In einer Textilfabrik in Myanmar sind bei gewaltsamen Auseinandersetzungen viele Arbeiterinnen verletzt worden. Nach Angaben von Betroffenen wurden sie von Auftragsschlägern angegriffen. Etwa 30 Frauen hatten nach einem Streik für ihre Wiedereinstellung demonstriert. Auch der deutsche Discounter Lidl lässt in der Fabrik in der ehemaligen Hauptstadt Rangun produzieren.

Die Arbeiterinnen waren vor knapp zwei Monaten in den Streik getreten, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Die meisten ihrer Forderungen wurden erfüllt, die Leitung der Fabrik, die dem chinesischen Unternehmen Fu Yuen gehört, weigerte sich aber, diejenigen Frauen wieder einzustellen, die zum Streik aufgerufen hatten. Die Betroffenen campierten deshalb vor der Fabrik und verlangten, wieder eingestellt zu werden.

Eine der Frauen, Than Than Soe, sagte der Nachrichtenagentur AFP, etwa 40 "Auftragsgangster" hätten die Gruppe angegriffen. Dabei seien 27 Frauen verletzt worden, sechs davon ernsthaft. Als Bewohner der Umgebung Steine und Stöcke auf die Fabrik warfen, schritt die Polizei ein.

Lidl fordert Stellungnahme

In der Fabrik arbeiten nach Angaben der Polizei rund 1.200 Frauen und 100 Männer. Seit zwei Jahren haben sich die Beschäftigten organisiert. Sie protestierten gegen die hohen Temperaturen am Arbeitsplatz, zu kurze Toilettenpausen und Misshandlungen durch Vorgesetzte.

Lidl teilte mit, gemeinsam mit einem Geschäftspartner die Fabrikleitung zu einer Stellungnahme aufgefordert zu haben. Auf deren Basis werde eine interne Bewertung vorgenommen – und gegebenenfalls "Maßnahmen eingeleitet".

Die Textilindustrie in Myanmar ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen und erwirtschafte 2017 einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Dollar. Die meisten der rund 400.000 Beschäftigten in der Branche sind Frauen.