Trotz jahrelanger Bemühungen, sogenannte Reichsbürger zu entwaffnen, besitzen immer noch 605 von ihnen waffenrechtliche Erlaubnisse, mit denen sie legal Pistolen und Gewehre kaufen können. Das zeigen Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des NDR. Daneben seien noch Hunderte scharfer Waffen im Umlauf. Nach Informationen von ZEIT ONLINE waren im Mai noch 1.200 Reichsbürger im legalen Besitz einer Waffe.

Nach dem bundesweit geltenden Waffengesetz erhalten nur diejenigen Personen in Deutschland eine Waffenerlaubnis, die keine Bestrebungen verfolgen, gegen die verfassungsmäßige Ordnung vorzugehen. Reichsbürger erkennen die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland nicht an und behaupten, das Deutsche Reich würde andauern. Der Verfassungsschutz stuft Teile der Szene als rechtsextrem ein und laut dem Vizepräsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, haben sie auch deutlich häufiger einen Waffenschein als die Durchschnittsbevölkerung. Insgesamt zählt der Verfassungsschutz bundesweit mehr als 18.000 Reichsbürgerinnen und Reichsbürger.

Dennoch wurden sie lange Zeit in ihrer Militanz unterschätzt. Erst nach einem tödlichen Attentat in der bayerischen Gemeinde Georgensgmünd im Jahr 2016 kündigten die Innenminister der Länder an, gegen Reichsbürger vorzugehen und sie zu entwaffnen. Die Fortschritte aber sind offenbar gering. In den meisten Ländern ist die Entwaffnung erst etwa zur Hälfte geglückt. Die Kommunen klagen über fehlendes Personal und langwierige Widerrufsprozesse.