste Welle Häuser und Kioske mit sich gerissen. Die Tsunami-Warnung sei dann erst einige Minuten später, um genau 18.37 Uhr Ortszeit aufgehoben worden. Aus Sicht des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam war das jedoch zu früh. "Das System sieht vor, dass die Warnung frühestens nach zwei Stunden aufgehoben werden darf", sagte GFZ-Sprecher Josef Zens dem Tagesspiegel.

Durch das Beben der Stärke 7,4 und den darauffolgenden Tsunami waren am vergangenen Freitag nach neuen Angaben mehr als 844 Menschen vor allem in der Stadt Palu auf der Insel Sulawesi ums Leben gekommen. Beobachter gehen indes von einer höheren Zahl von Toten und Verletzten aus, da die Rettungskräfte bislang in viele abgelegene Regionen noch nicht vorgedrungen sind.

Indonesische Regierung bittet um ausländische Hilfe

Inzwischen hat die indonesische Regierung um ausländische Hilfe gebeten. Präsident Joko "Jokowi" Widodo autorisierte die Unterstützung, wie der Chef der indonesischen Investitionsbehörde, Thomas Lembong, twitterte. Unklar war zunächst, um welche Hilfe es sich handelte. Bereits zahlreiche Staaten und Organisationen, unter ihnen auch die Europäische Union, hatten bereits Hilfsangebote gemacht.

Die Arbeiten auf Sulawesi werden nach Angaben von Helfern dadurch erschwert, dass es an technischem Gerät und Treibstoff fehlt. Das Militär flog Generatoren ein, weil der Strom nach den zwei schweren Erdbeben und der folgenden bis zu sechs Meter hohen Flutwelle an vielen Orten immer noch unterbrochen ist. In der besonders heftig getroffenen Stadt Palu wurden weitere Tote aus den Trümmern gezogen. Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde konnten aus einem Hotel und einem Restaurant aber auch zwei Überlebende geborgen werden. In der Nacht wurde die Suche dann unterbrochen. Die Behörde will gegen 13.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr MESZ) eine neue Zwischenbilanz vorlegen.

Anwohner bemängeln fehlende Unterstützung

Zahlreiche Anwohner beschwerten sich darüber, dass sie von den Behörden zu wenig Hilfe bekämen. "Hier hilft uns niemand, nicht einmal mit einem Glas Wasser", sagte ein Mann namens Mahmud. Ein anderer Mann, Amir Sidiq, sagte: "Hier ist überhaupt niemand von der Regierung oder einer anderen Organisation, um die Beisetzung der Leichen zu organisieren. Wir machen das alles selbst." Ein Militärsprecher verwies darauf, dass mit der Aushebung von Massengräbern begonnen worden sei. "Wir beerdigen die Toten, so schnell es geht", sagte Luftmarschall Hadi Tjahjanto.

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Für die mehr als 260 Millionen Einwohner sind Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche keine neue Erfahrung. Beim Mega-Tsunami an Weihnachten 2004 starben dort mehr als 160.000 Menschen, so viele wie in keinem anderen Land der Region. Insgesamt kamen damals in den östlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans etwa 230.000 Menschen ums Leben.