Köln - Drei Freisprüche im Prozess um Einsturz des Stadtarchivs 2009 stürzte das Kölner Stadtarchiv wegen eines angrenzenden Tunnelbaus ein. Ein Bauüberwacher der Verkehrsbetriebe wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. © Foto: Oliver Berg

Im Strafprozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat das Landgericht drei Angeklagte freigesprochen. Ein Bauüberwacher der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) erhielt eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung. Laut Anklage haben Fehler bei den Bauarbeiten zu dem Unglück mit zwei Toten im Jahr 2009 geführt.

Angeklagt waren zwei Bauleiter privater Unternehmen, für die die Staatsanwaltschaft jeweils ein Jahr Haft auf Bewährung gefordert hatte. Der nun verurteilte Bauüberwacher sollte nach dem Willen der Staatsanwaltschaft eine zehnmonatige Bewährungsstrafe erhalten. Für eine weitere Bauüberwacherin der KVB forderte auch die Anklage einen Freispruch. Die Verteidiger wollten für alle Angeklagten einen Freispruch erreichen.

Das Urteil musste bis März 2019 ergehen, sonst wäre der Fall strafrechtlich verjährt. Experten legten in dem Prozess dar, wie es ihrer Einschätzung nach zu dem Unglück kommen konnte. Der vom Gericht beauftragte Hauptgutachter Hans-Georg Kempfert stützte die Annahme der Staatsanwaltschaft: Demnach drangen am 3. März 2009 durch ein Loch in einer unterirdischen Betonwand schlagartig große Mengen eines Wasser-Sand-Gemisches in die Grube ein, sodass dem Archiv buchstäblich der Boden entzogen wurde.

Unabhängig von dem Strafprozess wird es in einem späteren Zivilverfahren noch um die Frage gehen, wer für den entstandenen Schaden letztlich aufkommen muss. Unter den Trümmern des eingestürzten Archivgebäudes wurden unzählige kostbare Dokumente begraben und teilweise zerstört. Die Stadt Köln schätzt den Sachschaden auf 1,2 Milliarden Euro.