Der Stasi-Forscher Helmut Müller-Enbergs hat die zweimalige Weitsprungolympiasiegerin Heike Drechsler von Stasi-Vorwürfen entlastet. "Frau Heike Drechsler war zu keinem Zeitpunkt (...) als IM "Jump' beim MfS erfasst gewesen", sagte Müller-Enbergs laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks. Nach den Maßstäben des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) beziehungsweise des Stasi-Unterlagen-Gesetzes sei Drechsler nicht als Inoffizielle Mitarbeiterin zu bewerten. Dies geht auch aus weiteren Recherchen des BR hervor.

Müller-Enbergs hat im Auftrag der früheren Leichtathletin ein 31-seitiges Gutachten zum Fall Drechsler verfasst, das auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Er arbeitete nach der Wende als stellvertretender Fachbereichsleiter in der Forschungs- und Medien-Abteilung der Stasi-Unterlagen-Behörde.

Nicht alles, was man ihr vorgeworfen habe, sei falsch, sagte Müller-Enbergs: "Sie hatte Kontakte zur Stasi, ob wissentlich oder nicht, und sie war – zumindest vorübergehend – Begünstigte der Stasi." Vom Ministeriums für Staatssicherheit sei sie immer nur als sogenannter Vorlauf-IM geführt worden, also als jemand, mit dem die Stasi eine Zusammenarbeit anbahnen wollte.

"Das Ergebnis bedeutet, dass ich recht hatte, dass ich nie IM gewesen bin. Dafür gibt es jetzt eine wissenschaftliche Grundlage", sagte Drechsler der Deutschen Presse-Agentur, nachdem sie die Aufarbeitung ihrer DDR-Vergangenheit in den vergangenen zwei Jahren selbst vorangetrieben hat. "Ich will einfach, dass das rauskommt aus meinem Lebenslauf." Öffentliche Anschuldigungen, sie habe der Stasi zugearbeitet und Kolleginnen und Kollegen bespitzelt, hat es immer wieder gegeben. Drechsler war einst ein Vorbild des DDR-Sports, Mitglied in der SED und Abgeordnete der Volkskammer.