Tagebau Hambach - Demonstranten besetzen Gleise der Braunkohlebahn Es sei der richtige Weg, sich mit dem eigenen Körper für eine effektive Klimapolitik einzusetzen, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses Ende Gelände. © Foto: Wolfgang Rattay/Reuters

Umweltaktivisten haben im Tagebau Hambach die Fahrtstrecke der Braunkohlebahn besetzt. Das Aktionsbündnis Ende Gelände sprach von Tausenden, die im Rheinischen Revier auf den Gleisen säßen. Die Polizei sprach von 2.500 Menschen. Mit der "Hambachbahn" wird die Kohle aus dem Tagebau zu den Kraftwerken und Fabriken transportiert. 

Zuvor hatten Aktivistinnen und Aktivisten einen Braunkohlebagger in der Nähe der Ortschaft Morschenich besetzt. Ihnen drohe Strafverfolgung mindestens wegen Hausfriedensbruchs, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen der Nachrichtenagentur AFP.

"Selbstverständlich respektieren wir das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht darf nicht dazu missbraucht werden, um unter dem Deckmantel des Klimaschutzes Straftaten zu verüben", sagte RWE-Vorstand Lars Kulik. 

Polizei setzt Wasserwerfer ein

Mehrfach kam es bei den Protesten zu kritischen Situationen – etwa auf der A4 bei Kerpen: Dort liefen junge Leute über die Autobahn Richtung Tagebau Hambach. Die Polizei sperrte die Autobahn über Stunden und setzte Wasserwerfer ein. Aus dem gleichen Grund wurde der Zugverkehr zwischen Düren und Aachen vorübergehend eingestellt.

Etwa 250 Menschen versuchten laut Polizei zudem, in den Tagebau Inden einzudringen. Den Einsatzkräften sei es aber gelungen, dies zu verhindern. Die Aktivisten würden in Gewahrsam genommen, teilte die Polizei Aachen auf Twitter mit. Nach Angaben eines Sprechers setzte die Polizei Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

Gefährlich war die Situation nach Einschätzung von Polizei und RWE auch am Tagebaurand Hambach. Die Polizei warnte Menschen, die dort standen, die Tagebaukante zu verlassen. "Es besteht akute Lebensgefahr", twitterte die Polizei.

Die "größte Massenaktion der Klimagerechtigkeitsbewegung"

Nach Angaben des Aktionsbündnisses zogen etwa 6.500 Braunkohlegegner von einem Anti-Kohle-Protestcamp in Düren-Stepprath aus los. Dies sei die bisher größte "Massenaktion zivilen Ungehorsams der Klimagerechtigkeitsbewegung". Ein Camp in Kerpen-Manheim hatte die Polizei in der Nacht zum Donnerstag geräumt.

Zeitgleich begann in Kerpen-Buir am Hambacher Forst eine Solidaritätsdemo unter dem Titel "Ende Gelände für die Kohle", zu der Verbände wie Robin Wood, Naturfreunde Deutschland und das Kampagnennetzwerk Campact aufgerufen hatten. 19 Umweltverbände und entwicklungspolitische Organisationen unterzeichneten eine Solidaritätserklärung mit Ende Gelände, in der es unter anderem heißt: "Ziviler Ungehorsam gegen existenzielle Gefahren und Missstände hat eine lange und bedeutende demokratische Tradition."

Der parlamentarische Beobachter der Linken im Bundestag, Lorenz Gösta Beutin, sagte, die friedlichen Proteste seien ein starkes Zeichen für Klimaschutz und Kohleausstieg.

Bündnis plant weitere Blockaden

Bereits am Freitag hatte das Aachener Verwaltungsgericht einen Eilantrag gegen die eingerichteten Polizeikontrollen am Bahnhof im rheinischen Düren zurückgewiesen. Stunden zuvor waren dort mehr als Tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Protestcamps mit einem Sonderzug angekommen.

Bei dem Konflikt geht es auch um Arbeitsplätze in der Industrie. An einer Mahnwache demonstrierten RWE-Mitarbeiter für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. "Wir bieten den Leuten einen Kaffee oder ein Würstchen an und diskutieren mit ihnen", sagte RWE-Betriebsrat Franz-Peter Linxen. Die Beschäftigten befürchten, dass sie bei einem zu schnellen Kohleausstieg ihre Arbeitsplätze verlieren.

Nach Vorstellung der Kohlekommission soll der Ausstieg ohne Entlassungen vollzogen werden. Ronald Pofalla, einer der Vorsitzenden der Kommission, sagte dem WDR-Magazin "Westpol": Die Kommission habe entschieden, dass es wegen des Kohle-Aus keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll.

Bis Montag hat Ende Gelände weitere Protest- und Blockadeaktionen im rheinischen Tagebaugebiet geplant. Die Aktivisten fordern einen "sofortigen Kohleausstieg" und wollen ein "Zeichen für Klimagerechtigkeit" setzen. RWE und die Regierung klammerten sich an eine zerstörerische Technologie von gestern, sagte eine Bündnissprecherin.