Köln - Ermittler prüfen terroristischen Hintergrund der Geiselnahme Die Polizei hat in der Wohnung des Verdächtigen weitere Brandmittel gefunden, jedoch kein Bekenntnis zum »Islamischen Staat«. Die Bundesanwaltschaft erwägt, die Ermittlungen zu übernehmen. © Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der mutmaßliche Geiselnehmer von Köln ist identifiziert. Bei dem Verdächtigen handele es sich zweifelsfrei um den Mann, dessen Papiere die Polizei am Tatort gefunden hatte, sagte der leitende Ermittler. Der Mann sei ein 55 Jahre alter Syrer mit offiziellem Flüchtlingsstatus. Er sei polizeibekannt und in Deutschland wegen 13 mittelschwerer Straftaten in Erscheinung getreten, darunter Diebstahl, Hausfriedensbruch, Betrug und Bedrohung.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen habe die Polizei bislang keine Bekenntnisse zum IS gefunden. Schriftzeichen an den Wänden hätten zwar einen "intensiven muslimischen Bezug", seien aber keine konkret islamistischen Bekenntnisse zum "Islamischen Staat", sagte der Ermittler. Es würden aber auch noch Datenträger ausgewertet. Außerdem sei in der Wohnung weiteres Benzin gefunden worden.

Der mutmaßliche Täter hätte mit seinen mitgeführten Gaskartuschen im Bahnhof einen erheblichen Schaden anrichten können, sagte Becker weiter. Das gelte umso mehr, da die Kartuschen mit Stahlkugeln präpariert gewesen seien. Um jedoch die Kartuschen zur Explosion zu bringen, hätte es großer Hitze bedurft. Ob das mitgeführte Benzin dafür ausgereicht hätte, darüber könne bislang nur spekuliert werden, sagte Becker.

Bundesanwaltschaft könnte Ermittlungen übernehmen

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe könnte noch an diesem Dienstag die Ermittlungen zu der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof übernehmen. Nach jetzigem Stand gehe die Behörde davon aus, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft während der gemeinsamen Pressekonferenz mit der Polizei in Köln. Der Fall werde aber noch geprüft.

Der Täter hatte am Montagmittag im Kölner Hauptbahnhof einen Molotowcocktail in einem Schnellrestaurant gezündet und sich dann in der benachbarten Apotheke mit einer Angestellten verschanzt. Bei der Tat wurden eine Jugendliche und zwei Frauen verletzt. Eine Spezialeinheit überwältigte den Mann. Dabei wurde er schwer verletzt. Er befindet sich laut Polizei nicht mehr in Lebensgefahr.

Bislang hat die Polizei keine Hinweise auf mögliche Komplizen des Geiselnehmers. Es werde intensiv nach eventuellen Mittätern gesucht. Bislang gebe es aber keine entsprechenden Erkenntnisse, sagte Becker. Der verdächtige Syrer war nach Polizeiangaben arbeitslos. Er habe in einer Kölner Flüchtlingsunterkunft gelebt und sei psychisch nicht in der Lage gewesen, einer Arbeit nachzugehen.