Joaquín Guzmán - Prozess gegen mexikanischen Drogenboss El Chapo beginnt Joaquín »El Chapo« Guzmán werden mehrfacher Mord und Drogenschmuggel vorgeworfen. Der Prozess könnte zum teuersten der US-Justizgeschichte werden. © Foto: Tom Hays/AP/dpa

In New York City beginnt unter strengen Sicherheitsmaßnahmen der Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán, der sich unter anderem wegen Drogenschmuggels, Waffenhandels und Geldwäsche verantworten muss. El Chapo, der in seiner Heimat Mexiko zweimal aus dem Gefängnis entkam, muss mit lebenslanger Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis rechnen. 

Jahrelang hat die Staatsanwaltschaft Unterlagen für die Anklage gegen Guzmán gesammelt. Elf Anklagepunkte werden ihm zur Last gelegt. Das mexikanische Sinaloa-Kartell bezeichneten die Ankläger als "größte Drogenschmuggelorganisation der Welt". Unter der Führung El Chapos wurden demnach zwischen 1989 und 2014 insgesamt 154.626 Kilogramm Kokain in die USA geschmuggelt. Hinzu kamen Heroin, Crystal Meth und Marihuana. Laut der Anklage soll das Kartell damit etwa vierzehn Milliarden Dollar (12,3 Milliarden Euro) verdient haben.

Der 61-jährige Guzmán, der aufgrund seiner geringen Körpergröße "El Chapo" (zu Deutsch: "der Kurze") genannt wird, plädiert auf nicht schuldig. Doch die US-Justiz hat belastendes Material gesammelt, das inzwischen mehr als 300.000 Seiten und mindestens 117.000 Audioaufnahmen umfasst. Für die Durchsicht dieses Materials forderten die Verteidiger des mächtigen Drogenbosses schon mehrfach mehr Zeit und erreichten, dass der Prozess verschoben wird.

Das auf vier Monate angesetzte Verfahren vor einem Bezirksgericht in Brooklyn findet hinter verschlossenen Türen statt. Zu Beginn steht die Auswahl der Geschworenen, die mehrere Tage in Anspruch nehmen wird. Am 13. November halten Anklage und Verteidigung dann ihre Eröffnungsplädoyers.

Geschworene werden eskortiert

Die zwölf Geschworenen und ihre sechs Ersatzkandidaten werden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen ausgewählt. So verfügte Richter Brian Cogan, dass die Jurymitglieder anonym bleiben und an jedem Prozesstag von Beamten sowohl ins Gericht hinein- als auch wieder herauseskortiert werden sollen. Auch einstige Geschäftspartner Guzmáns, frühere Handlanger und Rivalen, die Informanten und Zeugen in dem Verfahren sind, stehen unter Schutz. Viele haben im Rahmen des Zeugenschutzprogramms mit einer neuen Identität bereits ein neues Leben begonnen. Inhaftierte Informanten sind in Spezialflügeln untergebracht, um sie vor Repressalien zu schützen.

Von ihren Aussagen hängt das Verfahren in höchstem Maße ab. Denn niemand habe Fotos davon, wie Guzmán Kokain in die USA geschleust und dafür "Koffer mit Geld" entgegengenommen hat, sagt der Anwalt Rob Heroy, der bereits mehrere mexikanische Drogenbarone vor Gericht vertreten hat.

Der Jurist schätzt, dass das Verfahren den Steuerzahler wegen der hohen Sicherheitsvorkehrungen und der Schutzprogramme für die Zeugen "mehr als 50 Millionen Dollar" kostet. Wahrscheinlich gehe der Prozess als der teuerste in die Geschichte der USA ein. Der Drogenhandel in die USA werde mit dem Verfahren jedoch nicht gestoppt.

Guzmán sitzt in New York in Einzelhaft, seit er im Januar 2017 von Mexiko an die USA ausgeliefert wurde. Der einstige Drogenboss verbringt 23 Stunden am Tag in seiner Zelle und darf nur seine drei Anwälte sowie seine beiden Töchter als Besucher empfangen. Die siebenjährigen Zwillinge sind dabei durch eine dicke Glasscheibe von ihm getrennt. Seine Frau, die 29-jährige Emma Coronel, darf ihn dagegen nicht besuchen. Während der Anhörungen vor Prozessbeginn war sie indes im Gerichtssaal und warf ihrem Mann von der Zuschauertribüne Küsse zu.

In dem auf vier Monate angesetzten Prozess vor einem Bezirksgericht in Brooklyn werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit zunächst die zwölf Geschworenen und ihre sechs Ersatzkandidaten bestimmt. Zahlreiche Informanten und Zeugen in dem Verfahren stehen unter besonderem Schutz.