Nach den Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche hat das US-Justizministerium Ermittlungen aufgenommen. Das Erzbistum Philadelphia teilte mit, von einem Geschworenengremium eine Vorladung erhalten zu haben und Dokumente vorlegen zu müssen. "Das Erzbistum wird in dieser Angelegenheit mit dem US-Justizministerium zusammenarbeiten", teilte die Kirche mit. Es sind die ersten Ermittlungen der Justiz zu Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche in den USA auf Bundesebene.

Insgesamt hätten sieben der acht im Bundesstaat Philadelphia gelegenen Diözesen eine offizielle Vorladung erhalten, berichtet die New York Times. Neben Philadelphia seien dies Allentown, Erie, Greensburg, Harrisburg, Pittsburgh und Scranton.

"Wir sind nicht überrascht angesichts des fürchterlichen Fehlverhaltens, das in dem Bericht des Geschworenengerichts festgehalten ist", sagte der Sprecher der Diözese Greensburg, Jerry Zufelt. Die Betroffenen, Gemeindemitglieder und die Öffentlichkeit wollten Beweise sehen, dass jede Diözese wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen habe, um Kinder zu schützen.

Der US-Fernsehsender CBS berichtete, dass Bundesermittler auch Vertreter der Diözese Buffalo im Bundesstaat New York vorgeladen hätten. Dabei gehe es um den "Verdacht des Handels mit Minderjährigen zu sexuellen Zwecken" von Bundesstaat zu Bundesstaat.

Es ist ungewöhnlich, dass die Strafverfolgungsbehörden der US-Bundesregierung gegen religiöse Institutionen ermitteln. Nach Bekanntwerden des neuen Missbrauchsskandals hatten sich die Behörden zunächst aus den Ermittlungen herausgehalten.

Im August hatte ein Geschworenengremium in Pennsylvania einen erschütternden Bericht über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche vorgelegt. Demnach vergingen sich mehr als 300 katholische Priester in dem Bundesstaat über Jahrzehnte an über tausend Kindern. Der Bericht dürfte die umfassendste Dokumentation zu Missbrauch in der katholischen Kirche der USA sein, seit die Zeitung Boston Globe 2002 einen massiven Skandal über Kindesmissbrauch aufgedeckt hatte.

Papst Franziskus akzeptiert Rücktrittsgesuch

Vergangene Woche hatte Papst Franziskus in diesem Kontext das Rücktrittsgesuch des Erzbischofs von Washington, Donald Wuerl, angenommen. Der 77-Jährige war von 1988 bis 2006 der Bischof von Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Ihm wird vorgeworfen, den Missbrauchsskandal unter Verschluss gehalten zu haben.

Außerdem schloss der Papst zwei chilenische Bischöfe aus dem Klerikerstand aus. Der Grund seien "offenkundige Akte des Missbrauchs von Kindern", teilte der Vatikan mit. Auch in Chile versetzen Missbrauchsvorwürfe die katholische Kirche seit Monaten in Aufruhr. Insgesamt wird dort gegen 167 Verdächtige ermittelt, darunter 96 Priester.