Die italienische Polizei hat Domenico Lucano, Bürgermeister des kalabrischen Dorfs Riace, festgenommen. Lucano werde die Begünstigung illegaler Einwanderung vorgeworfen, teilte die Finanzpolizei mit. Er sei unter Hausarrest gestellt worden.

Das Engagement des Bürgermeisters zur Integration von Flüchtlingen hatte internationale Beachtung gefunden: In seiner Gemeinde mit weniger als 2.000 Einwohnern hatte Lucano Hunderte Migrantinnen und Migranten untergebracht. 2016 nahm die Zeitschrift Fortune ihn in die Liste der 50 einflussreichsten Persönlichkeiten auf. Im vergangenen Jahr wurde Lucano mit dem Internationalen Friedenspreis der Stadt Dresden geehrt.

Ermittler werfen Lucano vor, gemeinsam mit seiner Partnerin Scheinehen zwischen Migranten und Dorfbewohnern organisiert zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden dem 60-jährigen Bürgermeister außerdem finanzielle Unregelmäßigkeiten bei der Müllabfuhr vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft der Gemeinde Locri beruft sich auf abgehörte Telefongespräche: Lucano habe einer Nigerianerin das Schließen einer Scheinehe angeraten, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. "Ich bin für das Standesamt zuständig, ich kann sofort eine Eheschließung mit einem italienischen Staatsbürger vornehmen", soll er gesagt haben.

"Verwandlung in autokratischen Staat"

In Italien kritisierten linke Politiker und Aktivisten die Festnahme als politisch motiviert. "Die Regierung geht mit dieser juristischen Ermittlung (...) den ersten Schritt der Verwandlung von einer Demokratie in einen autokratischen Staat", sagte der Schriftsteller Roberto Saviano, der sich für Rechte von Migranten einsetzt.

Matteo Salvini, der italienische Innenminister und Vorsitzende der rechtspopulistischen Lega, entgegnete nach der Festnahme auf Facebook: "Wer weiß, was jetzt Saviano und alle anderen Gutmenschen sagen, die Italien wieder mit Migranten füllen wollen."