Der Geiselnehmer vom Kölner Hauptbahnhof hätte möglicherweise zu einem frühen Zeitpunkt seines Aufenthalts in Deutschland abgeschoben werden können. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) bestätigte, dass ein Übernahme-Ersuchen innerhalb einer Frist von drei Monaten an Tschechien hätte gerichtet werden können, da der Mann über dieses Land nach Deutschland eingereist war. Laut des Dublin-Abkommens muss ein Asylantrag in dem EU-Land gestellt und bearbeitet werden, in dem ein Geflüchteter erstmals EU-Boden betreten hat.

Das Übernahme-Ersuchen blieb in diesem Fall jedoch aus. "Die Gründe, warum die Frist zum Stellen eines Übernahmeersuchens in diesem Einzelfall nicht eingehalten werden konnte, lassen sich nach mehr als dreieinhalb Jahren nicht mehr nachvollziehen", teilte ein Bamf-Sprecher über die verpasste Möglichkeit einer Abschiebung mit, über die der Kölner Stadt-Anzeiger zuerst berichtet hatte.

"Überstellung hätte auch misslingen können"

Wie der Sprecher weiter ausführte, reiste Mohammed A. R. aufgrund eines durch die tschechische Botschaft in Beirut ausgestellten Schengen-Visums in den Schengen-Raum ein – ohne dass er dort "nach vorliegenden Erkenntnissen" als Asylbewerber registriert worden sei. Der Sprecher betonte: "Dass eine Überstellung nach Tschechien, bei fristgerechtem Übernahme-Ersuchen, erfolgt wäre, davon kann nicht ohne weiteres ausgegangen werden." In der Praxis hätten auch fristgerechte Ersuchen auf der Grundlage des Dublin-Abkommens nicht immer Erfolg. 

Am vergangenen Montag hatte Mohammed A. R. Benzin in einem Schnellrestaurant im Kölner Hauptbahnhof in Brand gesetzt und dadurch eine 14 Jahre alte Kundin schwer verletzt. Anschließend nahm er eine Apothekenangestellte als Geisel, übergoss sie mit Benzin und wollte sie anzünden. Spezialkräfte der Polizei schossen ihn nieder.

Die Polizei geht davon aus, dass der 55-Jährige eigentlich einen noch größeren Anschlag mit Gaskartuschen ausführen wollte. Die Bundesanwaltschaft prüft, ob es sich bei der Tat um einen islamistischen Terroranschlag handelt.

Köln - Ermittler prüfen terroristischen Hintergrund der Geiselnahme Die Polizei hat in der Wohnung des Verdächtigen weitere Brandmittel gefunden, jedoch kein Bekenntnis zum »Islamischen Staat«. Die Bundesanwaltschaft erwägt, die Ermittlungen zu übernehmen. © Foto: Rolf Vennenbernd/dpa