In Deutschland leben so viele Menschen mit Wurzeln in anderen Ländern wie noch nie: Knapp ein Viertel der Gesamtbevölkerung in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. In der öffentlichen Debatte wird meist kritisch über die Herausforderungen bei der Integration diskutiert, aber eine neue Studie zeigt, dass Zugewanderte viel besser integriert sind als noch vor zehn Jahren. Das geht aus der repräsentativen Untersuchung "Migranten, Meinungen, Milieus" hervor, die im Auftrag des Bundesverbands für Wohnen und Stadtentwicklung (vhw) durchgeführt wurde. In dem Verband sind Gemeinde-, Kreis- und Stadtverwaltungen, Wohnungsunternehmen sowie Versorger organisiert.

Die Studie hatte auch das Ziel herauszufinden, wie die Lebenswelten der 19 Millionen Menschen mit anderen Wurzeln in Deutschland aussehen und wie stark sich ihre Einstellungen von denen der Gesamtbevölkerung unterscheiden. Die Untersuchung knüpft an eine Studie aus dem Jahr 2008 an, in der erstmals Migrantenmilieus definiert und analysiert wurden. Sie schließt eine Forschungslücke, denn repräsentative Daten zur Situation von Menschen mit Migrationshintergrund gibt es wenige. Die vhw-Untersuchung nimmt sowohl Geflüchtete als auch Gastarbeiter der ersten Generation in den Blick sowie deutsche Staatsbürger, deren Großeltern aus anderen Ländern kamen.

Integration gelingt demnach im ländlichen Raum und in kleinen Orten besser. Dort haben Zugewanderte mehr Kontakt mit der deutschen Bevölkerung, dort beteiligen sie sich auch häufiger auf lokaler Ebene in Vereinen und Parteien. In Großstädten hingegen ist die Spaltung groß – auch unter den Zugewanderten selbst.

Religion spielt eher eine untergeordnete Rolle

Die Ergebnisse zeigen: Die Lebenswelten, Werte und Einstellungen von Menschen mit anderen Wurzeln driften zunehmend auseinander. Immerhin sind in den vergangenen zehn Jahren nicht nur durch die Fluchtbewegung 2015, sondern auch durch die EU-Osterweiterung und die Globalisierung allgemein viele Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen. Migrantinnen und Migranten haben dabei oft mehr mit Deutschen aus ihrem eigenen sozialen Milieu gemeinsam als mit ihren Landsleuten in anderen Milieus. "Die gleiche nationale Herkunft oder Religionszugehörigkeit zu besitzen bedeutet nicht, auch Lebensplanung und -gestaltung zu teilen", schlussfolgern die Studienautoren.

Insgesamt machen die Forscherinnen und Forscher zehn unterschiedliche Milieus unter Zugewanderten aus, die sich in vier Cluster teilen lassen: das modern-kreative und bürgerliche Segment, in dem sich die Menschen stark an die deutsche Kultur anpassen und das Leben in Deutschland recht positiv ansehen, sowie das traditionelle und prekäre Segment, in dem die Menschen stärker von Diskriminierungserfahrungen sprechen und mit Rückzug reagieren. In diesem Segment schätzen die Befragten das Leben und ihre Integration in Deutschland tendenziell eher pessimistisch ein. Allerdings zählt die Minderheit der Zugewanderten zu diesem Cluster. Dem religiös-verwurzelten Milieu werden nur sechs Prozent (900.000 Personen) zugeordnet. Bei vielen anderen und vor allem den modernen Milieus spielt die Religion eine eher untergeordnete Rolle.

Was die Integration angeht, dominiert Zuversicht: 80 Prozent gaben an, sich den Deutschen nahe zu fühlen. Zwei Drittel der Befragten schätzen das Zusammenleben zwischen Migranten und Deutschen als sehr gut oder gut ein. Auffällig dabei ist: Je mehr Kontakte die Befragten mit Deutschen haben, desto positiver bewerten sie auch das Zusammenleben und die Integration. Vielfach verstehen sich die Zugewanderten aus der Mitte und der modernen Milieus gar nicht mehr als Migrantinnen und Migranten. Sie haben in der Regel zwar ein bikulturelles Selbstverständnis, fühlen sich aber in Deutschland zu Hause.