Die Bundesanwaltschaft hat nach dem Brandanschlag und der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof die Ermittlungen übernommen. Das teilte ein Sprecher der obersten deutschen Anklagebehörde mit. Gegen den mutmaßlichen Täter sei zuvor ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes in zwei Fällen und Geiselnahme erlassen worden.

Die Bundesanwaltschaft übernimmt nur Ermittlungen, wenn die innere Sicherheit betroffen ist, etwa bei politisch motivierten Verbrechen oder bei terroristischen Taten. Dass die Behörde sich mit dem Fall der Geiselnahme befasst, zeigt also, dass es einen starken Verdacht gibt auf einen terroristischen Hintergrund der Tat.

Das Motiv des mutmaßlichen Täters sei aber weiterhin unklar, sagte der Chef der Kölner Kriminalpolizei, Klaus-Stephan Becker. Mit dem Brandanschlag habe er aber offenbar möglichst viele Menschen treffen wollen. Es sei großes Glück, dass nicht viel mehr Menschen verletzt worden seien. Laut Becker prüfen die Ermittler weiter einen terroristischen Hintergrund.

Mutmaßlicher Täter liegt noch im Koma

Der mutmaßliche Täter hatte am Montagmittag im Kölner Hauptbahnhof einen Molotowcocktail in einem Schnellrestaurant gezündet und sich dann in der benachbarten Apotheke mit einer Angestellten verschanzt. Bei der Tat wurden eine Jugendliche und zwei Frauen verletzt. Eine Spezialeinheit überwältigte den Mann. Dabei wurde er schwer verletzt. Laut Polizei befinde er sich nicht mehr in Lebensgefahr, liege aber weiterhin im Koma.

Der mutmaßliche Täter ist nach Polizeiangaben ein 55 Jahre alter anerkannter Flüchtling aus Syrien, der 2015 nach Deutschland kam. Er lebte in einer Flüchtlingsunterkunft im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld. Der Mann war der Polizei bekannt. Er fiel 13-mal auf, unter anderem wegen Ladendiebstahls und Betrugs, nicht aber als Islamist.

Bislang hat die Polizei keine Hinweise auf mögliche Komplizen des Geiselnehmers. Es werde aber nach eventuellen Mittätern gesucht, sagte Becker. Noch gebe es aber keine entsprechenden Erkenntnisse. Der verdächtige Syrer war nach Polizeiangaben psychisch nicht in der Lage gewesen, einer Arbeit nachzugehen.