Drei Jahre nach den tödlichen Schüssen auf einen schwarzen Jugendlichen hat ein US-Gericht den dafür verantwortlichen Polizisten aus Chicago schuldig gesprochen. Das Geschworenengericht verurteilte den Angeklagten Jason Van Dyke wegen Totschlags. Der 40-Jährige war wegen Mordes angeklagt und hatte auf nicht schuldig plädiert. Vor Gericht sagte Van Dyke, er habe befürchtet, dass sein Opfer ihn angreifen würde, und dass der Beamte so gehandelt habe, wie er es für einen solchen Fall gelernt hatte. Für Totschlag sind in den USA kürzere Haftstrafen als für Mord vorgesehen, die konkrete Dauer blieb zunächst unbekannt.

Nach Informationen der New York Times ist es das erste Mal seit 50 Jahren, dass ein Chicagoer Polizist für ein Tötungsdelikt im Amt verurteilt wird.

Im Oktober 2014, das zeigen Videoaufnahmen, hatte der weiße Polizist Van Dyke binnen 13 Sekunden 16 Kugeln auf den schwarzen Laquan McDonald abgefeuert, neun davon in dessen Rücken. Er schoss sogar weiter, als der Junge bereits am Boden lag. Das Video führte zu Massendemonstrationen und Untersuchungen innerhalb der Polizei Chicagos. Der im Januar 2017 vorgestellte Bericht zeigt, dass dort zwischen 2008 und 2015 mehr als 400 Menschen von der Polizei getötet wurden. 74 Prozent von ihnen waren Afroamerikaner, obwohl sie nur ein Drittel der Einwohner Chicagos ausmachen. Der Fall wurde zum Symbol im Kampf gegen rassistische Polizeigewalt in den USA. Vor dem Gerichtssaal hatten sich Aktivistinnen und Aktivisten positioniert. Sie jubelten und riefen "Justice for Laquan!", Gerechtigkeit für Laquan.