Das Berliner Landeskriminalamt (LKA) hatte nach Recherchen mehrerer Medien einen Informanten in der Fussilet-Moschee platziert, die auch der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz besucht hatte. Nach Informationen von rbb, der Berliner Morgenpost und dem Politikmagazin Kontraste führte eine Anti-Terror-Dienststelle des LKA die V-Person in der mittlerweile geschlossenen Moschee. 

Die Existenz des V-Mannes ergebe sich aus einem Schreiben der Polizei an die Innenverwaltung vom 9. Januar 2017. Die Polizei informierte darin die Innenverwaltung laut rbb und Morgenpost unter anderem über Erkenntnisse zu einem "Islamseminar", das Anfang Oktober 2016 in der mittlerweile geschlossenen Fussilet-Moschee stattfinden sollte. Der Autor des Schreibens berufe sich auf Informationen eines Fachkommissariats des LKA für "Informationsgewinnung" in der Abteilung für politisch motivierte Kriminalität. "Eine dort geführte Informationsquelle" habe angegeben, dass das Islamseminar ausgefallen sei. Laut Morgenpost und rbb wurde der Begriff "Informationsquelle" als Umschreibung für eine V-Person genutzt.

Ob und inwieweit diese Person Kontakt zu dem Attentäter Anis Amri hatte, ist unklar. Die Frage ist aber, ob das LKA die Gefährlichkeit des späteren Attentäters womöglich besser hätte einschätzen können. Amri war regelmäßig in der Moschee und soll auch am Tag des erwähnten Islamseminars dort gewesen sein. Da nur rund 50 Menschen zu den regelmäßigen Besuchern der Moschee gehört haben sollen, könnte die "Informationsquelle" des LKA Amri also gekannt haben.

Thema im Untersuchungsausschuss

Die Berliner Innenverwaltung und die Berliner Polizei haben sich bisher nicht zu den neuen Erkenntnissen geäußert. Sie werden aber sicherlich an diesem Freitag im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses thematisiert werden. Dort werden der damalige Polizeipräsident Klaus Kandt und der noch amtierende LKA-Leiter Christian Steiof befragt. Die Grünen-Fraktion kündigte bereits an, auch zu der bisher unbekannten V-Person Fragen zu stellen. Bislang sei der Untersuchungsausschuss nicht über die Existenz dieser V-Person des LKA informiert worden. Das werfe kein gutes Licht auf die Aufklärung, sagte Ausschussmitglied Benedikt Lux von den Grünen. Es stelle sich die Frage, ob das LKA alle Möglichkeiten genutzt habe, die V-Person auf Amri anzusetzen.

Bekannt war bislang, dass V-Leute des LKAs Nordrhein-Westfalen und des Bundeskriminalamts in der Moschee platziert waren. Außerdem hatte der Verfassungsschutz in der Berliner Fussilet-Moschee mindestens einen V-Mann. Dieser Informant soll den späteren Attentäter Anis Amri allerdings nicht gut gekannt haben.

Der islamistische Attentäter Amri war im Dezember 2016 mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gerast, hatte zwölf Menschen getötet und Dutzende verletzt. Es war der bislang schwerste islamistische Anschlag in Deutschland. Er wurde später auf der Flucht in Italien von der Polizei erschossen.