Im weltweiten Kampf gegen den Hunger bleiben die großen Erfolge weiter aus. Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Welthunger-Index, der die Ernährungssituation in 119 Staaten darstellt. Zwar habe sich die Situation in den vergangenen Jahren insgesamt verbessert: Demnach ist der Indexwert im Vergleich zum Jahr 2000 um 28 Prozent gesunken. Die Kindersterblichkeit habe sich seit 2000 sogar halbiert. Die Experten sehen darin jedoch kein Zeichen für Entwarnung: Noch immer seien die Hungerwerte in 51 Ländern der Erde ernst oder sehr ernst.  

Fortschritte bescheinigt der Bericht Angola, Ruanda, Äthiopien und Myanmar. In diesen Ländern habe sich der Indexwert um mehr als 45 Prozent verbessert. 

Dagegen gebe es in 16 Ländern mit einer ernsten Ernährungslage keine Verbesserungen oder sogar Rückschritte. Die fünf letzten Plätze des diesjährigen Rankings belegen neben der Zentralafrikanischen Republik der Tschad, Haiti, Madagaskar, Sierra Leone, Jemen und Sambia. Hier sei die Situation "sehr ernst".  

Südasien und Afrika besonders betroffen

Besonders "gravierend" ist die Hungersituation laut der Untersuchung in der Zentralafrikanischen Republik. Dort war 2012 ein Bürgerkrieg ausgebrochen, in dem sich Milizen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit bekämpften. Erst nach einer französischen Militärintervention, der ein UN-Friedenseinsatz folgte, stabilisierte sich die Lage. 2017 sind jedoch neue Kämpfe ausgebrochen.

Auch die Situation in Südasien und insgesamt in Afrika südlich der Sahara bleibt kritisch. "In beiden Regionen sind die Werte für Unterernährung, Wachstumsverzögerungen bei Kindern, Auszehrung bei Kindern und Kindersterblichkeit unannehmbar hoch", heißt es in dem Bericht.

Hunger als Ursache und Folge von Flucht und Vertreibung

Der Bericht mache außerdem deutlich, dass Hunger sowohl Ursache als auch Folge von Flucht und Vertreibung sei, sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann. In Ländern mit bewaffneten Konflikten trete der Hunger doppelt so häufig auf wie im Rest der Welt. Angesichts von 68 Millionen Flüchtlingen – "so viele wie nie zuvor" – gebe es großen Handlungsbedarf.

"Die Mehrzahl der Flüchtlinge bleibt in ihrer Heimatregion und braucht dort auch Unterstützung", sagte Dieckmann. Die selbst oft armen Aufnahmeländer benötigten mehr internationale Solidarität. "Humanitäre Hilfe allein reicht nicht aus." So müssten Flüchtlinge auch Zugang zu Beschäftigung und Bildung bekommen. Außerdem müssten die Staaten von der internationalen Gemeinschaft mit Maßnahmen zur Konfliktverhütung und Friedensstiftung unterstützt werden.

Experten fordern internationale Solidarität

Trotz der Verbesserungen bei der Hungerbekämpfung seit dem Jahr 2000 bezweifeln die Experten, dass das Entwicklungsziel der UN erreicht werden kann, den weltweiten Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden. Dies sei nur mit verstärkten Anstrengungen und innovativen Ansätzen möglich.

Der Welthunger-Index analysiert die Zusammenhänge zwischen Hunger, Flucht und Vertreibung und wird von Experten vom International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington ermittelt. Seit 2006 wird der Index jährlich vom IFPRI, der Welthungerhilfe mit Sitz in Bonn sowie der irischen Organisation Concern Worldwide veröffentlicht.

Die auf Basis von Datenmaterial der Vereinten Nationen erstellte Rangliste soll Auskunft geben über den Anteil an Unterernährten, an Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern unter fünf Jahren sowie über deren Sterblichkeitsrate. Einige Staaten in Krisenregionen wie der Kongo, Burundi, Südsudan oder Syrien fanden wegen der unzureichenden Datenlage keine Aufnahme in die Rangliste.