Der wegen Vergewaltigung angeklagte Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein hat in seinem bevorstehenden Strafprozess einen Teilerfolg errungen. Die Staatsanwaltschaft ließ einen der sechs Anklagepunkte gegen den 66-Jährigen fallen. Dabei geht es um Vorwürfe der früheren Schauspielerin Lucia Evans. Die Klage auf Grundlage der Vorwürfe von zwei weiteren Frauen hat aber weiterhin Bestand. "Kurz gesagt fahren wir mit voller Kraft voraus", sagte Staatsanwältin Joan Illuzzi während der Gerichtsanhörung.

Evans hatte Weinstein in einem Beitrag des New Yorkers vor einem Jahr beschuldigt, sie 2004 bei einem Arbeitstreffen in seinem Büro zum Oralsex gezwungen zu haben. Nun tauchte eine schriftliche Stellungnahme von Evans auf, die darauf hindeutet, dass der Sex der beiden einvernehmlich stattfand. Der New York Post zufolge hatte Evans' früherer Arbeitgeber das Dokument auf einem Firmencomputer gefunden und an die Staatsanwaltschaft gegeben.

Die Klage steht damit auf einer wackligeren Basis als zuvor. Der Schritt sage aber nichts über Weinsteins Schuld oder Unschuld aus, teilte Evans' Anwältin Carrie Goldberg mit. Der Staatsanwaltschaft warf sie vor, den Fall schlecht zu handhaben.

Gegen Kaution frei

Weinsteins Anwalt Ben Brafman forderte die Niederschlagung der gesamten Anklage. "Wenn einer der Hauptvorwürfe in dieser Anklage auf einer Falschaussage basiert, ist das eine sehr große und wichtige Entwicklung", sagte Brafman zu Journalisten. Der Fall sei nicht mehr aufrechtzuerhalten. Er werde im November entsprechende Anträge einbringen.

Weinstein erschien im Gericht erneut im dunklen Anzug. Der 66-Jährige ist derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß. Die nächste Anhörung ist für den 20. Dezember angesetzt. Einen Termin für einen möglichen Prozessbeginn gibt es noch nicht. Weinstein hat auf nicht schuldig plädiert. Bei einer Verurteilung droht ihm im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe.