Der ukrainische Filmemacher Oleh Senzow ist für den Sacharow-Preis nominiert worden. Der in Russland inhaftierte Regisseur sei in der engeren Auswahl für die diesjährige Verleihung des Menschenrechtspreises, teilte das EU-Parlament mit.

Senzow war 2015 in einem international umstrittenen Prozess zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die russischen Behörden warfen ihm unter anderem vor, Brandanschläge auf das Büro einer prorussischen Partei organisiert zu haben. Senzow wies die Vorwürfe zurück, dennoch wurde er verurteilt. Er hatte die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland angeprangert und fordert die Freilassung zahlreicher ukrainischer Gefangener aus russischen Straflagern. Dafür trat er in einen fast fünf Monate andauernden Hungerstreik, den er nach Angaben der russischen Strafvollzugsbehörde in der vergangenen Woche beendete. Nominiert wurde er von der EVP-Fraktion, den Christdemokraten im EU-Parlament.

Zu den Nominierten zählen laut EU-Parlament außerdem Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten. SOS Méditerranée, Ärzte ohne Grenzen, Sea-Watch und Mission Lifeline seien demnach in der engeren Auswahl für den Menschenrechtspreis. Die Arbeit der Hilfsorganisationen war zuletzt stark erschwert durch die Weigerung von Mittelmeeranrainerstaaten, ihre Rettungsschiffe anlegen zu lassen. Sie mussten immer wieder auf dem Meer ausharren, bevor sie an einem Hafen in der EU anlegen durften. Für die Nominierung der Seenotretter und -retterinnen hatten sich die Sozialdemokraten und die Grünen ausgesprochen. Seenotrettung sei kein Verbrechen, begründeten sie ihren Vorschlag.

Auch der marokkanische Regierungskritiker Nasser Zefzafi könnte den Preis bekommen. Zefzafi ist Anführer einer Protestbewegung in Marokko, die gegen Korruption, Unterdrückung und Machtmissbrauch kämpft. Er wurde 2017 festgenommen und im Juni zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Der Sacharow-Preis wird seit 1988 jährlich vom EU-Parlament verliehen. Er ehrt besonderes Engagement für Menschenrechte und Grundfreiheiten. Die Kandidatinnen und Kandidaten können von den EU-Abgeordneten vorgeschlagen werden, die Chefs der Fraktionen einigen sich schließlich auf den Sieger. Der diesjährige Preisträger soll am 25. Oktober bekannt gegeben werden. Der Preis ist nach dem russischen Friedensnobelpreisträger Andrei Sacharow benannt und mit 50.000 Euro dotiert. Im vergangenen Jahr wurde die venezolanische Opposition ausgezeichnet.