Ungarns Oberster Gerichtshof (OGH) hat eine Kamerafrau freigesprochen, die im September 2015 im Grenzort Röszke bei Szeged nach davonlaufenden Flüchtlingen getreten hatte. Mit der Entscheidung hob das Gericht ein Urteil von 2016 auf, in dem Petra L. noch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Das berichtet das ungarische Magazin Magyar Hang.

L. hatte damals für den zur rechtsradikalen Jobbik-Partei gehörenden Internetfernsehsender N1TV gearbeitet. Den Vorfall hatten andere Journalisten gefilmt. Auf dem Videomaterial sieht man unter anderem, wie sie einem Flüchtling mit Kind im Arm ein Bein stellte, woraufhin dieser samt Kind zu Boden stürzte. Außerdem war zu sehen, wie sie einem kleinen Mädchen gegen das Schienbein trat.

N1TV kündigte ihr daraufhin. Später entschuldigte sich die heute 42-Jährige. In einem offenen Brief schrieb sie: "Ich bin keine herzlose, rassistische, Kinder tretende Kamerafrau." Sie habe damals in Panik gehandelt. "Die Kamera lief, Hunderte Migranten durchbrachen die Polizeisperre, einer von ihnen rannte auf mich zu, ich hatte Angst", schrieb sie. Vor Gericht wiederholte sie 2016 die Erklärung. Der Richter hielt sie aber für unglaubwürdig.

Den Freispruch im Revisionsverfahren begründeten die OGH-Richter damit, dass das Vergehen zwar "moralisch falsch und illegal" gewesen sei. Es erfülle aber nicht den Straftatbestand des Landfriedensbruches. Zu diesem hätte gehört, dass die Tat die öffentliche Ruhe und Ordnung störe, was nicht der Fall gewesen sei. Bei der Tat der Kamerafrau habe es sich vielmehr um ein Ordnungsvergehen gehandelt. Dieses sei inzwischen verjährt.

Nach dem Vorfall arbeitete L. für Medien, die der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán nahestehen. Der Vater, den sie getreten hatte, lebt inzwischen bei Madrid. Er war aus Syrien geflohen, wo er als Fußballtrainer gearbeitet hatte. Eine spanische Fußballtrainerschule hatte die Filmaufnahmen aus Ungarn gesehen und dem Mann eine Wohnung und Arbeit als Kontaktperson für arabischsprachige Menschen in Spanien angeboten.