Bei den Missbrauchsermittlungen gegen den früheren Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein hat die Staatsanwaltschaft ein weiteres Fehlverhalten eines Ermittlers zugegeben: Der Polizist soll einer Klägerin empfohlen haben, Privates von ihrem Handy zu löschen. Das schrieb Staatsanwältin Joan Illuzzi-Orbon in einem Brief an Weinsteins Anwalt. Die Frau habe Weinstein vorgeworfen, sie 2013 vergewaltigt zu haben. Daraufhin habe die Staatsanwaltschaft sie aufgefordert, alle Handys auszuhändigen, die sie zum Zeitpunkt der vorgeworfenen Tat benutzt hatte.

Die Frau habe Bedenken gegen die Forderung der Ermittler gehabt, heißt es in dem Brief der Staatsanwältin. Der Polizist habe ihr daraufhin geraten, alles zu löschen, was sie für privat halte. Auf Anraten eines Anwalts habe die Klägerin das dann aber doch nicht getan und die Telefone schließlich mit den vollständigen Daten ausgehändigt.    

Es ist nicht das erste Fehlverhalten des Polizisten bei den Ermittlungen gegen Weinstein: Vergangene Woche war bekannt geworden, dass der Ermittler eine andere Zeugin gedrängt hatte, ihre Zweifel an den Aussagen einer anderen Frau für sich zu behalten. Diese Frau hatte Weinstein vorgeworfen, sie zum Oralsex gezwungen zu haben. Wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Klägerin wurde dieser Teil der Anklage daraufhin fallen gelassen.

Weinsteins Anwalt Benjamin Brafman sagte, die nun bekannt gewordenen Fehler bei den Ermittlungen stellten die Glaubwürdigkeit der Anklage gegen seinen Mandanten weiter infrage. 

Der ehemalige Filmproduzent ist weiterhin wegen fünf Fällen mutmaßlicher sexueller Gewalt gegen Frauen in den Jahren 2004, 2006 und 2013 angeklagt. Der 66-Jährige ist derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß. Die nächste Anhörung ist für den 20. Dezember angesetzt. Einen Termin für einen möglichen Prozessbeginn gibt es noch nicht. Weinstein hat auf nicht schuldig plädiert. Bei einer Verurteilung droht ihm im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe.

Die ersten Vorwürfe sexueller Übergriffe und Gewalt gegen Weinstein waren vor einem Jahr laut geworden. Seither warfen ihm mehr als 100 Frauen derartige Taten vor, darunter Schauspielerinnen wie Salma Hayek, Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow. Das Hashtag #MeToo wurde in diesem Zusammenhang zum Sammelruf für den Kampf gegen sexuelle Gewalt.