Die deutsch-kurdische Sängerin Hozan Canê ist von einem türkischen Gericht wegen Mitgliedschaft in der als terroristisch eingestuften Organisation PKK zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Vom Vorwurf der Volksverhetzung und der Beleidigung des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk sprach das Gericht in Edirne die Sängerin aus Köln frei, teilte Canês Anwältin Newroz Akalin der Deutschen Presse-Agentur mit.

Inhaftiert ist die Sängerin im Frauengefängnis des Istanbuler Stadtteils Bakırköy. Zum Prozess wurde sie per Video zugeschaltet. Die Anklage stützte sich unter anderem auf angebliche Facebook-Posts. Ihr Anwältin sagte, sie werde Berufung einlegen.

Hozan Canê ist der Künstlername der Sängerin. Mit bürgerlichem Namen heißt sie Saide Inac. Ende Juni, kurz vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 24. Juni, war sie in Edirne festgenommen worden. Canê hatte dort eine Wahlkampfveranstaltung der prokurdischen Oppositionspartei HDP unterstützt.

Es ist das dritte Urteil gegen deutsche Staatsbürger in der Türkei in drei Monaten. Ende September war der Hamburger Ilhami A. wegen angeblich über Facebook verbreiteter Terrorpropaganda für die PKK zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. A. kann sich derzeit frei bewegen, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, darf aber nicht ausreisen.

Ende Oktober wurde der 29-jährige Gießener Patrick K. wegen Mitgliedschaft in der YPG – dem syrischen Ableger der PKK – zu mehr als sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Er ist im osttürkischen Elazığ inhaftiert. Nach Angaben seiner Familie war er zum Wandern in der türkisch-syrischen Grenzregion unterwegs.

Zusätzlich sitzen noch mindestens vier deutsche Staatsbürger wegen Terrorvorwürfen in türkischer Untersuchungshaft. Darunter ist der Kölner Adil Demirci, dessen Prozess am kommenden Dienstag beginnt.