Der Kirche in der Ukraine soll ein von Russland unabhängiger Status zuerkannt werden. Eine Bischofskonferenz unter Vorsitz des ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. widerrief die 332 Jahre alte Zuordnung der Ukraine zum Moskauer Patriarchat, teilte die Kirchenleitung in Istanbul mit. 

Mit diesem Schritt droht eine Spaltung der orthodoxen Christenheit, die etwa 300 Millionen Anhänger zählt. Sie hat kein Oberhaupt wie den Papst, aber Bartholomäus I., Patriarch von Konstantinopel, ist der ranghöchste Kirchenführer. Die orthodoxe Kirche teilt sich in selbstverwaltete Zweige auf, die jedoch eine Kirchengemeinschaft bilden. Die russisch-orthodoxe Kirche unter Patriarch Kirill mit ihren 150 Millionen Gläubigen bildet die größte unter ihnen und zählt die Ukraine zu ihrem angestammten Gebiet. Die russische Kirche sei nun gezwungen, die Beziehungen zu Konstantinopel abzubrechen, sagte Kirills Sprecher Alexander Wolkow. Kirchenrechtlich hat Bartholomäus I. wieder die Oberhoheit über die Ukraine übernommen, was als Zwischenschritt zur Unabhängigkeit der Kirche gilt.

"Es wird eine ukrainische orthodoxe Ortskirche geben", sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko. "Das Imperium verliert einen der letzten Einflusshebel auf die ehemalige Kolonie". Das Verhältnis zwischen Kiew und Moskau ist wegen der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland und des russischen Militäreinsatzes in der Ostukraine angespannt. Zwar ist die Ukraine laut Verfassung ein säkularer Staat, doch ist der Einsatz für die kirchliche Unabhängigkeit auch Teil von Poroschenkos Wiederwahl 2019.

Die Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche wird jedoch dadurch verkompliziert, dass die ukrainische Orthodoxie in mindestens drei Kirchen gespalten ist. Der Streit zwischen ihnen um Gotteshäuser und Klöster ist in den Neunzigerjahren und nach 2014 teils mit Gewalt ausgetragen worden.