Bei den verheerenden Waldbränden im US-Bundesstaat Kalifornien ist die Zahl der Todesopfer auf 25 gestiegen. In der nordkalifornischen Kleinstadt Paradise waren zunächst neun Tote geborgen worden. Inzwischen wurden dort 14 weitere Leichen gefunden, teilten die Behörden mit. Im Küstenort Malibu in der Nähe von Los Angeles wurden zwei Menschen tot aufgefunden. Die Leichen seien in einem Fahrzeug in einer Auffahrt zu einem Haus entdeckt worden. 110 Menschen galten zuletzt als vermisst.

Das über 30.000 Hektar große Feuer nördlich von Sacramento hatte vor allem in der Kleinstadt Paradise katastrophale Ausmaße angenommen. Die Flammen vernichteten Paradise fast vollständig, wie ein Augenzeuge der New York Times berichtete. Alle 27.000 Einwohner wurden aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Paradise liegt 290 Kilometer nordöstlich von San Francisco. Trotz der großen Distanz war bis nach San Francisco Rauchgeruch wahrzunehmen. 

Bisher ist das Feuer rund um Paradise nach Angaben der Feuerwehr erst zu 20 Prozent eingedämmt. Mit mehr als 6.000 zerstörten Häusern zählt die Feuerkatastrophe in Paradise zu den schlimmsten Flächenbränden in der Geschichte des Westküstenstaates. Nur zwei Brände mit mehr Toten sind bekannt. Insgesamt mussten in Kalifornien mehr als 200.000 Menschen wegen der Brände ihre Häuser verlassen.

Zwei weitere Großbrände wüten nach wie vor in den Bezirken Ventura und Los Angeles. Dort wurde die Evakuierung von 75.000 Häusern angeordnet. Auch Einwohner des bekannten Pazifik-Küstenortes Malibu westlich von Los Angeles im Süden des Bundesstaates wurden evakuiert. Betroffen ist in der Region auch der Ort Thousands Oaks, in dem am Tag zuvor ein bei einem Gewaltverbrechen zwölf Menschen gestorben waren. In der Gegend am Nordrand von Los Angeles seien mindestens 150 Häuser abgebrannt, teilte die Feuerwehr mit, rund 50.000 Gebäude seien noch in Gefahr. Bei abflauenden Winden meldeten die Löschteams jedoch erste Fortschritte. Das Feuer sei zu fünf Prozent eingedämmt, hieß es.

Notstand ausgerufen, US-Präsident kritisiert Waldbehörde

Der kalifornische Interimsgouverneur Gavin Newsom rief für die Brandgebiete den Notstand aus. Schulen schlossen, Freizeitaktivitäten und Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Tausende Feuerwehrleute aus mehreren Bundesstaaten kämpfen gegen die Flammen. Viele Menschen mussten in ihren Autos übernachten. 

Der Energieversorger Pacific Gas & Electric Co. gab bekannt, unmittelbar vor dem Ausbruch des Feuers Probleme mit einer elektrischen Leitung bemerkt zu haben. Später sei ein Schaden an einem Sendeturm in der Nähe von Paradise registriert worden. Die Feuerwehr hat die Brandursache noch nicht ermittelt.

Trockenheit, wärmeres Wetter und die Ausdehnung von Wohngebieten in Wälder haben dazu geführt, dass die Waldbrände größere Zerstörung aufweisen und länger dauern. Im vergangenen Jahr ging in Kalifornien eine fünfjährige Dürre zu Ende, doch auch 2018 war sehr trocken. Weite Teile der nördlichen zwei Drittel des Bundesstaats seien ungewöhnlich trocken, hieß es in einer Analyse der US-Regierung.

US-Präsident Donald Trump machte die kalifornische Behörde, die die Wälder beaufsichtigt, für die Brände verantwortlich. Der einzige Grund für die Brände sei das schlechte Management. Auf Twitter drohte er damit, Bundesmittel zu kürzen, falls die Brände nicht bald gelöscht seien. Der Verband der Feuerwehrleute in Kalifornien (CPF) wies die Anschuldigungen zurück. Trump habe eine "uninformierte politische Drohung gegen die unschuldigen Opfer dieser verheerenden Feuer" ausgesprochen, sagte Verbandschef Brian Rice. Dies sei auch ein Angriff auf die Feuerwehrleute, die derzeit ihr Leben riskierten.